Shannon Shaw – Shannon in Soul Shannon Shaw – Shannon in Soul
Aktuelles Album: Shannon Shaw – Shannon In Nashville (Easy Eye Sound/Nonesuch/Warner Music) Selbst eingefleischteste SOUL TRAIN-Leser dürften mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit vor ihrem... Shannon Shaw – Shannon in Soul

Aktuelles Album: Shannon Shaw – Shannon In Nashville (Easy Eye Sound/Nonesuch/Warner Music)

Selbst eingefleischteste SOUL TRAIN-Leser dürften mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit vor ihrem ersten Album unter eigenem Namen, dem genialen „Shannon In Nashville“, noch nie etwas von Powerfrau und Herzblutsängerin Shannon Shaw, die bis dato lediglich als Frontfrau der Punk-Band (!) Shannon & The Clams seit rund zehn Jahren und mit einem halben Dutzend Alben in Erscheinung getreten ist, gehört haben.

Gemeinsam mit The Black Keys-Mastermind Dan Auerbach, den viele sicher durch sein Easy Eye Sound-Label und seine produktionstechnische Raffinesse beim aktuellen Robert Finley-Album „Goin Platinum!“ (READ MORE) kennen, sowie handverlesenen Rhythm- and Blues-, Soul-, Funk-, Pop-, Rock-, Country- und Jazz-Routiniers, Allroundmusikern und Songschreibern wie Pat McLaughlin, Bobby Wood, Gene Chrisman, Dave Roe oder Russ Pahl, um nur einige wenige zu nennen, welche die mitgelieferte Presseinfo zu Recht in die geschichtlichen Fänge von Giganten der populären, nordamerikanischen Art wie, beispielsweise, den King Elvis Presley, Aretha Franklin, Neil Diamond, Willie Nelson oder Dusty Springfield, allesamt sozusagen „Dauergäste“ in Deutschlands Soul-Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN @ soultrainonline.de – eingruppiert, schmiedete Shannon Shaw, beseelt mit eigenwilligem, wiedererkennbarem, zugleich sensiblem Organ, das sich bewusst nicht zwischen Kopf- und Bauchstimme entscheiden mag und so einen sehr persönlichen Charakter in die wunderbar retrospektiv angelegte Musikmelange von Produzent und Co-Songschreiber Dan Auerbach legt (die mitgelieferte Presseinfo zieht Parallelen zu Brenda Lee und Patsy Cline – der SOUL TRAIN berichtete) die musikalische aber auch seelische Grundlage des brillanten „Shannon In Nashville“-Sets.

Shannon Shaw (Photo © Alysse Gafkjen)

Das erdige, organische Spektrum des Longplayers greift hier zwischen Sixties Soul und Country & Western perfekt ineinander und lässt wohlweißlich Ecken und Kanten ungeschliffen und liefert so nicht nur musikalisch eine wehmütige Hommage an eines der legendärsten Soul-Alben der Musikgeschichte überhaupt ab: das geniale, im SOUL TRAIN regelmäßig thematisierte „Dusty In Memphis“ der unvergessenen Dusty Springfield, das fünfte Album der Britin von 1969.

Dass sich diese grummelnde Black Music-Retrospektive mit der unüberhörbaren Punk-Rotzigkeit der Namens- und Stimmgebenden Hauptdarstellerin Shannon Shaw verbinden lässt, ist dabei vielleicht faktisch überraschend, ergibt jedoch eine hinreißende, überaus coole Sound-Kombination, die ihresgleichen suchen wird, egal ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder der Zukunft von Black Music mit starker, eigener Handschrift.

„Das kommt auch daher, dass ich mich mit einer Menge dieser so genannten Oldies-Musik identifiziere, aus den Fünfziger und Sechziger Jahren, all diese wirklich emotionalen Musikthemen, Teenager-Ängste, Vocal Harmonies und schließlich Punk.“ schlüsselt Soul-Punk-Amazone Shannon Shaw im exklusiven SOUL TRAIN-Interview diese Vermischung zwischen Soul und Rhythm and Blues und sogar Country und Blues auf der einen Seite und den Idealen des Punk auf der anderen Seite auf und führt aus: „All diese Dinge sind so grundverschieden, aber sie nutzen alle die Stimme, den Mund, um ihre Rolle zu spielen. Punk gräbt wirklich tief in diesen Dingen. Punks machen Musik ja nicht für andere Leute, sie machen Musik für sich selbst. Sie wollen es nur physisch rauskriegen, hinausschreien. Du merkst das, wenn du so wie ich bei einem Gig in einer Punk-Band singst. Dann gibt es da aber auch Leute wie The Shangri-Las, Roy Orbison oder Gene Pitney (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über alle genannten, Anm. d. Verf.), die gut darin sind, ihr Gefühl, ihre Zerbrechlichkeit, ihre Emotionalität in ihre Songs zu legen, selbst, wenn sie diese nicht selbst geschrieben haben. Und das fühlt man, und so fühle ich mich auch. Dies sind die Dinge, die mich erst gemacht haben, die mich ausmachen.“

Als routinierte und erfolgreiche Grand Dame des Punk muss ihr aber vor dem viel zitierten Gang ins Studio, gerade unter Federführung eines Dan Auerbach und seinem Easy Eye Sound-Labels und unter dem Banner der auch optisch jenem „Dusty In Memphis“ nachempfundenen „Shannon In Nashville“ die Gratwanderung klar gewesen sein. Shannon: „Ich hatte absolut keine Idee, wie sich das anhören würde. Was herauskam war das bestmögliche Ergebnis überhaupt, sehr cineastisch. Ich liebe diese Art Musik. Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, was ich erwarten sollte, als es mit dem Album los ging. Ich hatte einige meiner eigenen Songs dabei, die Dan (Auerbach) und ich ausgearbeitet haben, und beim Rest haben wir gemeinsam die Songs geschrieben. Pat (McLaughlin) oder Bobby (Wood) setzten uns hin und arbeiteten zusammen an den Songs, was cool, interessant und faszinierend für mich war, aber auch total erschreckend. Diese Jungs haben alles erlebt, sie waren immer ein Teil all dieser Sachen da draußen. Sie sind gerade auch technisch so, so gut. Ich dagegen komme aus diesem Do-It-Yourself-Background. Ich kann keine Noten lesen, ich kann keine Akkorde, ich weiß nicht, in welcher Note ich mich gerade befinde, ich weiß nur, was ich machen möchte. Ich fühlte mich wie aus meiner Welt entrissen, wie ein Fisch an Land. Ich musste die ganze Zeit adaptieren, ich hatte keine Ahnung, was ich da mache, aber sie wollten mich trotzdem nachwievor dabei haben. Es war hart, mich daran zu erinnern, dass sie ja vielleicht doch irgendetwas an mir mögen, immerhin komme ich aus solch einer anderen Welt. Es war tatsächlich eine echte Ehre mit ihnen Songs zu schreiben und zu spielen.“

Shannon Shaw (Photo © Alysse Gafkjen)

Dass es zugleich gerade dieses Unperfekte, fast Unschuldige, Unwissende ist, das der Musik, den genialen Sound und vor allen Dingen den umwerfenden Charme von „Shannon In Nashville“, das selbstredend auch auf authentischem Vinyl erscheint, erst so richtig schürt, ist aber auch Shannon Shaw durchaus bewusst: „Ich glaube, ich habe wirklich dieses lebendige, echte, vibrierende Leben mit in die Musik gebracht. Ich kann meine Hände nicht an etwas legen, dass nicht echt ist, das nicht ein Teil meiner Seele ist. Ich hasse Musik, die nichts mit etwas Realem zu tun hat, auch wenn sie vielleicht technisch perfekt ist!“

Das nach einer erfolgreichen und langjährigen Karriere als Punk-Diva das erste Album mit „nur“ ihrem eigenen Namen Shannon Shaw gleich ein solches in einer solch anderen, analogen, Soul, Rhythm and Blues und Country verwischenden Klangfarbe werden würde, war dagegen auch Shannon selbst nicht klar: „Ich dachte eigentlich, das mein erstes Solo-Album ein regelrecht minimalistisches, sehr einfaches, aufgeräumtes Vier-Spur-Alben werden würde, so stellte ich mir das immer vor. Das es jetzt dieses Ding hier geworden ist, ist sowas von irreal… (lacht) Für mich ist das übrigens auch alles andere als ein Solo-Album. Ich hätte NIEMALS ein Album wie dieses ohne all die anderen machen können, jeder hat so viel zum Album beigetragen. Für mich ist es also KEIN Solo-Album. Die Idee, da raus zu gehen, ohne all meine Punk-Buddies, und ein Album wie dieses aufzunehmen war nur schwer vorstellbar. Ich hatte den Luxus, die gute alte, traditionelle, altmodische Erfahrung zu sammeln, Musik wie damals aufzunehmen. Und jetzt muss ich mir überlegen, wie wir all das Live zusammenkriegen, was schon ziemlich furchterregend ist, aber es wird, glaube ich, sehr gut werden…“

Doch gerade im Studio muss diese Flut an Ehrfurchtgebietendem Musikerhandwerk, Kreativität und fließenden Sound-Synergien wie eine Frischzellenkur für das Musikerherz funktioniert haben, was Shannon Shaw sofort bestätigt: „Ja, also Bobby und Pat zum Beispiel arbeiten so grundlegend anders an Songs. Bei der ersten Session waren es Pat, Dan und ich in diesem schönen, alten Raum, beide hatten akustische Gitarren und der Vibe war sehr relaxt. Sie wollten zunächst einfach nur über die Songs, über das Konzept und meine Ideen sprechen. Es war also groovy, entspannt… Mit Bobby am Klavier war es mehr experimentieren, herumspielen, als wäre ich bereit, spontan zu jammen, also zwei völlig andere Herangehensweisen, die mich beide sehr beeindruckt haben. Bobby forderte mich immer wieder auf, neue Dinge auszuprobieren, was sehr beängstigend war, dem ich jedoch stets mit einem Lächeln zustimmte.“

Aktuelles Album: Shannon Shaw – Shannon In Nashville (Easy Eye Sound/Nonesuch/Warner Music)

Trotz allem auf „Shannon In Nashville“ deutlich hör- und spürbarem Selbstbewusstsein nutzt Shannon im Interview immer wieder die „Angst“-Begrifflichkeit, die ich gerne etwas näher erläutert hätte, steht sie doch im direkten Kontrast zum wunderbar in sich ruhenden Album Shannons. Frau Shaw atmet tief durch und kommentiert nach kurzer Denkpause und mit leicht zerknirschter Stimme: „Großartig. Jetzt also das, worüber ich eigentlich nicht sprechen wollte. (lacht) Die Kreation dieses Albums war eine gigantische Unterrichtsstunde in Sachen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Zu realisieren, dass ich hier angekommen und kein Fall für die Psychiatrie geworden bin, ist wunderbar. Mir wurde diese großartige Chance geboten, und ich fühlte mich wie aus meinem Element herausgenommen. Ich weiß aber auch nicht, wo all diese Dinge, die aus mir herauskamen, überhaupt herkommen, Es war echt schockierend, und auch richtig anstrengend, gerade in meinem Kopf. Am Ende fühlte ich mich natürlich super und habe mich wirklich wohl gefühlt mit den Jungs und ihren Entscheidungen und in welche Richtungen ich diese Entscheidungen leiten konnte, das war wirklich wunderbar.“

Dass „Shannon In Nashville“ tatsächlich vielschichtige Strukturen und schiere musikstilistische Querverweise wie einen Sommerregen auszuspucken versteht, spiegelt sich bereits im ersten Song des Albums, „Golden Frames“ wider, einer schieren Country-Ballade, die zunächst mal die „Nashville“-Herkunft, Hauptstadt der Country-Musik schlechthin, abnickt, in der Folge aber immer mehr und langsam und sicher in die starke Verschmelzung von Gesangsschmelz, Herzblut, Melancholie und Wehmut im Zeichen von retrospektivem Soul, Rhythm and Blues, Blues und eben Country gleitet und damit regelrecht verzaubert. Shannon Shaw dazu: „“Golden Frames“ ist der erste Solo-Song, den ich überhaupt geschrieben habe. Dan schlug mir vor, zu ihm zu kommen, und ein Solo-Album aufzunehmen, was ich erstmal ausschlug, da ich ja keine Songs hatte. Aber Dan bestand darauf. Also erzählte ich ihm von dem einzigen Song, den ich geschrieben hätte, was dieser seltsame Country-Song sei. Also schickte ich ihm den Song, der schon ziemlich so klang, wie die Version auf dem Album. Folgerichtig dachte ich, dass ich in Nashville ankomme und ein waschechtes Country-Album aufnehmen würde. Als ich dann aber dort war, war es plötzlich all das, all diese Typen von Musik, die ich liebe, was ich musikalisch liebe, nicht nur Country, die hier verschmelzt wurden. Dazu kamen all die Erfahrungen und die Geschichte, welche die ganzen Jungs hatten und die so wussten, wie alles zu handeln ist… Ich liebe all die verschiedenen Vibes des Albums – es war ein echtes Abenteuer, dieses Album.“

Shannon Shaw (Photo © Alysse Gafkjen)

Ein Abenteuer, dass auch auf Soul-Punk-Diva Shannon Shaws bisherigen Karriere- als auch Lebensverlauf zutrifft und in einem Ratschlag an alle SOUL TRAIN-Leser und Musikliebhaber, die sich ihrer Rolle in dieser Welt noch nicht ganz schlüssig sind, gipfelt: „Wenn du Musik machen willst, solltest du das auch. Ich komme ja auch aus dem Nirgendwo, und ich bin noch immer unterwegs, und ich liebe, was ich tue. Wer auch immer etwas wirklich will, und das muss nicht unbedingt Musik sein, es kann alles sein, sollte es tun, unbedingt. Ich bin froh, dass ich so stur war, auch damals, als ich noch wirklich Probleme mit der schieren Existenz hatte. Wenn ich einen regulären Job gefunden hätte, wäre nie dieses unglaubliche Album dabei herausgekommen!“

Passend dazu und sozusagen als abschließenden Gedanken das überaus bodenständige, ähnlich der Musik sehr natürlich wirkende, exklusive SOUL TRAIN Interview betreffend, findet Shannon Shaw, aufgewachsen übrigens in einer mormonischen Glaubensgemeinschaft, den wohl wichtigsten Grund, sich ihr neues, erstes Album unter eigenem Namen, „Shannon In Nashville“ (Easy Eye Sound/Nonesuch/Warner Music), anzuhören, zu gönnen: „Ich glaube, dass ich eine interessante Perspektive anbiete, denn ich komme aus einem völlig anderen Lebensweg. Ich denke, ich habe eine extrem andere Erfahrung in diesem Leben, und mit und durch die Entstehung dieses Albums. All das ist eine interessante Geschichte, die ich gerade lebe, ein sehr spezielles Märchen…“

© Michael Arens

VERLOSUNG!

Der SOUL TRAIN verlost 3 Exemplare von Shannon Shaw – „Shannon In Nashville“ (CD)!

Einfach eine E-Mail mit dem Stichwort „Shannon“ an soul@(nospam)michaelarens.de – viel Glück!

Mehr Infos zu unseren Verlosungen gibt es hier: SOUL TRAIN-FAQ

Shannon Shaw – „Freddies ’n‘ Teddies“ (Official Video):

Shannon Shaw – „Cryin‘ My Eyes Out“ (Official Video):