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Sonny Rollins – The Golden Rollins of Bebop Sonny Rollins – The Golden Rollins of Bebop
Aktuelles Album: Sonny Rollins – Holding The Stage – Road Shows Vol. 4 (Doxy Records/OKeh/Sony Music) Walter Theodore „Sonny“ Rollins wurde am 7. September... Sonny Rollins – The Golden Rollins of Bebop

Aktuelles Album: Sonny Rollins – Holding The Stage – Road Shows Vol. 4 (Doxy Records/OKeh/Sony Music)

Walter Theodore „Sonny“ Rollins wurde am 7. September 1930 in New York geboren. Die Eltern, Einwanderer aus den Amerikanischen Jungferninseln, versorgten den Sohn bereits mit sieben Jahren mit seinem ersten Saxofon, damals noch ein Alt-Saxofon – Rollins baute seine Karriere später im Wesentlichen auf seinem Lieblingsinstrument, dem Tenor-Saxofon, auf.

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Photo @ John Abbott

Bereits Ende der vierziger Jahre nahm Rollins dann als Teil der Band von Babs Gonzales erste Platten auf. Anfang der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts spielte er dann mit den nach heutiger Sicht Bahnbrechenden Ikonen des zeitgenössischen Jazz wie Miles Davis, Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Clifford Brown, Red Garland, Art Farmer, Horace Silver, Sonny Stitt, Max Roach oder, eine immer wiederkehrende Lichtgestalt in Sonny Rollins‘ Schaffen und Leben, Thelonius Monk, um nur einige wenige zu nennen, zusammen – der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über alle genannten, ganz besonders und selbstverständlich über Sonny Rollins selbst.

Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte. Sonny Rollins wurde zu einer der Galionsfiguren des Jazz und der Jazz-Geschichte überhaupt und wird heute mit den vorab genannten Künstlern in einem Atemzug genannt – Aufnahmen für die legendärsten der US-Amerikanischen Jazzlabels von Blue Note und Impulse! über Prestige bis zu Verve, Milestone und RCA Victor inklusive.

Sonny Rollins‘ Discografie, Solo oder als Musiker auf der Bühne und im Studio für und mit anderen Musikern, Acts und Bands hat dabei fast beängstigende Ausmaße, besonders unter dem Aspekt, dass Workaholic Rollins, der sich trotz seiner Arbeitswut immer wieder längere Auszeiten nahm, um immer neue Erfahrungen mit esoterischen, spirituellen und philosophischen Lebensweisen im Wendekreis von Meditation und seiner Leidenschaft Yoga zu sammeln, bis in die Gegenwart als Saxofonist aktiv ist und erst vor zehn Jahren, also mit Mitte 70, einer Zeit, in dem sich der durchschnittliche Mensch bereits im wohlverdienten Ruhestand befindet, sein eigenes Label Doxy Records gründete.

Nachdem Sonny Rollins seine Bühnenpräsenz in den letzten Jahren sicher auch aufgrund seines fortgeschrittenen Alters immer weiter einschränkte, konzentrierte er sich mit seinem neuen Label Doxy Records darauf, die unzähligen Live-Mitschnitte seiner Karriere in einen Kontext zu bringen.

2008 erschien so der erste Teil der begehrten „Road Shows“-Reihe, von der nun der mittlerweile vierte Teil, „Holding The Stage – Road Shows Vol. 4“ erscheint – ein zehn Titel langer Exkurs durch vielschichtige Live-Mitschnitte von Rollins-Auftritten, angefangen bei der Thelonius Monk-Hommage „Disco Monk“, mitgeschnitten 1979 in Pori, Finnland, über Aufnahmen aus den Neunziger Jahren aus Paris bis zu Mitschnitten neuerer Zeitrechnung aus Boston, Prag, Marseille oder London – Sonny Rollins war und ist auch stets ein Weltenbummler und nicht zuletzt Weltbürger – the Sonny side of life.

„Holding The Stage – Road Shows Vol. 4“ klingt dabei auch aufgrund der engmaschigen Zusammenarbeit mit Co-Produzent Richard Corsello, der ein großartiges Feingefühl für den Sonny Rollins-Jazz, aber auch die Ausflüge in karibische Rhythmen (die Calypso-Querverweise in Sonny Rollins‘ Arbeit gelten heute als Markenzeichen seiner Musik) und sogar Soul an den Tag legt, eher wie ein brandneues Studioalbum als ein Zusammenschnitt diverser Live-Gigs des ikonischen Sonny Rollins und seiner fast 70-jährigen (!), weltweiten Bühnenpräsenz.

Allerhöchste Zeit also, dass Deutschlands Soul Musik-Portal Nummer 1 – der SOUL TRAIN – dem größten noch lebenden Jazz-Monument der (Musik-)Geschichte Sonny Rollins auf den Zahn seines eklektischen, einzigartigen Schaffens und seines neuen Albums „Holding The Stage – Road Shows Vol. 4“ fühlt: Sonny Rollins – live und direkt, sympathisch, humorvoll, unkompliziert und mit erstaunlicher Bodenhaftung und ganz exklusiv…

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Photo @ John Abbott

Michael Arens: „Sonny, Du bist eine Legende, und ich freue mich sehr, dass Du dem SOUL TRAIN dieses Interview gönnst!“

Sonny Rollins: (lacht) „Eine Legende mit Starrsinn…“

Michael Arens: „Na ja… Ich spiele übrigens auch Saxofon, allerdings Alt…“

Sonny Rollins: „Oh, also sind wir Brüder!“

Michael Arens: „Oh ja! Ich habe mir gerade zum wiederholten male dein neues Album „Holding The Stage – Road Shows Vol. 4″ angehört und für mich ist es das bisher beste der Road Show-Reihe. Es klingt knackig, fast Frühlingshaft, aber vor allen Dingen klingt es wie aus einem Guss; als wäre es wie ein neues Studioalbum konzipiert und produziert…“

Sonny Rollins: „Musik ist auch immer davon abhängig, wie man sie hört, was man hört. Deshalb ist es für mich immer extrem interessant, was die Menschen in meiner Musik hören. Was hörst Du aus meiner Musik und meinem neuen Album?“

Michael Arens: „Ich finde, dass es fast erschreckend frisch und knackig klingt, sehr geschlossen, als sei es ein nagelneues Album mit nagelneuem Material, und dass, obwohl die Aufnahmen ja mehrere Jahrzehnte umspannen!“

Sonny Rollins: (lacht) „Ja, das stimmt. Der älteste Track ist „Disco Monk“ von 1979…. ich denke da auch oft dran, an diese Zeitunterschiede…“

Michael Arens: „Du und dein Co-Produzent Richard Corsello haben da wirklich ganze Arbeit geleistet, wobei es mir nachwievor schleierhaft ist, wie genau Du es schaffst, bei einer so langen und intensiven Karriere wie deiner und den Tausenden zur Verfügung stehenden Mitschnitten gerade jene auszuwählen, die derart gut zueinander passen…“

Sonny Rollins: „Na ja, Michael  weißt Du, die Sache mit diesen Road Shows ist nicht leicht für mich, denn ich muss mir selbst zuhören, und ich bin sehr strikt mit mir, bin ein großer Selbstkritiker, höre mich selbst nicht gerne und stelle mich nicht gerne in dieses Licht. Wenn Du zu mir nach Hause kommen würdest, würdest Du nicht besonders viele Sonny Rollins-Platten finden, oder Sonny Rollins-Fotos oder so was. Ich bin sehr kritisch. Es war also tatsächlich am schwierigsten, überhaupt erstmal Material zu finden, dass ich mir selbst anhören kann, es ist wirklich sehr, sehr hart für mich, meiner eigenen Musik zu lauschen! Ich habe mir sehr viel Mühe geben müssen, denn es ist regelrecht schmerzhaft, das zu tun, meinem eigenen Spiel zu lauschen. Ich denke ständig, warum habe ich dieses oder jenes getan, und dieses oder jenes eben nicht. Am Ende sind wir dann bei dieser neuen Auswahl angekommen, und ich hoffe, dass es den Hörern gefällt.“

Michael Arens: „Mir persönlich gefällt natürlich das erwähnte „Disco Monk“ am besten, da ich aus dem Soul komme…“ (lacht)

Sonny Rollins: (lacht) „Richtig… Ich habe diesen Song immer sehr gemocht, habe ihn deswegen auch mit auf das Album genommen. Mir ist durchaus bewusst, dass eine Menge Jazz-Leute diesen Song nicht allzu sehr mögen. Ich habe ihn aber genommen, da er Sonny Rollins so gut repräsentiert! Ich habe in meiner Karriere natürlich eine Menge unterschiedliche Musik gemacht, unterschiedliche Ideen verfolgt. Ich habe also das Risiko auf mich genommen, dass den Song nicht alle mögen.“

Michael Arens: „“Disco Monk“ ist ja eine Hommage an den unvergessenen Thelonius Monk, der eine deiner größten Inspirationen war und im Zusammenhang mit dir immer wieder genannt wird. Wie sind heute, mit all den vergangenen Jahrzehnten an Karriere, deine Gefühle in diese Richtung?“

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Aktuelles Album: Sonny Rollins – Holding The Stage – Road Shows Vol. 4 (Doxy Records/OKeh/Sony Music)

Sonny Rollins: „Es ist schwierig für mich, an diese Zeit selektiv zu denken, da ich ja selbst immer so stark in all diese Musik involviert war, ich war ja ein Teil dieser Periode, dieser Ära, des Bebop. Ich denke, dass das alles ein sehr wichtiger Teil der Musik-Geschichte war, ein Höhepunkt in der Geschichte, besonders in den Vierzigern, Fünfzigern und Sechzigern, es nannte sich das „Golden Age of Jazz“!“

Michael Arens: „Bei allem gebotenen Respekt: Du bist jetzt Mitte 80 und hast diese unglaubliche Karriere hingelegt. Wenn Du auf all das zurückblickst, hast Du da auch schon mal melancholische Momente?“

Sonny Rollins: (lacht) „Nicht wirklich, denn ich finde nicht, dass ich melancholisch werden sollte. Ich realisiere zwar, dass ich sehr gesegnet war, ein Teil dieser Ära zu sein, und dass ich viel Glück hatte. Melancholie ist aber nichts, von dem ich denke, dass es in unserem Leben vorkommen sollte.“

Michael Arens: „Trotzdem bzw. gerade deswegen hast Du im letzten Jahr den „Lifetime Achievement Award“ der Jazz Foundation of America im für Jazz und Soul legendären Apollo Theatre in Harlem, New York aus den Händen von Danny Glover erhalten.“

Sonny Rollins: „Ja, das war ein großartiger Moment. Zum einen bin ich als Junge immer ins Apollo Theatre gegangen, um mir die Musik anzuhören, habe praktisch dort gelebt. Die großen Bands haben dort jede Woche gespielt – das war eine großartige Zeit. Zum zweiten finde ich, dass die Jazz Foundation of America eine wunderbare, wunderbare, WUNDERBARE Einrichtung ist, denn es gibt sehr viele sehr arme Jazz- und Blues-Musiker da draußen, und die brauchen Hilfe. Das war einfach eine Riesen-Ehre für mich!“

Michael Arens: „Zurück in die Zukunft: Wie ich dich kenne, ist die „Road Shows“-Reihe bereits mit weiteren Folgen in der Planung, Teil 5, Teil 6, 7… Teil 10?!“

Sonny Rollins: (lacht) „Oh man, ja, irgendwie schon. Ich muss mich allerdings leider wieder durch alles durchhören…“

Michael Arens: „…und wir wissen ja nun, wie sehr Du das nicht magst…“

Sonny Rollins: „…ja, das ist eine echte Tortur…“

Michael Arens: „Nun gut, für den Moment haben wir ja nun erstmal dein aktuelles Album.“

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Photo @ John Abbott

Sonny Rollins: „Ja, „Holding The Stage – Road Shows Vol. 4“ repräsentiert viele verschiedene Aspekte von Sonny Rollins! Es ist nicht alles wie „Disco Monk“! (lacht) Es gibt Bebop, Calypso, den ich immer am Ende meiner Gigs spiele, es gibt viele Soli und viele verschiedene Dinge – Sonny Rollins spielt eine Menge verschiedener Dinge! Und: Es gibt nichts vergleichbares wie Live-Musik, das wird nie sterben, denn das ist der wahre Geist!“

Michael Arens: „Du hast erst vor rund zehn Jahren dein eigenes Label, Doxy Records, gegründet, zu einer Zeit, in der viele eigentlich nur noch ihre Ruhe haben wollen, sich im übertragenen und tatsächlichen Sinne „zur Ruhe setzen“. Und: Du bist sowieso als Workaholic berüchtigt. Woher kommt all diese Energie, auch noch in deinem doch fortgeschrittenen Alter?“

Sonny Rollins: „Ich weiß auch nicht so recht, Ich wollte mich nie zur Ruhe setzen, solange ich noch Saxofon spielen kann. Ich hatte einige gesundheitliche Probleme in letzter Zeit, aber solange ich noch spielen kann, geht es weiter. Zu spielen – Musik überhaupt – bedeutet mir alles im Leben! Ich erinnere mich an ein Gespräch, dass Thelonius Monk und ich hatten, und er sagte zu mir: „Sonny, wenn es keine Musik gäbe, wäre das Leben nicht lebenswert. Es gibt nichts anderes, besseres, außer die Musik!“, und ich sagte: „Wow, weißt Du Monk (Sonny Rollins nennt Thelonius Monk stets liebevoll nur „Monk“, Anm. d. Verf.), das beschreibt genau, was ich fühle, ich freue mich, dass Du das gesagt hast!“ Es gibt einfach nichts vergleichbares im Leben, wie in Musik involviert zu sein, es ist eine wunderbare Kunstform, Musik gibt den Menschen so viel!“

Michael Arens: „Oh ja, Musik hat schon sehr viel Wahrhaftigkeit, Wahrheit und Bedeutung in dieser Welt!“

Sonny Rollins: „Oh ja! The heavy truth of music – and I am giving it to you! (lacht) Also für mich gibt es jedenfalls kein wunderbareres Kompliment, als wenn mir jemand sagt, dass eine meiner Platten ihm geholfen hat, es morgens aus dem Bett zu schaffen. Es gibt nicht höheres, als so etwas zu hören. Es gibt einfach nichts größeres, als zu geben, das ist für mich der Kern des Lebens, das ist der Universal Spirit, das Universal Law – zu geben, nicht zu nehmen; darum dreht sich das Leben! Es hat mich sehr viele Jahre im Leben gekostet, das zu erkennen, und das ist ein wichtiger Teil für den Grund, warum ich auf dieser Welt bin: zu geben! As long as I can give, I’m ok – so lange ich in der Lage bin zu geben, solange geht es mir gut!“

© Michael Arens

Mehr zu Sonny Rollins gibt es hier:

www.sonnyrollins.com
www.facebook.com/officialsonnyrollins
www.twitter.com/sonnyrollins

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