Gizelle Smith – Roter Faden Soul Gizelle Smith – Roter Faden Soul
Aktuelles Album: Gizelle Smith – Ruthless Day (Jalapeno Records/Groove Attack) Gizelle Smith, Soul- und Funk-Sängerin aus England, hat bereits mit ihrem ersten Album „This... Gizelle Smith – Roter Faden Soul

Aktuelles Album: Gizelle Smith – Ruthless Day (Jalapeno Records/Groove Attack)

Gizelle Smith, Soul- und Funk-Sängerin aus England, hat bereits mit ihrem ersten Album „This Is Gizelle Smith & The Mighty Mocambos“ bewiesen, dass sie mehr als nur eine weitere Fackelträgerin der nachwievor ungebremst agierenden Deep Funk-Welle mit Retro-Soul-Sounds aus den Sechziger und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist (hier geht es zum exklusiven SOUL TRAIN-Interview mit Gizelle Smith in Ausgabe #21: READ MORE).

Gizelle Smith (Photo © Nico Pancorvo)

In Personalunion mit Björn und Steffen Wagner von The Mighty Mocambos, retrospektiv orientiertes Soul- und Funk- und, nimmt man es etwas allgemeiner, Deep Funk-Kollektiv aus Hamburg, entwickelte Smith damals ein unglaublich energetisches, temporeiches Stück Black Music-Zeitgeist, dass oberflächlich zunächst mal die Tanzfläche im Fokus hatte, jedoch gerade musikalisch viele Schichten offenbarte, welche Gizelle Smith rasend schnell zur Speerspitze all jener genannten Musikeinfärbungen machte (hier gibt es mehr SOUL TRAIN-Material zu The Mighty Mocambos: ST#40 und ST#74).

Niemand konnte ahnen, dass es über acht Jahre dauern sollte, bevor Gizelle Smith ein brandneues Album auf die Beine stellen würde: „Ruthless Day“, so der Name des Werkes, weist durchaus stilistische Verwandtschaft zum Mocambo-Sound ihres Erstlings auf, was sicher auch daran liegt, dass Mocambo-Mastermind Steffen Wagner einmal mehr Produzent und Weichensteller hinter den Reglern des neuen Werkes war und gemeinsam mit Gizelle Smith auch die Songs des neuen Albums konzipierte, komponierte und schrieb.

Auch die Energie und vor allen Dingen das Tempo sind geblieben, aus „Ruthless Day“ ein schonungslos gutes Groove-Vehikel zu machen, welches zugleich deutlich ausspielt, dass sich der Sound weiterentwickelt hat und neben den üblichen Zutaten Soul und Funk retrospektiver und zeitgenössischer Zeichnung auch Jazz, psychedelische Momente voller Härte und Blaxploitation-Schmelz oder gar Gospel im Angebot hat – die mitgelieferte Presseinfo zieht nicht umsonst Vergleiche zu legendären Bands wie Cymande oder Rotary Connection (Mandrill würden ebenfalls gut in diese Reihe passen – einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete).

Jene Vielschichtigkeit ist dabei auch der größte Pluspunkt des neuen Albums, erschienen auf Jalapeno Records und in Deutschland erhältlich über den Groove Attack-Vertrieb, welches selbstverständlich auch wieder auf wunderbar angemessenem Vinyl erscheint.

Wie es zu alldem kam, und warum es geschlagene acht Jahre gedauert hat, bis Gizelle Smith erneut mit ihrer kraftvollen, dem musikalischen Habitus der Musik ihres neuen Longplayers „Ruthless Day“ perfekt eingenordeten Stimme begeistert, beantwortete uns die sympathische Powerfrau im exklusiven SOUL TRAIN-Interview…

Gizelle Smith

Michael Arens: „Ich habe gerade mal das SOUL TRAIN-Archiv gecheckt, und es ist über acht Jahre her seit deinem letzten Interview für den SOUL TRAIN, damals noch für dein erstes Album. Was ist seitdem passiert?“

Gizelle Smith: „Oh Gott, eine lange Zeit. Also die Mocambo-Jungs und ich habe uns seitdem getrennt. Ich lebe in London, komme nicht allzuviel zum Schreiben. Ich fing, als ich mich von den Mocambos trennte, an, an einem neuen Album zu schreiben, aber dann musste ich halt auch noch Arbeiten und all diese anderen langweiligen Lebensdinge tun, die man so tut…“ (lacht)

Michael Arens: „Ja, das Leben… Aber jetzt hast Du es ja geschafft.“

Gizelle Smith: „Ja. Endlich.“

Michael Arens: „Der Sound deines neuen Albums „Ruthless Day“ ist merklich vielschichtiger und wandlungsfähiger als dein erstes Album mit den Mocambos. Es ist wilder, bunter, breiter aufgestellt, sozusagen…“

Gizelle Smith: „Ja. Steffen (Wagner) hat das neue Ding produziert, obwohl er ja auch noch mit den Mocambos und anderen Dingen beschäftigt ist. Steffen und ich haben einen sehr ähnlichen Musikgeschmack, hören die gleiche Musik. Da es so lange gedauert hat, bis wir an diesem neuen Album gearbeitet haben, hatten wir zunächst nicht wirklich einen festen Plan, nach dem wir vorgehen wollten. Wir haben also eine Gruppe Musiker organisiert, uns ins Studio begeben und einfach angefangen, sind sozusagen ins kalte Wasser gesprungen. Jemand kommt mit einer Idee, und jemand anderes entwickelt diese Idee weiter, um einen Song zu kreieren, zu bekommen, und wenn das gut funktionierte, habe ich meine Texte darüber geschrieben.“

Michael Arens: „Und so entstehen dann neue Songs…““

Aktuelles Album: Gizelle Smith – Ruthless Day (Jalapeno Records/Groove Attack)

Gizelle Smith: „Ja, die meisten der Songs von „Ruthless Day“ sind so entstanden. Bei den meisten der Songs war es schwierig, den Sound so hinzubekommen, dass es sich wie ein zusammengehöriges Album anfühlt. Die einzelnen Songs sind recht unterschiedlich, folgen aber einem roten Faden, der sich durch das Album zieht. Wir haben eigentlich gar nicht so sehr über alles nachgedacht, denn wir wollten uns nicht irgendwie künstlich einschränken. Wir wollten zugleich auch nicht wirklich wieder wie die Mocambo-Sachen klingen. Und natürlich war uns auch klar, dass die Menschen was Neues, Frisches erwarten. Und so gab es eigentlich keine Limitierungen in unserer Arbeit. Wir wollten einfach nur gute Songs schreiben und machen.“

Michael Arens: „Ja, das klingt sehr organisch. Ich habe es nie gemocht, wenn Musik zu steril klingt. Bei „Ruthless Day“ kann man so richtig schön dreckiges, kerniges, natürlich und einmal mehr auch energetisches Musikhandwerk erkennen, Musik, in die man seine Zähne schlagen kann…“

Gizelle Smith: „Das mag ich auch! Ich mag es im Zweifelsfall sogar lieber etwas zu rau. Ich glaube, wir haben diese Essenz sehr gut getroffen! Wenn ich auf der Bühne stehe, zehre ich von der Energie des Publikums. Im Studio ist das allerdings schon etwas schwieriger…“

Michael Arens: „Bleiben wir noch einmal bei der schieren stilistischen Vielfalt. Wie immer ist Soul und Funk der Kern deines neuen Albums, aber natürlich finden sich auch Querverweise auf Jazz, auf Blues, aber auch auf, und diesen Punkt finde ich besonders interessant, Gospel, wie beim letzten Album-Track „Amen“.“

Gizelle Smith: „Ich mag Gospel. Du kannst damit wirklich deine Gefühle zum Ausdruck bringen. Gospel ist so schön Stimmenorientiert, was ich ja auch bin. Das Album ist rau, griffig, und Gospel erlaubt es mir, mit Harmonien rumzuexperimentieren. Viele meiner Songs habe ich ja auch Acapella aufgenommen, also Harmonieorientiert. Das mache ich oft, Acapella-Gesang und dann versuche ich, eine Harmonie da rein zu bekommen, ohne Instrumente zu verwenden. Dieser eine konkrete Song, „Amen“, sollte so eigentlich nie irgendwo hin, aber Steffen hörte ihn und sagte, dass wir ihn unbedingt mit auf das Album nehmen sollten, und das sogar Acapella. Es endete dann mit einer sehr leichten Instrumentierung im Song – so war das.“

Michael Arens: „Mir gefällt daran auch, dass es der letzte Song des Albums ist, sozusagen der Abschluss der ansonsten sehr Energiegeladenen Reise „Ruthless Day“.“

Gizelle Smith: „Ja, es ist die Schlussfolgerung, der Abschluss, der auch die Geschichte des Albums abschließend zusammenfasst. Das macht Sinn.“

Michael Arens: „Eric „E“ Cooke alias Eric Boss, das „E“ im Soul-Duo Myron & E (der SOUL TRAIN berichtete: READ MORE), ist Gast bei zwei der Songs des neuen Albums, „Hero“ und „S.T.A.Y.“. Was ist die Geschichte dazu?“

Gizelle Smith (Photo © Nico Pancorvo)

Gizelle Smith: „Eric Boss ist ein wahnsinnig lustiger Kerl! Ich liebte schon immer Myron & E, und er arbeitet momentan mit den Mocambos zusammen. So bin ich auch mit Eric in Kontakt getreten. Und so startete das. Wir arbeiten wirklich super zusammen und haben eine sehr ähnliche Energie, wenn es um Musik geht. Er bringt auch einen ganz bestimmten Stil mit, den wir gemeinsam noch ausgearbeitet haben, haben gemeinsam die Themen gesucht, an denen wir arbeiten möchten… Das hat alles bestens funktioniert.“

Michael Arens: „Du hast für das neue Album ja auch das Label gewechselt, vom genialen und im SOUL TRAIN immens beliebten Légère Recordings zu Jalapeno Records, ebenfalls mit besten Vorschusslorbeeren ausgestattet. Welche Rolle hat das bei der Entstehung von „Ruthless Day“ gespielt?“

Gizelle Smith: „Ja, sie hatten aber nichts mit der Entstehung zu tun. Sie kamen erst durch die Verbindung zu Björn (Wagner) dazu. Sie liebten das neue Album und wollten unbedingt mit an Bord sein. Es war fantastisch, dass das so einfach war. Wir wollten ja sowieso nicht, dass all das ein langer Prozess wird. Sie waren schon Fans, als wir noch das Mocambo-Zeug machten. Ihnen geht es um die Musik und nicht die unternehmerische Seite.“

Michael Arens: „Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass Du bereits an einem weiteren, neuen Album arbeitest?!“

Gizelle Smith: (zögert) „Ja, ich arbeite daran. Es wird sogar noch etwas vielschichtiger als „Ruthless Day“, aber mehr kann ich inhaltlich dazu erstmal nicht sagen… (lacht) Ich möchte einfach nicht noch einmal den gleichen Fehler wie beim ersten Album machen und einfach aufhören, Musik zu machen. Ich versuche ab jetzt, in etwa alle 18 Monate etwas Neues herauszubringen. Alles dreht sich heute so schnell, Du musst eben auch schnell sein, um am Ball zu bleiben. Da ich all die Jahre weg war, fühlt es sich jetzt so an, als würde ich wieder ganz am Anfang loslegen. Im Musikbusiness bist du sehr schnell aus den Köpfen und die Menschen wechseln zum nächsten Projekt, sodass man einfach immer neue Musik herausbringen sollte. Auch, um in der richtigen Stimmung zu bleiben, im Studio an Musik zu schreiben, zu arbeiten. Musik ist halt die Art und Weise, wie ich mich ausdrücke!“

© Michael Arens

soultrainonline.de präsentiert:
Gizelle Smith – Live @ Mojo Club, Hamburg
Donnerstag, 24. Mai 2018
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