Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #38 Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #38
Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #38

Cherry Red Records/Rough Trade: Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!

Der SOUL TRAIN wird nicht Müde, darüber zu berichten: Soul, Funk und Jazz brachten immer schon unzählige Stilblüten, Klassiker und obskure Trittbrettfahrer in Form von Künstlern und Alben hervor, welche bis heute die Klangfarbe des Genres bunter machen, nachhaltig verändern und schließlich ausmachen.

CherryRedRecordsRoughTrade-LogoSMALLDas britische Cherry Red Records-Label und der deutsche Rough Trade-Vertrieb bringen regelmäßig große, kleine und bemerkenswerte Klassiker des weit verzweigten Soul-, Funk- und Jazz-Genres sowie des Pop, Rock und der mehr oder weniger experimentellen Musik der letzten fünf Dekaden erneut, gänzlich neu und teils erstmalig auf CD heraus.

Diese erscheinen, oftmals technisch überarbeitet, wahlweise als Reissue, als Album-Doppelpack (z.B. zwei Original-Alben auf einer CD), als Remastered Original-Album oder als Expanded Edition mit einer Menge faszinierendem Zusatzmaterial wie Bonus Tracks jeglicher Couleur, Liner Notes von versierten Kennern des jeweiligen Genres, biografische und discografische Fakten, Fotostrecken, Coverabbildungen und allerlei weiteren interessanten Zusatzfeatures.

Der SOUL TRAIN nimmt sich im Rahmen dieser Kolumne regelmäßig diesen Klassikern in neuem, teils edlem Gewand an und wird ausführlich über alle Aspekte der Veröffentlichungen wie die Musik, den bzw. die Künstler, den Sound, die Hintergründe, die Philosophie und nicht zuletzt das Produkt als Ganzes berichten.

Die SOUL TRAIN-Redaktion wünscht viel Spaß beim Lesen und Studieren sowie, last but not least, beim Hören!

 

FOLGE 38: Esther, Harvey, Donald, Tom oder Stanley – People’s Choice!

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-01_3108„Do It Any Way You Wanna“ von People’s Choice (der SOUL TRAIN berichtete) ist sicher einer der coolsten Songs, die Philadelphia, Heimat des Philly Souls und im SOUL TRAIN neben Birmingham, Alabama als die eine ganz große Geburtsstadt der schlicht schönsten Soul- ud Funk-Aufnahmen der Musikgeschichte verehrt, jemals hervorgebracht hat.

Die Kompilation „Any Way You Wanna – The People’s Choice Anthology 1971-1981“ offeriert neben jenem coolsten der coolen Soul- und Funk-Hymnen von People’s Choice (der SOUL TRAIN berichtete) auf gleich zwei CDs sagenhafte 33 Songs der Formation aus eben jener im Albumtitel genannten Ära, die stets knackig und flauschig wummernden Funk als Unterton hatte, selbst dann, wenn originärer Soul, Soul, Soul dabei herauskam.

Dass ausgerechnet einer ihrer heißesten Songs, das traumhaft coole „Mysteries Of The World“, auf dem Sampler, übrigens erschienen über BBR Records und wie immer vermarktet durch Cherry Red Records/Rough Trade, auf der Über-Kompilation fehlt, ist unverständlich, wird aber schnell durch die schiere Fülle an weiteren, zahlreichen, genialen Soul- und Funk-Sounds von People’s Choice kompensiert: Selten klang Soul und Funk der Ära, insbesondere aus Philly, so umwerfend wie bei People’s Choice.

Dem Super-Sampler wurden umfangreiche Liner Notes seitens Malcolm McKenzie (der SOUL TRAIN berichtete) im der Doppel-CD beigefügten Booklet gegönnt, was das Album, das erste der heutigen Folge von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN – zu einem unbedingten HOT TIP werden lässt.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-02_3108Nah an diesem Titel vorbei schrammt die nächste Kompilation: „In Love’s Time – The Delegation Story 1976-1983“ von, der Albumtitel hat es verraten, Delegation (BBR Records/Cherry Red Records/Rough Trade), die ebenfalls zwei Silberlinge im Angebot hat und natürlich mit dem absoluten Megahit der Soul-, Discosoul- und Disco-Formation Delegation startet: „Heartache No.9“.

Auf insgesamt 33 Songs zeigt der stets von Ken Gold produzierte, in höchstem Masse identifizierbare Delegation-Sound, über den wir im SOUL TRAIN praktisch unentwegt berichten, noch einmal das Beste, was die Formation in jenen Tagen 1976 bis 1983 zu bieten hatte – einer Unmenge an faszinierendem Infotainment im mitgelieferten Booklet inklusive.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-03_3108Musikalisch noch besser, auch, wenn es bei den schon recht hin- und mitreißenden Delegation-Grooves schon schwer ist, kommt Souljazzer Harvey Mason (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male) daher, dem mit „Sho Nuff Groovin‘ You – The Arista Anthology (1975-1981)“ ein richtig geniales Kompilationsalbum gegönnt wurde, das man mit Fug und Recht hier als das zweite große Highlight der heutigen SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne bezeichnen darf.

Erschienen auf BBR Records (Big Break Records – wie immer im Vertrieb von Cherry Red Records/Rough Trade) zeigt das geniale Set auf zwei CDs und 29 Songs lang, warum bis heute niemand Harvey Mason, ob als Multiinstrumentalist, als Sänger, Songschreiber, Arrangeur oder Produzent von Soul, Jazz, mit oder ohne Gesang, das Wasser reichen kann.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-04_3108Traumhaft schöne Disco Boogie-Monstertracks wie „Till You Take My Love“ sind da nur eine kleine der vielen Speerspitzen von „Sho Nuff Groovin‘ You – The Arista Anthology (1975-1981)“, das in den Liner Notes von Christian John Wikane (einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete) ausgiebig auf alle Aspekte Harvey Masons eingeht und feinfühlig auf die Genialität des eigentlichen Drummers eingeht – so genial wie diese Doppel-Kompi darf das Album schon fast die absolute SOUL TRAIN HOT TIP-Überkrone bekommen, wäre da nicht Souljazzer Donald Byrd, dem man mit „Love Has Come Around – The Elektra Records Anthology 1978-1982″ ebenfalls ein zwei CDs langes, geniales Monument gewidmet hat.

Im SOUL TRAIN haben wir uns immer und immer wieder das Genie von Trompeter und Groove-Innovator und Disco-Boogie-Feingeist Donald Byrd vorgenommen und müssen ebenfalls immer wieder neidlos anerkennen, dass die Ära, in denen derart faszinierende, glorreiche Soul- und Funk-Sounds produziert wurden, lange Zeit der Geschichte angehören – analog, ansteckend, aufrichtig und heiß wie ein Schwelbrand.

Malcolm McKenzie schrieb die umfangreichen Liner Notes, welche das Doppel-Album und seine 31 Songs von Donald Byrd bzw., um korrekt und genau zu sein, Donald Byrd And 125th Street, N.Y.C. zusätzlich in den Adelsstand heben und das Album zum SOUL TRAIN HOT TIP als auch zum unstrittigen Höhepunkt der heutigen 38. Ausgabe von Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN – machen.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-05_3108Stanley Clarke (der SOUL TRAIN berichtete) gehört seit Dekaden zur absoluten Soul- und Jazz-Elite und ist einer der innovativsten Songschreiber und Bassisten des Planeten.

Mit „The Definitive Collection“ setzt Robinsongs (erhältlich wie immer über Cherry Red Records/Rough Trade) Clarke nun ein Denkmal und verarbeitet große und kleine Hits des stilistischen Grenzgängers, der neben jenem Soul und Jazz (mit Mainstream, Fusion, Bebop und Smooth Jazz) auch Akzente für Funk, Blues, Latin, Pop und Rock setzte.

Zwei CDs und 32 Songs lang werden hier die hinreißendsten Tunes Stanley Clarkes, der übrigens und sehr erfolgreich immer wieder auch Filmmusiken mit seinen einzigartigen Bassläufen bebilderte, vorgestellt und zeigen, dass gerade in der gesangslosen Reise durch instrumentale Black Music-Welten ein unglaublich lohnenswertes Stück Lebenserfahrung liegt, das fasziniert und hinterfragt – Stanley Clarke Genie.

Niemand geringeres als Charles Waring schrieb den Klappentext für das mitgelieferte Booklet von Stanley Clarkes „The Definitive Collection“ und zeigt noch einmal die energetische, immer wieder auch unvorhersehbare Innovationsfähigkeit Stanley Jordans auf, die ansteckt und fasziniert.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-06_3108Faszinierend ist auch die „Anthology“-Reihe auf Soulmusic.com Records der britischen Soul-Ikone-David Nathan (und wieder: der SOUL TRAIN berichtete), die wir immer wieder im Zuge dieser ehrenwerten SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne vorstellten, und zu deren neuesten Mitgliedern musikalische Zusammenstellungen von bzw. über Tom Browne, der Levert-Musikfamilie sowie nicht zuletzt Esther Phillips (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über alle genannten) zählen.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-07_3108„Brother, Brother – The GRP/Arista Anthology“ zeigt zwei CDs und 29 Tracks lang Tom Brownes kongeniales Schaffen zwischen Jazz, Soul, Funk, Latin und coolen Grooves der Ära – dem sagenhaften, unübertroffenen „Funkin‘ For Jamaica“ inklusive – während „Family Reunion – The Anthology“ das mitreißendste der stimmlich unverkennbaren Levert-Familie offeriert – Levert, die Eighties-Formation, Gerald Levert und Sean Levert und sagenhaften32 Songs inklusive.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-08_3108„A Beautiful Friendship – The Kudu Anthology 1971-1976“ zeigt schließlich Esther Phillips, eine der innovativsten Black Music-Stimmen der Geschichte, in ihrer Phase mit dem Kudu Records-Label. Die Doppel-CD hat 33 Lieder der großen Frau Phillips im Gepäck und hat sogar ihren ikonischen Überhit „What A Diff’rence A Day Makes“ als „Single Edit“ im Angebot.

Alle drei „Anthology“-Folgen haben selbstverständlich die übliche Infotainment-Fülle in den beigefügten Booklets und sind auch optisch so eingenordet, dass die Reihe langsam aber sehr sicher ein wunderbares Sammlerpotential entwickelt, das sich wie bei den meisten Album-Vorstellungen dieser SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne nicht nur durch die schiere Musik sondern auch durch das mitgelieferte Drumherum auszeichnet.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-09_3108„Eroica“ gehörte mit Hits wie „Strung Out“ 1990 zu den erfolgreichsten Alben von Wendy & Lisa, über die wir im SOUL TRAIN immer wieder gerne berichten, waren sie doch neben ihrer engen Verquickung mit dem Sound-Universum des unvergessenen Musikgiganten Prince (zu dem Thema demnächst im exklusiven Interview mit dem Prince-Vertrauten André Cymone mehr im SOUL TRAIN) echte Innovatoren und verstanden den Black Music-Soundkosmos eher als gefühltes rotes Band denn als stilistische Vorgabe.

Auch 27 Jahre nach der Original-Veröffentlichungen macht „Eroica“ als Album-Neuauflage mit zwei CDs inklusive einer ganzen CD voller alternativer Versionen und Improvisationen eine herausregende Figur, der man aber auch, so viel Ehrlichkeit muss sein, Ruhe und Muße antun sollte, seine gerne eigenwillig Magie zwischen Soul, Funk, Pop und Rock frei entfalten zu können.

Erschienen über Cherry Pop und vertrieben durch Cherry Red Records/Rough Trade ist es auch hier das siegesreiche Booklet, das inklusive Statements von Lisa Coleman zur Wendy & Lisa-Ära überhaupt sowie zu den Songs des innovativen, aufwühlenden Albums sowie den Songtexten keine Wünsche offen lässt.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-10_3108Dass wir im SOUL TRAIN, insbesondere in dieser Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen, ein Herz für neue, innovative, andersartige Sounds, die aus dem üblichen Black Music-Soundkosmos ausbrechen, haben, ist ein offenes Buch.

Haircut One Hundred ist so eine Band, über die wir im SOUL TRAIN immer und immer wieder (und gerne) berichteten. 1982 erschien ihr Albumdebüt „Pelican West“ mit dem charismatische Nick Heyward als Frontmann und Tdamaligen Teenieschwarm mit dem Schmelz in der Stimme, der den unverschämt frischen Jazzfunk der Jungs in ein gleichzeitiges Pop- und Soul-Fest verwandelte.

Nach nur diesem einen Album war bereits Schluss mit Nick Heyward, der sich einer zunächst fulminant startenden, später im So La la Land verwischten Solokarriere widmete, sodass die Formation bei ihrem zweiten und bereits letzten Album auf Marc Fox als Sänger zurückgreifen musste, was eigentlich eine gute Wahl war, jedoch keinem Vergleich zu der einzigartigen Sangestechnik und der in höchstem Masse wiedererkennbaren Stimme von Nick Heyward stand halten konnte.

„Paint And Paint“ lautete seinerzeit der Titel jenes zweiten Haircut One Hunderd-Albums, welches nun über Cherry Pop (Vertrieb: Cherry Red Records/Rough Trade) erneut das Licht der Welt erblickt und gleich zwei CDs und immerhin 30 Tracks lang (darunter zahllose unveröffentlichte Versionen) das Album, das durchaus auf eigenen Beinen steht, auch, wenn der richtige Innovationswind nach „Pelican West“ irgendwie verloren gegangen war, all jenen, die es bisher noch nicht kannten, in all seiner Pracht vorstellt.

Persönliche Gedanken der Bandmitglieder zum Album schmücken das mitgelieferte, vor Infotainment berstende Booklet, das dem SOUL TRAIN @ soultrainonline.de als Sahnehäubchen einen weiteren HOT TIP verschafft – traumhaft.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-11_3108Nehmen wir den Soul und den Funk aus Haircut One Hundred ist der Weg zu A Flock Of Seagulls gar nicht mehr so weit, ganz im Gegenteil: Auch die in Liverpool gegründete New Wave- und Synthpop-Band wusste den Wert von groovenden Funk-Breaks durchaus zu schätzen, auch, wenn man Gesangstechnisch gerne mal die bösen Jungs raushängen ließ.

Der recht typische Sound der Ära wurde durch die stets fliegenden Gitarrenriffs überzeichnet und machte so einen wiedererkennbaren Fuß für A Flock Of Seagulls (der SOUL TRAIN berichtete), denen seitens Cherry Pop/Cherry Red Records/Rough Trade nun ein zur Band passendes, individuelles Album-Denkmal gesetzt wurde: „Remixes & Rarities“.

Mit zwei CDs und 27 Songs ist auch diese Kompilation ein echtes Füllhorn an musikgeschichtlichen Leckereien, für die man allerdings die typischen Popsounds der Ära Early Eighties schon mögen sollte – Independent-Attitüde hin oder her.

Große A Flock Of Seagulls-Hits wie „I Ran (So Far Away)“ oder „Space Age Love Song“ sind natürlich auch mit im Boot, selbstredend mit diversen Remixen und Versionen, die es teils in sich haben und fast rüpelhaft, in anderen Momenten verschämt klingen. Ein umfassendes, der Doppel-CD beigefügtes Booklet klärt ausführlich über das Wieso, Weshalb und Warum von A Flock Of Seagulls und ihrer Karriere und letztlich ihrer Musik auf – sehr schön.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-12_3108„Keep It Light“ lautet der Oberbegriff, unter dem die auf Él Records (Vertrieb wie immer Cherry Red Records/Rough Trade) veröffentlichte Über-Kompilation aus drei CDs mit insgesamt 62 Tracks firmiert und ganz dem Albumuntertitel „A Panorama Of British Jazz: The Modernists“ entsprechend spezielles Jazz-Entertainment im Angebot hat.

Dabei meint „The Modernists“ eindeutig ein Thema, welches speziell in dieser Kolumne namens „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – eigentlich immer zu kurz kommt: Jazz aus Großbritannien.

Material von Annie Ross, dem Victor Feldman Quartet, dem unvergessenen Dudley Moore, von Cleo Laine, dem Ronnie Ross Quintet, Johnny Hawksworth und Humphrey Lyttelton oder dem Tony Kinsey Quartet (der SOUL TRAIN berichtete über die meisten der hier vorgestellten), um nur einige wenige zu nennen, bebildert wunderbar, dass der den USA völlig untergeordnete Status britischer Jazz-Geschichte so viel mehr und auch wichtiger war, als man das heute wahrhaben kann und möchte.

Die Aufnahmen des sehr edel gestalteten Box Sets, dass mit einem vor Infotainment berstenden Booklet bestückt wurde, stammen aus den glorreichen Fünfziger und Sechziger Jahren und machen klar Lust auf mehr Jazz unserer Nachbarn in der Nordsee.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-13_3108Lust auf Jazz macht auch ein Box Set mit gleich 45 Aufnahmen des unvergleichlichen Bill Evans (der SOUL TRAIN berichtete), der hier, verteilt auf drei Silberlinge und ebenfalls bestückt mit einem großartigem Booklet voller geschichtsträchtiger Querverweise auf das Schaffen Evans‘, der seit den Anfängen sozusagen „Dauergast“ des SOUL TRAIN ist, einmal mehr mit seiner spielerischen Intensität begeistern kann.

„The Quiet Passion Of Bill Evans“, wie die Dreifach-Kompi, einmal mehr erschienen auf Él Records/Cherry Red Records/Rough Trade, sich nennt, steckt mit dem Albumuntertitel auch gleich den Rahmen ab, unter dem hier das für die Jazz-Geschichte so wichtige Schaffen Bill Evans‘ präsentiert wird: „Collaborations, Trio And Guest Sessions 1955 to 1962“ – überaus empfehlenswert.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-14_3108Der Albumuntertitel „60s British Mod, R&B, Freakbeat & Swinging London Nuggets“ beschreibt das „Night Comes Down“-Box Set aus dem Hause RPM Records, in Deutschland wie üblich erhältlich über Cherry Red Records/Rough Trade, mit all seiner musikalischen und stilistischen Blüte, verschweigt dabei jedoch, dass die drei CDs des Sets immerhin 87 (!) Songs im Angebot haben – selten genug: Qualität trifft auf Quantität.

Unvergleichlich coole, hinreißende, wunderbar analoge Klassiker kleiner und größerer Legendenstufe von The Rocking Vickers, Mickey Finn & The Blue Men, Just Five, The Web, Al Saxon, Mike Patto, Guy Darrell, Katch 22, Sun Dragon, James Royal oder Andy Ellison sind dabei nur einige wenige der Namen des Samplers, über die wir im extrem hochwertigen, mitgelieferten Booklet en Detail Kurzbiografien und geschichtliche und discografische Fakten und Zahlen finden, die gerade für Freunde der Wurzeln von echtem Mod-Lebensgefühl unverzichtbar sind.

So ist „Night Comes Down“ für jeden Fan des einzigartigen Sounds der Ära eine echte Goldgrube und ein weiteres Highlight der heutigen Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der SOUL TRAIN-Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-15_3108Noch abgefahrener ist, unglaublich aber wahr, das edle Fünf-CD-Box Set „Consider Yourself! – The Highs Of Lionel Bart“, die sich mit dem Schaffen des heute fast vergessenen Komponisten und musikalischem Innovatoren und Musical-Giganten Lionel Bart beschäftigt, der so gigantische Hits wie Cliff Richards „Living Doll“ oder „From Russia With Love“ von Matt Monro (der SOUL TRAIN berichtete über alle in diesem Abschnitt genannten), sicher eine der populärsten James Bond-Hymnen überhaupt, geschrieben hat und das erfolgreichste britische Musical aller Zeiten – „Oliver!“ – schrieb und auf die Bühne brachte und bis heute als eine der ganz großen Galionsfiguren der mehr oder weniger populären britischen Musik gilt.

Auszüge aus den verschiedensten Musical-Inszenierungen von „Oliver!“ sowie rares Tommy Steele-Material (der SOUL TRAIN berichtete) sind Teil des sehr eleganten Box Sets, erschienen bei Él Records/Cherry Red Records/Rough Trade, welches in einem fulminanten, mitgelieferten Booklet seinen inhaltlichen Höhepunkt findet, in dem keine Fragen über und zu Lionel Bart und seinem beeindruckenden Schaffen für die internationale Musikwelt überhaupt unbeantwortet bleiben – Brüller!

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-16_3108RPM Records/Cherry Red Records/Rough Trade veröffentlichen mit dem Dreifach-CD-Pack von The Mike Westbrook Concert Band mit den Neuauflagen der Aufnahmen von 1968, 1969 und 1970 „Marching Song Vol. 1“, „Marching Song Vol. 2“ sowie „When Young“ eine Art Werkschau, die Beachtliches aus der Feder des britischen Jazz-Pioniers, Songschreibers Komponisten und Vollblutmusikers Mike Westbrook (der SOUL TRAIN berichtete) im Angebot hat.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-17_3108So individuell das Konzept des Dreifach-CD-Sets auch scheint, so cool und unkompliziert ist die überwiegende Masse der darauf befindlichen Songs, die an Coolness aber auch an musikalischer Raffinesse nur schwer zu überbieten sind, wäre da nicht James Royal (wir hatten ihn bereits in Zusammenhang mit „Night Comes Down – 60s British Mod, R&B, Freakbeat & Swinging London Nuggets“ erwähnt), dem mit „Call My Name – Selected Recordings 1964-1970“ ein kleines Denkmal gesetzt wurde.

RPM Records (Vertrieb: Cherry Red Records/Rough Trade) fokussiert ihre insgesamt 25 Songs des Albums auf James Royals Bestes in Sachen Mod, Blue-Eyed Soul und Freakbeat, die James Royal auf Labels wie Decca, Parlophone, CBS, Carnaby oder Philips aufnahm und die insbesondere heute, Jahrzehnte nach der Original-Veröffentlichung, immense Coolness ausstrahlen, die rein gefühlstechnisch der Gänsehaut, die sonst eigentlich dem US-Amerikanische Blaxploitation oder dem klassischen Southern Soul vorbehalten ist, in nichts nachstehen.

Ian Grinham schlüsselt im mitgelieferten Booklet in Form von ausführlichen Liner Notes alles Wissenswerte über und von James Royal auf und macht „Call My Name – Selected Recordings 1964-1970“ sicher zu einem der vielleicht nicht musikalisch besten, aber unbedingt coolsten Veröffentlichungen der heutigen, 38. Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-18_3108„Girls Gonna Bop“, erschienen über Croydon Municipal und zu beziehen über Cherry Red Records/Rough Trade hat 25 Songs über „Rockin‘ Girls From The Late ’50s“, so der Untertitel des Samplers, im Angebot.

Die Liste der einmal mehr von Bob Stanley (der SOUL TRAIN berichtete) kurierten Kompilations-Songs reicht von Patsy Ruth Elshire, Laura Lee Perkins und Debbie Lynn über Wanda Jackson, Bolean Barry und Jane Bowman bis zu Martha Carson, Anita Carter und Janis Martin, um nur einige wenige zu nennen, die allesamt ein sehr eigenes Standing in Sachen zeitgenössischem Rock’n’Roll der Ära hatten – die im inkludierten Booklet mitgelieferten Liner Notes von Stanley selbst schlüsseln über jedes erdenkliche Wieso, Weshalb und Warum zum schlicht schönen, hinreißenden Sampler „Girls Gonna Bop – Rockin‘ Girls From The Late ’50s“ auf.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-19_3108The Inmates, von Cherry Red Records als „UK Pub Rock R&B Legenden“ beschrieben, wurde mit der Dreifach CD-Album-Sammlung mit dem schlichten, pointierten Namen „The Albums 1979-82“ ein vorläufiges Denkmal gesetzt.

Das Box Set, wie üblich bei den Veröffentlichungen von Lemon Recordings (vermarktet durch Cherry Red Records/Rough Trade), unterfüttert durch das jeweilige Original-Cover-Artwork sowie ein prall gefülltes Booklet mit einer Unmenge an aufschlussreichem Infotainment im Innern des Sammlerstücks, zeigt die ersten drei Alben der Inmates, die mal wie die Rolling Stones (der SOUL TRAIN berichtete), mal wie typischer Prog Rock, mal wie wunderbarer Mod/Freakbeat der Ära klingen (der unvergessene John Peel würde grinsen – der SOUL TRAIN berichtete über alle in diesem Zusammenhang erwähnten), in bester, gegen den Strich gebürsteter Harmonie und können trotz nur eines einzigen Bonus Tracks absolut überzeugen – selten klang „UK Pub Rock R&B“ so absurd cool wie beim nicht zu vermissenden „The Albums 1979-82“-Box Sets der Inmates – hell yeah.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-22_3108ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-21_3108ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-20_3108Wir bleiben im Vereinigten Königreich Großbritannien. The Avengers, nicht zu verwechseln mit der US-Punk Rock-Band gleichen Namens, war eine Neuseeländische Pop-Formation, die psychedelische Momente in den musikalische Zeitgeist der Ära der späten Sechziger Jahre einarbeitete. Die vorliegende RPM Records/Cherry Red Records/Rough Trade-Kompilation „Everyone’s Gonna Wonder“, benannte nach ihrer erfolgreichen Debütsingle aus dem Jahre 1967, zeigt das Beste der Band, die in ihrer Heimat ebenso Erfolge feierte wie in den USA und dem für Musik so wichtigen britischen Königreich.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-23_310827 Songs lang zeigt das Album hier Skurriles, Cooles, Mitreißendes, Rockiges, Erdiges und Wundersames und herrlich Altbackenes mit Gefühlen aus Beat, Skiffle, Bombast-Rock und den Überbleibseln der Rock’n’Roll-Ära unter einem sehr individuellen Licht – The Avengers waren ein musikalischer Kosmos für sich selbst.

Das wunderbar aufbereitete Booklet des Albums klärt im weiteren über die fesselnde Historie der zu kurzlebigen Band auf – passt.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-24_3108Und wieder kommt RPM Records (Vertrieb wie immer Cherry Red Records/Rough Trade) mit einer Veröffentlichung, die zeitgeschichtliches Musikgeschehen einfängt und offene Ohren faszinieren wird: Mortimer war eine New Yorker Band, die 1968 einen Plattenvertrag mit Apple Records, dem Plattenlabel der Beatles, unterzeichneten aber bereits nach dem ersten Album in Vergessenheit geriet – der SOUL TRAIN berichtete.

Die Rock-Band, unterfüttert von extravaganter Instrumentierung inklusiver glorreicher Streicherbegleitung und eigenwilligen Spannungsbögen und erdiger Folk- und Singer/Songwriter-Dramaturgie, nahm 1969 ihr zweites Album auf, das direkt nach den Sessions wieder im Regal der Apple Records-Archive verschwand und nun, schlappe vier Dekaden später, zum ersten mal das Licht der Welt als komplettes Album erblickt.

Bestückt mit vier Bonus Tracks fungiert „On Our Way Home“, so der Titel des Albums, insbesondere als Musikgeschichtliches Lehrstück, über das Stefan Granados (der SOUL TRAIN berichtete) im mitgelieferten Booklet der CD ausführlich aufklärt – besonders für Fans und Sammler dürfte das einzigartige „On Our Way Home“ von Mortimer unverzichtbar sein.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-25_3108Ob auch Mary My Hope mit der Neuauflage ihres „Museum“-Albums von 1989, erschienen bei HNE Recordings (Vertrieb: Cherry Red Records/Rough Trade) unverzichtbar ist, sollten am besten Fans der 1986 im US-Amerikanischen Atlanta, Georgia, gegründeten schieren Rock-Band beurteilen.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-26_3108Das angebotene Material jedenfalls lässt allein in seiner Fülle keine Fragen offen: Ein aufschlussreiches Booklet inklusive Liner Notes und Interview, zwei CDs und insgesamt 31 Songs von Mary My Hope zeigen das Album als auch die Band mit allem Machbaren und wird Fans vermutlich von den Stühlen kippen. Allen anderen dürfte der Sinn sowieso weniger nach schierem Rock stehen, und die Album-Neuauflage zweier Gary Stewart (der SOUL TRAIN berichtete), „Gary“ von 1979 sowie „Cactus And A Rose“ aus dem Folgejahr 1980 auf einer CD vielleicht mehr ansprechen.

Im Rahmen der „2 Classic Albums On 1 CD“-Reihe von Morello Records/Cherry Red Records/Rough Trade wird hier inklusive knackigem Klappentext von Tony Byworth (einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete) insgesamt 20 originale Albumsongs lang die Honky Tonk-, Country- und Rock-Sensibilität des stimmlich einzigartigen Gary Stewart erneut vorgestellt und wird Freunde des seinerzeit immens erfolgreichen Sängers, der 2003 in den Freitod ging, begeistern.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-27_3108Kommen wir noch einmal einen Moment zum schieren Rock zurück, oder doch zumindest zum schieren Rock-Gefühl. Glenn Hughes veröffentlichte 1977 auf dem Purple Records-Label von Deep Purple (der SOUL TRAIN berichtete berichtete über alle erwähnten) sein „Play Me Out“-Set, dem das Label nun, im Vertrieb von Cherry Red Records/Rough Trade, eine Neuauflage gönnt.

Auf gleich zwei CDs finden sich das Original-Album sowie diverse Bonus Tracks und nicht zuletzt das „Four On The Floor“-Album von 1979, ein Mini-Album, dass sich durch den Disco Sound laviert und selbst für den stilistischen Grenzgänger Glenn Hughes, der durchaus auch Elemente aus Blues, Soul, Funk und Jazz in seine Arbeiten mit einzuflechten verstand, schon eher gewagten Zeitgeist an den Tag legte und legt, unabhängig selbstverständlich von der Discotauglichen Funktionalität des Sets – kongenial.

Die prallvolle Doppel-CD begeistert und vereint alle Freunde aller genanten Stile unter einem faszinierenden Musikbildnis, welches schon fast eher experimentell denn entschlossen daher kommt; damals als auch heute.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-28_3108„The Sea Of Love“ lautet der Name des 1988 veröffentlichten Albums von The Adventures (der SOUL TRAIN berichtete), die sich ursprünglich Tango Brigade nannten und sich bereits 1984 in England gründeten und das nun als Expanded Edition direkt über Cherry Red Records (Vertrieb Rough Trade) erneut auf den Markt geworfen wird.

Überwiegend gesteuert von Frontmann und Stimme Terry Sharpe und Songwriter und Gitarrist Pat Gribben war der Sound der Band dem musikalischen Zeitgeist der Ära aus der Post-Punk und New Wave-Zeit angelehnt, hatte jedoch durchaus auch Rock- und innovativere Pop-Momente unter seinem Soundkonstrukt, das auf der Wiederbelebung durch gleich acht Bonus Tracks, aus mehreren Alben der Band gezogen, unterfüttert wird.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-29_3108Ein umfangreiches, mitgeführtes Booklet inklusive Infotainment und Interview komplettiert die Reissue zu einem eher Poplastigen, teils melancholischen Stück britischer Pop- und Rock-Geschichte.

Bewegen wir uns noch einmal zu auf das Phänomen der Box Sets, das in dieser Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der SOUL TRAIN-Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade, sehr großzügig bedacht wird. Fandango (der SOUL TRAIN berichtete) war eine Band unter der Federführung von Mastermind Joe Lynn Turner, der in seiner Biografie den Sound Fandangos als „R&B, Pop, Country, Jazz und Melodic Rock“ bezeichnete.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-31_3108ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-30_3108Ganze vier CDs lang wird auf „Fandango featuring Joe Lynn Turner – The Complete RCA Albums 1977-1980“, ganz dieser stilistischen Einordnung des Bandchefs entsprechend, auch jener traumhafte, kongeniale Super-Boogie, den wir im SOUL TRAIN so vergöttern, gepflegt und perfektioniert – Songs wie „Life Of The Party“ vom „Fandango“-Album sprechen da Bände – sicher einer der, genauso wie diverse andere Songs des Vier-CD-Sets, innovativsten, wunderschönsten Songs der heutige SOUL TRAIN-Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen, was zugleich nicht über den kruden, teils gar ruinösen Wechsel zwischen den stilistischen Musikwelten, der auch schon mal eine Brücke zwischen Soul, Country, Heavy Metal und Folk schlägt, hinwegtäuscht.

Unterm Strich bleibt jedoch ein absolut lohnenswertes Box Set mit insgesamt 41 Songs, welches die Karriere und beste Zeit von Fandango glorreich bebildert und mit dem jeweiligen Original-Cover-Artwork und einem inkludierten Booklet mit Liner Notes von Malcolm Dome (der SOUL TRAIN berichtete) und einer Masse lohnenswerten Infotainment keine größeren Fragen offen lässt.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-32_3108KST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-33_3108urz vor Ende der 38. Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ wird es noch einmal richtig ruppig, anders, innovativ, eben avantgardistisch. „C 88“, erschienen direkt über Cherry Red Records/Rough Trade, platziert als Box Set unter seinem schlichten Titel auf gleich drei CDs und bestückt mit einem Booklet, dass schon eher ein Buch, ein Nachschlagewerk, geworden ist, insgesamt 71 (!) Songs, die beispielhaft die Indie-Szene der viel diskutierten, mal gehassten, mal geliebten Achtziger Jahre bebildert.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-34_3108Material von The Charlottes, Bradford, Pacific, den Pale Saints, The Nivens, The Fizzbombs, The Claim, den Would-Be-Goods, The Wake, The Snapdragons aber auch von den immens erfolgreichen The Shamen (der SOUL TRAIN berichtete) bebildert den Sound der Ära, wenn auch eher aus den Augen und Ohren echter Independent-Heads, einer Zeit und einem Genre, das sich selbst das New Wave-Dings aus dem Beginn der Eighties eigenständig wegsubtrahierte und so ein völlig neues Soundgefühl produzierte und provozierte, das in der Folge stilbildende Wirkung haben sollte.

Jede einzelne der Formationen wird im fast erschreckend umfangreichen Booklet inklusive Fotos vorgestellt, analysiert und in einen Kontext gestellt, der „C 88“ für alle echten Musikgeschichte-Anhänger, welche die Achtziger Jahre als Quell der Innovation verstanden haben, ein wichtiges Stück Geschichte sei dürfte.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-35_3108Selbiges trifft auch auf „Silhouettes & Statues – A Gothic Revolution 1978-1986“ zu, dass im haptisch und optisch sehr edlem Hochformat eben genau das zelebriert: Das Beste aus Gothic, einer weiteren Spielart der unglaublich vielschichtigen, immer wieder britischen Musikbefindlichkeiten der Achtziger Jahre, die bis in die Gegenwart eine riesige Fanbase aufbauen und halten konnte.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-36_3108Auf insgesamt fünf CDs finden sich neben den nicht ganz so bekannten Acts der vermeintlichen Gothic-Szene auch Genre-Giganten wie Joy Division, Adam And The Ants, The Sisters Of Mercy, Bauhaus, The Damned oder Alien Sex Fiend (einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über alle genannten), bei denen dem eingefleischten Fan sofort klar sein dürfte, dass die Begrifflichkeit „Gothic“ hier eher als grober roter Faden denn als In-Stein-Gehauene Stilvorgabe fungiert, finden sich hier doch auch innovative Einschläge aus New Wave, Post-Punk, Industrial, Pop, Rock, Prog-Rock und Avantgarde und schlicht anderer Musik – „Silhouettes & Statues – A Gothic Revolutiojn 1978-1986“, erschienen einmal mehr direkt über Cherry Red Records/ und vertrieben über Rough Trade, ist ein echtes Füllhorn an Musikgeschichte, das insgesamt 83 (!) Songs lang Musikgeschichte seziert, einer herausragenden Optik und Haptik und inhaltlichen Infotainment-Fülle inklusive – coole Sache.

ST17_238_F_CHERRYREDCOLUMN38-37_3108Eine nicht ganz so coole Sache ist das Ende der heutigen, 38. Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN, aber man sollte bekanntlicher Weise aufhören, wenn es am schönsten ist. Wie bereits seit einigen Ausgaben dieser ehrenwerten Kolumne beenden wir den heutigen Reigen auch dieses mal mit schierer Country-Musik: Country-Legende Bobby Bare trifft es dieses mal.

„3 Classic Albums On 2 CDs“ prangt auf dem Cover der Doppel-CD, die drei Alben des Genregiganten, über den wir im SOUL TRAIN ebenfalls nicht zum ersten mal berichten, erneut vorstellt: Bobby Bare und Skeeter Davis mit „Tunes For Two“ aus dem Jahre 1965, das 1970er Album desselben Duos, „Your Husband, My Wife“, sowie „The Game Of Triangles“ von 1967, ein Album, dass das Country-Dreigestirn Bobby Bare, Norma Jean und Liz Anderson gemeinsam bebilderte.

Die Album-Klassiker, gerade unter Country-Liebhabern unverzichtbare Country Musik-Geschichte, kommen auf der Doppel-CD mit verhältnismäßig wenigen Bonus Track aus, was durch die faszinierenden, detaillierten Liner Notes von, einmal mehr, Tony Byworth, im mitgelieferten Boolet überdeutlich aufgefangen wird und das Album so zum perfekten Absacker der heutigen, 38. SOUL TRAIN-Reissues- und Best Of-Kompilations-Kolumne macht.

Wir sehen uns, wenn es in der 39. Ausgabe der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN – wieder heißt: „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“!

© Michael Arens

SOUL TRAIN HOT TIP!

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People’s Choice – „Do It Any Way You Wanna“
Harvey Mason– „Sho Nuff Groovin‘ You“
Donald Byrd And 125th Street, N.Y.C. – „Love Has Come Around“
Tom Browne– „Brother, Brother“
Haircut One Hundred – „Paint And Paint“