André Cymone: Minneapolis Funk – Die letzte Grenze der Wahrheit André Cymone: Minneapolis Funk – Die letzte Grenze der Wahrheit
Aktuelles Album: André Cymone – 1969 (Leopard/Delta Music/Jazzline/GoodToGo) Aufmerksamen SOUL TRAIN-Lesern dürfte Andre Simon Anderson alias André Cymone besonders durch zwei Dinge als durchaus... André Cymone: Minneapolis Funk – Die letzte Grenze der Wahrheit

Aktuelles Album: André Cymone – 1969 (Leopard/Delta Music/Jazzline/GoodToGo)

Aufmerksamen SOUL TRAIN-Lesern dürfte Andre Simon Anderson alias André Cymone besonders durch zwei Dinge als durchaus gewichtiger Name im weit verzweigten Black- und Urban Music-Kosmos sein.

Zum einen war André, der aus Minneapolis stammt, privat, musikalisch und ideologisch ein enger Freund und Wegbegleiter des unvergessenen Prince, weswegen dieser im exklusiven Interview mit André Cymone allgegenwärtig ist – auch heute noch ist Prince praktisch „Dauergast“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN @ soultrainonline.de.

Zum anderen produzierte Cymone in den Achtziger Jahren, von drei moderat erfolgreichen Solo-Alben („Livin‘ In The New Wave“ 1982, „Survivin‘ In The 80s“ 1983 sowie „AC“ 1985) einmal abgesehen, einige der wichtigsten und erfolgreichsten Acts der Soul- und Pop-Geschichte vom damals immens erfolgreichen Jermaine Stewart über Pebbles, Adam And The Ants und sogar Tom Jones, im speziellen aber Jody Watley, mit der er verheiratet war und mit der er einen gemeinsamen Sohn hat, welche ihm in großen Zügen ihre damals einzigartige, megaerfolgreiche Solo-Karriere nach ihrem Weggang von Shalamar zu verdanken hat – bis heute ist Jody Watley eine der erfolgreichsten Sängerinnen, Musikerinnen – Künstlerinnen – der Achtziger Jahre überhaupt – der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über Jody Watley und alle anderen Erwähnten.

André Cymone, Jahrgang 1958, begann schon früh, in der Band seines Schulkameraden Prince Bass zu spielen und war schon Ende der Siebziger Jahre aktiv im Showbusiness aktiv.

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André Cymone (Photo © Leopard)

1981 entschloss er sich schließlich, eine Solo-Karriere zu starten, die er gegen Mitte der Achtziger Jahre frustriert beendete und fast drei Jahrzehnte lang in der Versenkung verschwand – über das Wieso, Weshalb und Warum weiß André selbst im Interview mehr zu berichten..

Erst 2014 meldete er sich mit „The Stone“, einem neuen Studioalbum, zurück und veröffentlichte zwei Jahre später, 2016, die „Black Man In America“-EP, die jedoch beide maximal als Vorboten für sein neues, aktuelles Album-Projekt mit dem schlichten Titel „1969“ fungieren dürften, ein Album, welches so gar nicht, zumindest stilistisch, in den Radius des uns bekannten André Cymone, Soul- und R’n’B-Ikone und bis dato eindeutiger Vertreter des Purple-Sounds, den er gemeinsam mit Prince vor über vier Dekaden aus der Taufe hob, passen möchte.

Stattdessen stülpt sich das Set, ganz dem Albumtitel und damit dem selbst gestellten Motto entsprechend, das Inhaltsbasierende Rock- und Folk-Kleid jener Ära über und zeigt mit überaus kraftvollem, ausdrucksstarken Habitus einen André Cymone, der wesentlich mehr kann und erreichen möchte als die doch, geben wir es zu, allzu oft an der inhaltliche Oberfläche wabernden Soul- und Funk-Sounds der polarisierenden Eighties, weswegen André auch gleich dafür sorgte, dass „1969“ auf authentischem Vinyl erscheint und im mitgelieferten Booklet (CD) auch gleich die Songtexte mit anliefert.

Eine exzellente Gelegenheit also, André Cymone, den Solo-Künstler, den (unerwartet ausdrucksstarken) Sänger, den Songschreiber und Komponisten, den Bassisten, Pianisten und Vollblutmusiker und Kult-Produzenten und neu erstarkten Musik-Titan am, im großzügigsten Sinne, Black Music-Himmel, im exklusiven SOUL TRAIN-Interview auf den persönlichen, emotionalen, ideologischen und schließlich musikalischen Zahn zu fühlen, sein neues Album „1969“, erschienen über Leopard/Delta Music/Jazzline/GoodToGo, als auch und im Besonderen ihn selbst, André Cymone, betreffend…

Michael Arens: „Zunächst eine Frage, die zwar allzu offensichtlich ist, von der ich aber die Dringlichkeit sehe, sie erst zu klären, bevor wir über dein neues Album „1969“ und dich und deine immense Karriere sprechen: Warum hat es fast drei Jahrzehnte gedauert, bis Du 2014 plötzlich wieder da warst mit neuer Musik?“

André Cymone: „Das ist eine gute Frage. Die Antwort ist einfach: Ich hatte genug, wollte anderen Menschen helfen. Ich hasste, an welchem Punkt sich die Musikindustrie damals befand, wie sich die Leute im Musikbusiness verhielten… Ich wollte das nicht. Ich hatte genug Geld verdient und befand mich an einem ganz eigenen Ort im Leben und entschied mich, lieber anderen zu helfen, anderen Künstlern. Ich ließ Leute umsonst in meinem Studio Sachen aufnehmen, unterrichtete eine Weile am UCLA (University of California in Los Angeles, Anm. d. Verf.). Ich heiratete, gründete eine Familie… Leben eben. Ich habe mir also Zeit genommen, mein Leben zu leben, Weisheit zu erlangen und habe realisiert, was wichtig ist, denn man MUSS sich nicht mit dieser Musikindustrie abgeben, denn sie haben das Musikbusiness sowieso komplett in die Tonne getreten. Sie haben die Musikindustrie fast in eine Art McDonald’s verwandelt, und da wollte ich nichts mit zu tun haben. Heute kann man seine Musik wieder richtig selbst machen, und so dafür sorgen, dass die Menschen die Musik und die Kunst wieder als das genießen können, was sie ist!“

Michael Arens: „Ich beobachte, begleite, deine Karriere seit dem allerersten Tag und den Zeiten, in denen Du mit Prince unterwegs warst oder diese immensen Erfolge mit all den coolen Sachen von Jody Watley und Co. hattest. Als ich dann dein neues Album „1969“ auf den Tisch bekam, war mir ohne einen Takt gehört zu haben, klar, dass ich mit dir sprechen möchte, nein, MUSS. Als ich dann das neue Album zum ersten mal hörte, war ich, zumindest stilistisch, ziemlich überrascht, da es zunächst mal so gar nichts mit dem zu tun hatte, was ich bisher von dir kannte und folgerichtig erwartet hatte. Es ist sehr kraftvoll und aussagekräftig und funktioniert in dieser Hinsicht wunderbar, aber rein stilistisch bewegt es sich deutlich weg von diesem R’n’B-, Soul- und Funk-Ding, dass dich damals so erfolgreich und berühmt gemacht hat…“

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Aktuelles Album: André Cymone – 1969 (Leopard/Delta Music/Jazzline/GoodToGo)

André Cymone: „Danke! Ja, richtig. Ich sehe Musik als Kunst. Jedes neue Projekt hat eine neue künstlerische Ausdrucksform. Folgerichtig muss sie nicht unbedingt ein bestimmtes Format ausfüllen. Ich meine, ich liebe Rock, ich liebe Funk, Jazz, experimentelle Musik, eine Menge neues Zeug, ich mag Hip Hop und vieles andere. Es ist also schwierig für mich, mich in eine bestimmte Ecke zu rücken, künstlerisch. das kann ich einfach nicht. Tatsächlich arbeite ich gerade sogar an ganz neuem Material, das wieder völlig anders ist…“

Michael Arens: „Tatsächlich?“

André Cymone: „Oh ja, ich bin sogar schon fast fertig damit, muss aber natürlich warten, da ich ja gerade erst das neue Album promote. Ich fühle mich gerade einfach inspiriert, da gehen gerade so viele Dinge ab in der Welt…“

Michael Arens: „Wo wir schon direkt beim Thema sind. Die Presseinfo, die deinem neuen Album „1969“ beigelegt wurde, zitiert dich in Zusammenhang mit „1969“ mit „Es gibt viele Parallelen zwischen 1969 und heute. Man schaut sich die Nachrichten an und sieht all die verrückten Dinge, die geschehen und muss feststellen, dass wir immer noch mit denselben Problemen wie damals zu kämpfen haben. Das hat mich zu vielen der Songs inspiriert.“…“

André Cymone: „Ja, das ist eben die ganze Idee dazu. Das ganze Konzept zu „1969“ ist tatsächlich, dass es momentan das gleiche wie 1969 ist. Es ist nur eben nicht 1969, sondern 2017! Und wir Menschen sollten eigentlich schon ganz woanders sein, als an dem Platz, an dem wir gerade sind! Als ich ein Kind, als ich jung war, saß ich sozusagen in erster Reihe bei einigen der größten Civil Rights-Geschichten überhaupt. In Minneapolis gab es Aufstände, Konfrontationen mit der Polizei, mit mir und meiner Familie ganz vorne dabei. Ich war also überall mittendrin, und für mich war dieser Kampf sehr real. Als all das aber vorbei war, und alle Menschen, auch in meiner Familie, feierten, fühlte es sich aber ganz so an wie beispielsweise bei einem Fußball-Team, dass die Meisterschaft gewonnen hat, ausgelassen feiert und Spaß hat, aber dabei vergisst, den Meisterschaftspokal selbst mit nach Hause zu bringen…“

Michael Arens: „… ja, es hört nie auf…“

André Cymone: „Richtig…“

Michael Arens: „…und dafür verschaffst Du dir Gehör durch deine Musik, schreibst dir das von der Seele – das macht Sinn. Wie schreibst Du Musik, gerade Musik mit einer solch gewaltigen Message wie bei „1969“? Old school, mit Papier und Bleistift? Sozusagen, ganz dem Motto deines neuen Albums folgend, „it’s 1969 again…“?“

André Cymone: „Nein, das habe ich früher als Kind so gemacht, als ich noch Musikunterricht genommen habe. Heute mache ich das meistens beim Gitarre oder beim Klavier spielen. Ich habe ein Studio in meinem Haus, kann einfach die Tür öffnen und spontanen Ideen nachgehen und Bass spielen, Schlagzeug. Wenn ich also eine Idee habe, setze ich mich einfach hin, und nehme diese auf, egal mit welchem Instrument. Es passiert alles in meinem Kopf. Wenn ich ein Riff oder irgendetwas höre, beginnt sich der Song in meinem Kopf zu formen, ganz automatisch.“

Michael Arens: „Und die Texte? Die hast Du für „1969“ ja auch gleich mitgeliefert. Über den Inhalt hatten wir ja schon gesprochen…“

André Cymone: „Es ist eigentlich das gleiche Prinzip. Ich arbeite beispielsweise gerade an eine der ganz neuen Songs für das kommende Projekt, in dem es darum geht, ob man weiß genug ist, schwarz genug, hübsch genug, was auch immer genug, für dich, für mich, für wen auch immer. Und wenn nicht, was dann?! (lacht) Ich kam also mit dieser Idee und habe mir dann überlegt, mit welcher Art Beat ich so etwas unterfüttern könnte. Ich habe dann so eine Art James Brown-ähnlichem Beat (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über den Godfather Of Soul James Brown, Anm. d. Verf.) gespielt, wirklich funky. So funktioniert das… Musik geht durch mich hindurch, und die kommt aus einem ganz anderen Ort, denn oft passieren diese Dinge einfach. Songs kommen, und ich habe nicht mal drüber nachgedacht, etwas dazu zu schreiben und plötzlich ist der Song fertig, und ich wundere mich, wo das denn nun genau hergekommen ist…“

Michael Arens: „Nun ist es ja schon über ein Jahr her, dass Prince, dein enger Freund und musikalischer Wergbegleiter, diese Welt verlassen hat. Wie eng ist „1969“ noch mit ihm und seinem Geist, seiner musikalischen Seele, verbunden?“

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André Cymone (Photo © Leopard)

André Cymone: „Der Tag, an dem das Album endgültig fertig war, war der Tag, an dem Prince starb, also stoppte ich die ganze Sache erst einmal. Es sollte also eigentlich schon im Juni letzten Jahres herauskommen. Aber ich habe es zwischenzeitlich live in Minneapolis, Los Angeles und in New York gespielt und es wurde sehr gut aufgenommen vom Publikum. Weißt Du, als Prince und ich zusammen aufgewachsen sind, spielte ich ihm ständig Dinge vor, und er tat dasselbe für mich, und wir gaben uns dann gegenseitig unsere kleinen Meinungen darüber ab. Das ging ständig so hin und her. Als ich also „1969“ fertig hatte, hatte ich sofort das Bedürfnis, es ihm vorzuspielen, denn er versteht, woher ich komme und könnte damit sehr gut etwas anfangen. Er verstand, wie es damals in meiner Familie zuging, dass man Dinge aus- und anspricht. Er verstand es von einem Level der Freundschaft aus. Du hoffst natürlich immer, dass es andere Menschen gibt, die sich so mit diesen Dingen verknüpfen können, auch, wenn es dafür keine Garantien gibt. Wir standen uns tatsächlich extrem nah…“

Michael Arens: „Ja, die ganze Welt, die Welt der Musik im Besonderen, war schockiert, als Prince so plötzlich starb… Hätte sich dein neues Album anders angehört, wenn Du es NACH dem plötzlichen Tod deines Freundes Prince aufgenommen hättest?“

André Cymone: (stockt einen Moment) „Ja. Das ist natürlich schwierig zu sagen… Mein erster Instinkt, nachdem ich von seinem Tod erfahren hatte, und ich auf meine Weise mit der Trauer umgegangen war, war, ganz offensichtlich, an all den Extra-Shows für ihn, den Tributes, teilzunehmen, nachdem ich überhaupt erstmal klar hatte, dass das tatsächlich alles wahr ist… Es geht ja wirklich alles um die Fans, denn das ist doch der Kern von allem, und ich glaube, er hätte das gleiche für mich getan. Als ich von diesen Shows nach Hause kam, setzte ich mich hin und begann diese Art von Material zu schreiben, das ich schrieb, als wir noch Kinder waren. 20, 30 Songs… es kam einfach so aus mir heraus. Das kann man nie vorhersagen, was aus dir herauskommt. Ich sah all das Minneapolis-Funk-Zeug aus mir herauskommen, Zeug, dass man vielleicht statt dieses Albums von mir erwartet hätte. Aber wie gesagt, die Musik läuft durch mich hindurch. Doch dann dachte ich, ob das wirklich die Sache ist, welche die Leute gerade von mir wollen? Man fängt also an, einfach zu viel nachzudenken…“

Michael Arens: „Vielleicht werden wir ja wenigstens einiges davon auf dem kommenden Album, als jenem nach „1969“ zu hören bekommen?“

André Cymone: (nach einer weiteren, kleinen aber merklichen Denkpause) „Wahrscheinlich. Einiges davon ist sehr lebendig, sehr gut. Es ist genau in jenem Fluss mit den Sachen, die wir gemacht haben, als wie 17, 18 waren.“

Michael Arens: „Wenn Du Musik schreibst, egal ob jene, die durch dein Verarbeiten von Princes Tod entstand oder jene, die wir auf „1969“ hören, schreibst Du dann Musik für die Bühne oder für das Studio, also sozusagen für das Endprodukt Album, die CD oder die Vinyl?“

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Aktuelles Album: André Cymone – 1969 (Leopard/Delta Music/Jazzline/GoodToGo)

André Cymone: (nach einer gefühlt endlos lange Denkpause) „Weißt Du, das ist eine verdammt gute Frage. Ich glaube, das hat mich tatsächlich noch niemand gefragt… (macht eine erneute Denkpause und lacht schließlich) Es ist, glaube ich, etwas von beidem. Ich bin richtig froh, dass Du mir diese Frage stellst, denn es hat jetzt gerade etwas für mich geklärt. Seit dem letzten Album  also seit „1969“, und dem Album, an dem ich gerade arbeite, einer Zeit, in der ich sehr viel auf der Bühne stehe, denke ich eigentlich immer daran, wie es wohl wäre, die Songs live zu spielen. Bis dahin habe ich absolut NIE darüber nachgedacht. Das ist interessant, denn einige meiner alten Alben sind gut zum anhören. Diese aber live zu spielen ist eine völlig andere Sache…“

Michael Arens: „Bleiben wir noch etwas bei „1969“, bei dem auch ein weiterer der Helden meiner Jugend, mitmacht: Mic Murphy, damals, in den Achtziger Jahren als Produzent erste Güteklasse und zusammen mit David Frank als The System auch als Duo immens erfolgreich (der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über Mic Murphy, David Frank und The System)…“

André Cymone: „Oh, ja. Er ist einer meiner engsten Freunde. Ich liebe ihn sehr, er bringt so einen wunderbaren Geist mit. Wenn er hier bei mir in der Nähe ist, kommt er vorbei und wir hängen gemeinsam ab – wenn ich in New York bin mache ich das bei ihm. Er und seine Frau gaben gemeinsam ein Konzert hier in der Nähe, also kam er vorbei und wir tranken eine Flasche Wein und ich spielte ihm meine neuesten Songs vor, und er wollte sofort was dazu beisteuern. Ich hatte noch gar keine Texte dazu, es war eines dieser Dinge, wo Du nur einen Groove hast, eine Hookline… (André fängt unvermittelt an zu singen und es klingt COOL…, Anm. d. Verf.) Ich habe ihm also das Mikrofon aufgebaut und er hat los gelegt… „You don’t knooow what it’s like…“ (André singt wieder, es klingt noch immer cool…, Anm. d. Verf.) Ich mache gerne eine Menge elektronische, experimentelle Musik. Musik, die niemand jemals hört… (lacht, Anm. d. Verf.) Das hört sich an wie etwas aus der Space Age-Zeit…“

Michael Arens: „Eben „1969“…“

André Cymone: „Ja.“

Michael Arens: „Es ist schon witzig, André. Hier sitzen wir und unterhalten uns, und für mich sind Du und Mic Murphy so etwas wie alte Freunde, da meine Ohren tatsächlich an allem, was ihr produziert habt, damals, in der „guten, alten Zeit“, geklebt haben. Die Sachen, die ihr produziert hattet, konnte ich immer nach ganz wenigen Takten genau identifizieren, ihr hattet euren ganz eigenen Stil.“

André Cymone: „Ja, es ist witzig. Wir kannten uns eigentlich gar nicht wirklich, damals, bis ich ihm eines Tages begegnet bin. Er ist ein extrem bodenständiger Typ. Ich arbeitete damals mit Gardner Cole, der zu der Zeit mit Madonna (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über Gardner Cole und Madonna, Anm. d. Verf.) und anderen arbeitete, und wir sprachen darüber, eine gemeinsame Band zu gründen, und ich sagte ihm sofort, dass wir Mic Murphy dazu holen sollten. Das war in den späten Achtzigern, frühen Neunzigern…“

Michael Arens: „Da werde ich natürlich direkt hellhörig! Wird das vielleicht sogar noch passieren? Eine Art Super-Band, mit dir, Mic Murphy und Gardner Cole?“

André Cymone: „Vielleicht. Mic kommt demnächst wieder vorbei. Wann auch immer Mic neues machen möchte, werde ich es möglich machen, dabei zu sein! Ich denke also, dass es passieren wird, und ich hätte gerne auch David (Frank) dabei! Ich würde es lieben, etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen!“

Michael Arens: „Ein weiterer Name fällt mir bei „1969“ ins Auge, aber auch ins Ohr, denn kaum jemand liefert beim Mastering so außerirdisch gute Arbeit ab wie Bernie Grundman, die Legende unter den Studiotechnikern (auch über ihn berichteten wir im SOUL TRAIN immer und immer wieder)!“

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André Cymone (Photo © Leopard)

André Cymone: „Oh ja, absolut! Ich bin froh, dass Du danach fragst, Er kommt übrigens auch aus Minneapolis, Minnesota. Wir haben bereits damals am ersten Prince-Album zusammengearbeitet, bei den Mastering-Sessions, an denen Prince nicht teilnehmen wollte, also erledigte ich das für ihn. Als ich dann später die Sache für Jody (Watley) und andere machte erinnerte ich mich an ihn, und so war, viele Jahre später schließlich auch beim neuen Album „1969“ klar, dass es Bernie Grundman werden würde.“

Michael Arens: „Nun bezieht sich der Albumtitel „1969“ ja, wie wir bereits geklärt haben, auf jene Ära, die sich in der Gegenwart spiegelt, und die im besonderen für ihre Inhaltsbasierte, populäre Musik steht, für ihre Texte, ihren Protest – die viel zitierte Message. Wie ist deine persönliche Message –  von „1969“ an deine Fans, Hörer und letztlich die Leser des SOUL TRAIN?“

André Cymone: „Es geht um Entwicklung, Harmonie und darum, dass die Menschen zusammenkommen und realisieren, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Wir leben hier im jetzt, nicht in zehn, 20, 30, 50 oder 100 Jahren. Was Du schreibst und ich musikalisch kreiere, ist doch das, was die Zukunft formt, ohne dabei zu viel Bedeutung in meine Arbeit zu legen. Aber man sollte doch immer versuchen, die Dinge immer voranzubringen, egal ob im Journalismus oder in der Musik. Ich hoffe, die Leute hören, was ich zu sagen habe, denn ich werde nicht aufhören, über Dinge zu sprechen, die wirklich wichtig sind, nicht nur für mich, sondern für alle – dies ist unsere Welt! In meiner Vorstellung sehe ich eine Welt, in der Du beispielsweise dein teures Auto mit laufendem Motor abstellen kannst, dir eine Zeitung kaufen gehst und niemand stiehlt es oder stellt sonst was damit an…“

Michael Arens: „Zeit für dein Fazit, dein Wunsch, deine Message an die Leser des SOUL TRAIN @ soultrainonline.de!“

André Cymone: „Liest dieses Interview, denn Musik ist die letzte Grenze der Wahrheit! Immer wieder sprechen die Leute über Fake News und Fake dies und Fake das, aber Soul-Musik war immer eine Art Steuerrad für die Menschen, die Dinge aus der Perspektive eines Menschen zu sehen, der die ganze Welt bereist und alles gesehen hat. Die packen diese Dinge dann entweder in einen Song oder eben in Zeilen wie die im SOUL TRAIN @ soultrainonline.de. Das ist ein sehr guter Grund, den SOUL TRAIN zu lesen und diese Musik, meine Musik, zu hören!“

© Michael Arens

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