Various – Naive Melodies
Review 12. Juni 2026 Michael Arens
Various – Naive Melodies (BBE Music/SPV)
Dieses Jahr feiert das stets innovative Kult-Label BBE Music (der SOUL TRAIN @ soultrainonline.de berichtete unzählige male und immer wieder: READ MORE) 30-jähriges Bestehen. Eines der ersten Ausrufungszeichen, welches die Denke und die den Fokus auf eine eigene Handschrift, das Gusto des Über-Labels, deutlich unterfüttert, dürfte mit Nachdruck und Nachhall die „Naive Melodies“-Kompilation sein.
17 Titel lang (CD) zelebriert das Album, bereits im Cover-Artwork deutlich identifizierbar und als Titel einen goldenen Talking Heads-Track – „Naive Melody“ – nutzend, die Musik und den musikalischen und künstlerischen Geist der Talking Heads, bis heute eine der innovativsten und unvorhersehbarsten, vor allen Dingen aber faszinierendsten Bands des Planeten, welche eine sehr eigene Schnittmange zwischen Rock, Pop, Punk, Soul, Funk und Perkussionsverliebter Umtriebigkeit stolz als Erkennungsmerkmal trägt und stets herrlich uneinrückbar und unvorhersehbar war und ist.
Größere und kleinere Klassiker der Talking Heads um den erzcharismatischen und faszinierenden Kopf der Unternehmung David Byrne (einmal mehr: das Cover-Artwork, der Anzug, lässt grüßen) wurden hier von sehr feinfühlig ausgewählten Künstlern und Acts des, im weitesten Sinne, Black Music-Kosmos neu interpretiert und von Kurator Drew McFadden in einen Kontext gestellt: Es ist nahezu unmöglich, den einen oder die Handvoll der innovativsten Cover-Variationen des Albums auszumachen, ist doch der Anspruch avantgardistischen Liedguts und des Unerwarteten hier immens hoch.
Miguel Atwood-Ferguson, Kenny Dope feat. Roisin Murphy, Bilal, Theo Croker feat. Theophilus London, Leon Jean-Marie, Georgia Anne Muldrow oder Aja Monet sind beispielhaft einige wenige der Bands und Künstler, welche sich hier an das beeindruckend innovative Talking Heads-Repertoire wagten und unter der Federführung von eben Drew McFadden feinfühlig und pointiert darauf achteten, dem sehr eigenständigen, mitunter ironischen, sarkastischen und sogar lakonischen Geist der Über-Band zu entsprechen.
Stilistisch ist es hier eine ganze Bandbreite an Black Music-Verästelungen, um die sich die Talking Heads-Liebeserklärung dreht: Pop, Rock, New Wave und Post Punk, Farben aus Afro Beat und Reggae, lateinamerikanische Spitzen, verschiedenste Facetten aus elektronisch getriebener Musik und der permanente Wegbegleiter extrovertierten Gedankenguts lassen aus Song-Giganten wie „Psycho Killer“, „Born Under (More) Punches“, „Take Me To The River“, „I Zimbra“, „Road To Nowhere“ oder „Once In A Lifetime“, um nur ein paar zu nennen, Cover-Updates werden, die dem Geist der Talking Heads absolut gerecht werden und in Personalunion ein Album ergeben, das samt Liner Notes von Morgan Rhodes fasziniert und insbesondere Freunde und Fans von Talking Heads und David Byrne in seinen Bann ziehen wird – cool.
Die „Naive Melodies“-Kompilation ist auf den üblichen Digital-, Download- und Streaming-Portalen sowie als klassische CD und als wunderbare Doppel-Vinyl-Variante erhältlich.
© Michael Arens








