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Roger Bong – Soul Strut Aloha Style Roger Bong – Soul Strut Aloha Style
Aktuelles Album: Various – Aloha Got Soul – Soul, AOR & Disco In Hawai’i 1979-1985 (!K7 Records/Strut Records/Indigo) Die exotische Inselwelt von Hawaii mit... Roger Bong – Soul Strut Aloha Style

Aktuelles Album: Various – Aloha Got Soul – Soul, AOR & Disco In Hawai’i 1979-1985 (!K7 Records/Strut Records/Indigo)

Die exotische Inselwelt von Hawaii mit Soul, Funk und Jazz der Siebziger und Achtziger Jahre zusammenzubringen, ist zwar im SOUL TRAIN eine halbwegs regelmäßige und mehr oder wenige normale und liebgewonnene Tradition, in der breiten Masse an Musikkonsumenten und Musikinteressierten und, im günstigsten Fall, Musikfaszinierten ist es jedoch nachwievor ein weitestgehend leerer Fleck auf der internationalen Landkarte von populärer Musik.

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Roger Bong (Photo @ Mark Kushimi)

„Aloha Got Soul“ ist dabei nicht nur eine Kompilation, veröffentlicht auf dem Londoner Strut Records-Label (der SOUL TRAIN berichtete), die sich mit dieser eigenwilligen, aber unglaublich leicht zu hörenden, unverschämt unterhaltsamen Retro-Soul-Variante beschäftigt, es ist auch ein 2010 ins Leben gerufener Blog, der sich ausschließlich diesem einen sehr speziellen Thema, eben dem Soul und dem Funk der späten Siebziger Jahre und der frühen Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts gewidmet hat: www.alohagotsoul.com!

Initiator und Macher und nicht zuletzt auch zuständig für die Zusammenstellung und die konzeptionelle Unterfütterung von „Aloha Got Soul – Soul, AOR & Disco In Hawai’i 1979-1985“, welches selbstverständlich und dem Anlass als auch dem Zeitgeist entsprechend auch auf schwarzem Gold – Vinyl- erscheint, ist Roger Bong, Hawaiianer und Kämpfer für die Soul-Musik-Seele in den Traditionen und der vielschichtigen Geschichte von Hawaii bzw. Hawai’i, wie es in der Sprache der Hawaiianer heißt.

Bereits in diversen früheren SOUL TRAIN-Ausgabe befassten wir uns mit eben diesem Thema, darunter die Besprechung der „This Is Love“-Album-Neuauflage von Hal Bradbury (BBE Records – ST#65), einer der latent bekannteren hawaiianischen Künstler der Ära, der es auch auf die „Aloha Got Soul“-Kompilation geschafft hat.

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Various – Aloha Got Soul – Soul, AOR & Disco In Hawai’i 1979-1985 (!K7 Records/Strut Records/Indigo)

Mike Lundy ist ein weiterer Name, der auf dem Über-Sampler, einem Muss für Freunde innovativer Soul-Beats jenseits des bis dato bekannten, zu finden ist, und dessen Output wir bereits im Rahmen der ebenfalls auf BBE Records veröffentlichten „Americana“-Kompilationsrreihe (ST#37, ST#61) besprochen haben, ist doch das musikalische Firmament zwischen dem Blue Eyed Soul und dem kalifornischen MOR/AOR der Ära ein sehr Blutsverwandtes – der SOUL TRAIN berichtete praktisch unaufhörlich über das Phänomen. Tender Leaf, Lemuria, Marvin Franklin with Kimo and The Guys, Nova, Roy & Roe, Greenwood, Steve & Teresa, Brother Noland und Rockwell Fukino oder die wohl bekannteste Formation Aura (nicht zu verwechseln mit dem Discoboogie-Duo Aurra, mit zwei „r“), sind derweil einige weitere der Acts auf „Aloha Got Soul“ welche uns die Soul-Genre-Bereicherung Hawaiian Soul näher bringen.

Das Album kommt mit all dem nötigen Infotainment um uns alle Möglichkeiten in die Hand und die Ohren zu geben, das wunderschöne Phänomen Hawaiian Soul der Ära – eben Aloha Soul – näher zu bringen, einer Vielzahl von Coverabbildungen, Fotos und Liner Notes von eben jenem Roger Bong höchstpersönlich im mitgelieferten Boklet inklusive.

Höchste Zeit also, Roger Bong als Mastermind und Bewahrer der drei und vier Dekaden zurückliegenden hawaiianischen Traditionen in Sachen Soul Funk, Disco und Jazz und nicht zuletzt als Betreiber des Aloha Got Soul-Blogs und als Initiator, Kompilierer und Verantwortlicher hinter der hervorragenden „Aloha Got Soul – Soul, AOR & Disco In Hawai’i 1979-1985“-Kompilation, ein einstimmiger SOUL TRAIN HOT TIP, zum noch immer sehr exotischen aber unwiderstehlich guten Thema hawaiianischer Soul des Jahrzehntwechsels Siebziger/Achtziger Jahre zu befragen…

 

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Aura

Michael Arens: „Das ganze „Aloha Got Soul“-Konzept ist gerade für europäische Ohren etwas sehr besonderes und ein im SOUL TRAIN immens populäres Stück Soul-Geschichte, dessen treibende Kraft in den letzten Jahren Du und dein Blog „Aloha Got Soul“ (www.alohagotsoul.com) waren und sind. Wie kam es zu dazu?“

Roger Bong: „Also meinen „Aloha Got Soul“-Blog habe ich 2010 gestartet. Meine Mission war und ist es dabei, die Musikszene Hawaiis der späten Siebziger- und frühen Achtziger Jahre zu entdecken und zu dokumentieren. Dieses war eine sehr besondere Zeit auf Hawaii, da es in Waikiki (der legendärste Stadtteil der größten und bekanntesten hawaiianischen Stadt Honolulu; direkt am Strand gelegen, Anm. d. Verf.) derart viele Clubs gab, in denen Live Bands ihre Auftritte hatten, und das jede Nacht. Dies habe ich allerdings erst so richtig realisiert, als ich mit dem Blog angefangen habe und damit begann, Künstler dafür zu interviewen. Das heutige Waikiki ist ein total anderes als vor 30, 40 Jahren…“

Michael Arens: „Aber was war die Initialzündung vor bzw. zu diesem Blog?“

Roger Bong: „Ich wurde 1987 geboren, also kannte ich keinen dieser Künstler oder die Clubs, in denen sie aufgetreten waren. Tatsächlich kam ich erst mit dieser Art von Musik in Berührung, als ich die Musik von DJ Muro aus Japan mit seinem „Hawaiian Mixtape“ 2009 entdeckte. Ich bin ein Plattensammler, und als ich also den Mix von dem „King Of Digging“ DJ Muro hörte, hat mich das umgehauen. Ich hatte augenblicklich eine Obsession mit dieser Art Musik – soviel zu eigentlichen Infizierung mit dieser Art Musik.“

Michael Arens: „Wie ging es weiter?“

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Greenwood

Roger Bong: „Mit der Zeit wandelte sich mein Blog langsam in eine Art, eine Version einer Plattenfirma. Ich begann, diverse Mixe zu veröffentlichen, habe auf einigen Events in Honolulu aufgelegt und schließlich 2015 ein Label gegründet, um einige der größte hawaiianischen Soul Perlen neu auf den Markt zu bringen, die bis dato nur extrem schwer zu finden waren. Das wiederum war schon ein Traum von mir seit den Anfängen von „Aloha Got Soul“ 2010. Ich fand, die Zeit war reif für ein Label wie Aloha Got Soul: Es gab unglaublich viel internationales Interesse am Thema, kontinuierliche Briefe und Mails von Fans des Blogs, die mich danach fragten, wo man denn all diese wundervolle Musik kaufen könne. Nicht zuletzt stand dann auch noch die Frage nach einem Label in Honolulu, das Vinyl presst, im Raum, davon gibt es nämlich heutzutage kaum noch welche auf Hawaii, so ist es also gut, dass es heute Aloha Got Soul gibt, diese Fackel weiterzutragen und damit hoffentlich einige andere dazu auffordern kann, sich wieder mehr mit dem Pressen von Vinyl zu befassen.“

Michael Arens: „Und nun gibt es da das vielschichtige „Aloha Got Soul“-Monsteralbum, das 16 unglaublich gute Hawaiian Soul-Perlen liefert als würde man sie auf der Straße finden – genial!“

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Roy & Roe

Roger Bong: „Ich habe bisher mit so vielen hawaiianischen Künstlern zusammengearbeitet, besonders für diese Kompilation für bzw. mit Strut Records. Alleine auf „Aloha Got Soul – Soul, AOR & Disco In Hawai’i 1979-1985“ gibt es 16 verschiedene Künstler, darunter Mike Lundy, Nohelani Cypriano, Hal Bradbury, Tender Leaf, Hawaii, Greenwood, Aura, Nova und einige mehr. „Aloha Got Soul“ (der Blog, das Album und die Philosophie, Anm. d. Verf.) ist nicht limitiert auf Soul oder R’n’B im grundsätzlichen Sinne der Begriffe. Es geht wirklich eher um den Vibe der Musik des Ortes… dem Vibe Hawaiis!“

Michael Arens: „“Aloha Got Soul“, das Album, befasst sich ja, soviel verrät bereits der Titel, mit hawaiianischem Soul der späten Siebziger und Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine ganz plakative, fast plumpe Frage: Gab es vor und/oder nach dieser Zeit keinen Soul aus Hawaii mehr?“

Roger Bong: „Es gab tatsächlich nicht mehr viel davor und danach! Seawind (der SOUL TRAIN berichtete, Anm. d. Verf.) war eine der ersten Jazz/Soul/Funk-Bands Hawaiis. Sie gründeten sich in den frühen Siebzigern als Ox. In den mittleren Achtzigern gab es ein Reggae-beeinflussten Musikstil namens „Jawaiian“, der plötzlich unglaublich populär wurde und den Kern des hawaiianischen Souls förmlich ausradierte. Dieses Jawaiian ist noch heute überall auf Hawaii mit all seinen Inseln extrem beliebt – hawaiianischer Soul dagegen nicht.“

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Brother Noland

Michael Arens: „Es war doch sicher eine echte Detektivarbeit, all diese Künstler vom Album zu finden und zu kontaktieren, nicht nur für den „Aloha Got Soul“-Sampler, sondern auch für die Neuauflage von Mike Lundys „Rhythm Of Life“-Album und selbstredend für deinen Blog?“

Roger Bong: „Ja, das war es tatsächlich, aber, wie man so schön sagt, es ist auch „eine kleine Welt“. Und sie ist eben noch viel kleiner auf einer Insel! Die Künstler zu finden war also gar nicht sooo schwer, aber sie dazu zu kriegen, für diese Kompilation mitzumachen schon. Einige der Künstler hatten sich ja bereits seit vielen Jahren anderen Künsten zugewandt, anderen Karrieren. Andere konnten einfach nicht verstehen, warum ein hawaiianisches Label (Aloha Got Soul) und ein Londoner Label (Strut Records), dass von einem Berliner Mutterlabel (!K7) betreut wird, Interesse an ihrer „alten“ Musik haben… Und das bringt natürlich auch noch die verschiedenen Zeitzonen mit sich zwischen Honolulu, London und Berlin, was es schwierig macht, die Sache zeitnah abzuwickeln.“

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Roger Bong (Photo @ Mark Kushimi)

Michael Arens: „Das hatte mich am Anfang auch etwas gewundert, ist doch hawaiianischer Soul an sich schon eine extrem kleine Genrenische. Wir berichteten im SOUL TRAIN (St#65) ja auch schon von der Thematik, unter anderem von dem neu aufgelegten Hal Bradbury-Album „This Is Love“ (BBE Records) mit dem Hit „Call Me“, der sich ja auch auf „Aloha Got Soul“ wiederfindet. Wie sehr war also das britische Strut Records-Label in die Entwicklung des ausnahmslos genialen „Aloha Got Soul“ involviert?“

Roger Bong: „Strut Records haben maßgeblich geholfen bei all den kleinen Dingen, die es so zu erledigen gibt, das Mastering, die Pressung, das Marketing, die Buchführung und all das. Quinton Scott (der „Macher“ hinter Strut Records, Anm. d. Verf.) glaubte an das „Aloha Got Soul“-Konzept seit dem Beginn der Zusammenarbeit und hat klar gemacht, dass er möchte, dass das Projekt blüht und gedeiht. Ich denke, dass diese Kompilation der Aloha Got Soul-Bewegung und meinem Blog und Label helfen wird, stärker zu wachsen und weitreichender und internationaler zu agieren, als mir das bisher möglich war.“

Michael Arens: „Ich hoffe, das ganze „Aloha Got Soul“-Konzept startet jetzt erst so richtig durch!“

Roger Bong: „Ich hoffe, einige internationale Gigs als DJ absolvieren zu können; in Verbindung mit einer Aloha Got Soul-Live Band oder vielleicht sogar mit Mike Lundy als Live-Act. Es sind weitere Veröffentlichungen, Reissues, geplant. Ich hoffe aber auch, brandneue Musik machen zu können…“

Mehr Infos zum Thema gibt es hier: www.alohagotsoul.com

© Michael Arens

VERLOSUNG!

ST16_088_I_ROGERBONGALOHAGOTSOUL3_1703Der SOUL TRAIN verlost 3 Exemplare von „Aloha Got Soul“ (CD)!

Einfach eine E-Mail mit dem Stichwort „Aloha“ an soul@(nospam)michaelarens.de – viel Glück!

Mehr Infos zu unseren Verlosungen gibt es hier: SOUL TRAIN-FAQ