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Jean-Michel Jarre – Jarretronica: DNA & Sound Jean-Michel Jarre – Jarretronica: DNA & Sound
Aktuelle Alben: Jean-Michael Jarre – Electronica 1: The Time Machine Jean-Michael Jarre – Electronica 2: The Heart Of Noise (beide: Music Affair Ent. Ltd./Columbia/Sony... Jean-Michel Jarre – Jarretronica: DNA & Sound

Aktuelle Alben:
Jean-Michael Jarre – Electronica 1: The Time Machine
Jean-Michael Jarre – Electronica 2: The Heart Of Noise
(beide: Music Affair Ent. Ltd./Columbia/Sony Music)

Seine Musik gehört fraglos zu den populärsten Melodien des Planeten: Jean-Michel Jarre (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male).

Es wird sicher kaum jemand mit Zugang zu TV, Radio, Musik, Film bzw. Internet geben, der noch nie, bewusst oder unbewusst, die Musik Jean-Michel Jarres gehört hat: sein bekanntestes, legendärstes Werk „Oxygène“ gehört seit seiner Veröffentlichung 1977 zu den populärsten und erfolgreichsten Songs und Alben (Single und Album hatten den gleichen Namen) der Musikgeschichte und machten aus Jean-Michel Jarre aus dem Stand einen der ikonischsten Vertreter von populärer Instrumentalmusik überhaupt – ein Weltstar.

Aufgewachsen als Sohn einer allein erziehenden Mutter und eines der später erfolgreichsten und legendärsten Filmmusikkomponisten der Geschichte, Maurice Jarre, der für die Musik der drei David Lean-Meisterwerke „Lawrence von Arabien“ 1963, „Doktor Schiwago“ 1966 sowie „Reise nach Indien“ (einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete) 1984 jeweils den begehrten Oscar erhielt, lernte der kleine Jean-Michel bereits mit fünf Jahren Klavier und setzte fortan seine gesamte Energie in seinen Traum, dem eigenen musikalischen Genie ein Ventil zu verschaffen, was ihn schließlich bereits als Jugendlicher in die Gründung verschiedener Bands trieb bevor er ab den späten Sechziger Jahren komplett eigene Songs komponierte und 1971 das „Ao“-Elektronik-Ballett in der Pariser Oper aufführte.

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Photo @ Hervé Lassïnce

Erste Studioalben unter eigenem Namen nahm Jean-Michel Jarre, Jahrgang 1948, bereits ab den frühen Siebziger Jahren auf; 1977 kam dann mit dem genialen „Oxygène“ der große Durchbruch – das Album wurde zur definitiven, wegweisenden Hymne unter den Liebhabern akkurat durchkonzipierter Instrumentalmusik – besonders in den Siebziger Jahren eine überaus spezielle, aber erzpopuläre Welt für sich.

Seitdem veröffentlichte Jarre in größeren, aber recht regelmäßigen Abständen ikonische Alben, die von einer ganzen Heerschar an Fans regelrecht verehrt wurden: das „Equinoxe“-Album von 1978, „Magnetic Fields“ von 1981, „Zoolook“ aus dem Jahre 1984 oder die „Oxygène“-Fortsetzung „Oxygène 7-13“ (Jarre benennt seine Kompositionen, Singles, für ein Album gerne nach dem Albumtitel und vergibt lediglich Nummerierungen) von 1997.

Doch wofür seine weltweite und imposante Fan-Gemeinde den Keyboarder und Soundtüftler Jean-Michel Jarre über all die Jahrzehnte ganz besonders liebt sind seine Konzerte, zumeist bombastische Open Air-Events, die visuellen Festen und Designverliebten „Großkampfveranstaltungen“ glichen und gleichen.

So gab es unter anderem Auftritte vor dem Pariser Eifelturm, im Crown Casino im australischen Melbourne oder vor dem Wiener Rathaus. Es gab das legendäre Konzert auf dem NASA-Gelände im amerikanischen Houston, dem nebenbei erwähnt geschätzte 1.300.000 Menschen (!) beiwohnten (Jarre hält mit 2.000.000 – in Worten: Zwei Millionen – Zuschauern bei einem Konzert im Pariser Hochhausviertel Le Défense auch den ewigen, weltweiten Guinness Buch-zertifizierten Besucherrekord eines Konzertes), das unvergessene Megakonzert zum Papstbesuch in seiner Heimatstadt Lyon, den berühmten Auftritt auf der Geschichtsträchtigen japanischen Insel Okinawa, das Konzert in den Londoner Docks oder der unvergessene und wohl legendärste Auftritt Jean-Michel Jarres als erster westlicher Künstler überhaupt 1981 in China sowie seine Konzerte vor den Pyramiden von Gizeh in Ägypten, um nur einige ganz wenige dieser Megaevents mit nicht selten mehreren Hunderttausend Zuschauern zu erwähnen.

Nicht erst durch die auch und im besonderen durch ausgeklügelte Lichteffekte gestützten Giga-Konzerte stellte Jean-Michel Jarre, der privat viele Jahre mit der britischen Schauspielerin Charlotte Rampling und der französischen Actrice Anne Parillaud verheiratet und mit der großen französischen Schauspielerin Isabelle Adjani verlobt war und seit Jahren für die UNESCO aktiv ist, klar, dass er ein überaus visuell denkender und durch bewegte und starre Bilder ebenso wie durch Musik und Sounds inspirierter Mensch – Künstler – ist – vielleicht doch ein Querverweis auf die Gene, die DNA seines 2009 verstorbenen Vaters, zu dem er nach dessen Umzug nach Hollywood praktisch keinen Kontakt hatte. Umso faszinierender, dass beiden, Jarre Junior und Senior in Personalunion sogar ein neu entdeckter Asteroid gewidmet wurde: Asteroid 4422 (Jarre)!

Alle privaten und soziopolitischen Aktivitäten des annähernd seit 50 Jahren musikalisch und künstlerisch aktiven, erzkreativen Gesamtkunstwerkes – wandelnde Kunstinstallation – Jean-Michel Jarre, der im musikalischen Leben sowie in seinem Dasein als echter Entertainment-Innovator alles menschenmögliche erreicht hat und noch in Generationen eines der am meisten recherchierten Künstler der Welt überhaupt sein wird, aufzulisten, wäre indes an dieser Stelle ein überflüssiger Platzhalter, bietet das Internet doch weitaus detailliertere Querverweise auf das Wirken und Leben des Monsieur Jarre, welches augenscheinlich gerade wieder neue Fahrt aufnimmt.

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Photo @ Constantin Mashinskiy

Nachdem so nun also der Musiker Jean-Michel Jarre vor einigen Monaten den ersten Teil seines neuen Albums, seines, um es mit seinen Worten zu sagen „Projektes“ „Electronica“ mit dem Titel „Electronica 1: The Time Machine“ vorstellte, erscheint nun der zweite und (vorerst) abschließende Teil der Reihe: „Electronica 2: The Heart Of Noise“.

Das Konzept hinter „Electronica“, erschienen über Sony Music, ist dabei zunächst mal denkbar einfach: Jarre holte sich ein Who-Is-Who der, im weitesten Sinne, elektronisch inspirierten, weltweiten Musikszene um mit jedem einzelnen Titel neu zu kollaborieren.

Dabei sind unter anderem der Klassik-Superstar Lang Lang, Techno-Urgestein Moby, New Wave-Electronica-Ikone Vince Clarke, die Acid-Headbanger von Primal Scream, New Wave-Gott Gary Numan, die deutsche Filmkomponistenlegende Hans Zimmer, House-Routinier Jeff Mills, Individual-Stimme Cyndi Lauper, die Pop-Ikonen Pet Shop Boys, 3D von Massive Attack, die deutschen Pioniere elektronischer Musik, Tangerine Dream, der amerikanische Filmregisseur- und Komponist John Carpenter, Avantgardistin Laurie Anderson oder The Who-Mastermind Pete Townshend, um nur einige wenige zu nennen – der SOUL TRAIN berichtete praktisch unaufhörlich über alle genannten.

Sogar Whistleblower Edward Snowden holte sich Jean-Michel Jarre für den Song „Exit“ ins „Electronica“-Boot, was durchaus auch politisch und philosophisch motivierte Beweggründe hat; mehr dazu in den eingebetteten Videos zum Thema am Ende dieses exklusiven SOUL TRAIN-Interviews mit Jean-Michel Jarre.

Erstaunlich an alledem ist, dass es Jean-Michel bei jedem Song der zwei „Electronica“-Album-Teile schafft, jeden Song aufs Neue wie ein Track des jeweiligen kollaborierenden Künstlers als auch und gleichbedeutend wie ein Stück von Jean-Michel Jarre selbst klingen zu lassen – faszinierend.

Wie genau er das geschafft hat und noch vieles weiteres, eben faszinierendes über „Electronica“, Jarres Beziehung zu seinem 2009 verstorbenen Über-Vater und weswegen er sich als Ikone der Instrumentalmusik den Fragen eines Soul-Magazins stellt, verriet uns ein bestens aufgelegter, aufgeräumter und vollkommen geerdet wirkender Jean-Michel Jarre im exklusiven SOUL TRAIN-Interview…

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Jean-Michael Jarre – Electronica 1: The Time Machine (Music Affair Ent. Ltd./Columbia/Sony Music)

Michael Arens: „Ich sage so etwas nicht oft, und ich bin mir sicher, Du hast das schon unzählige male gehört: Ich bin seit Tag 1 mit deiner Musik dabei, kenne folgerichtig dein Gesicht, habe es immer und immer wieder in Zusammenhang mit deiner Musik wahrgenommen, über all die Jahrzehnte, habe es seit deinem durchschlagenden Beginn mit dem ikonischen „Oxygène“ 1976 als selbstverständlich empfunden, weswegen ich dich jetzt gerade gar nicht als den Künstler Jean-Michel Jarre sondern als einen Verwandten oder Freund wahrnehme, wenn das nicht zu vermessen klingt…“

Jean-Michel Jarre: „Das ist ein sehr interessanter Punkt, den Du da ansprichst. Das passiert uns wohl allen mit Menschen, die wir durch Bücher, Filme, Musik und so weiter kennen und mögen. Da gibt es eine Art Intimität auf der einen Seite, was natürlich auf der anderen Seite immer etwas seltsam erscheint. Aber es passiert eben allen von uns. Ich nehme das, was Du sagst also mit Dank an und bin froh, einer von deinen Freunden zu sein!“

Michael Arens: „Kommen wir zur Sache: dein neues Album-Projekt „Electronica“, bestehend aus den zwei Teilen „Electronica 1: The Time Machine“ sowie dem gerade erschienenen „Electronica 2: The Heart Of Noise“. Mich verwundert es gar nicht, dass Du gleich zwei Alben machen musstest, denn bei dir wird wohl die weltweite Elite an Musikern, insbesondere aus dem Instrumental- und Electronica-Bereich, Schlange stehen, um mit dir zu arbeiten!“

Jean-Michel Jarre: „Ich weiß nicht, wirklich nicht. Du sagst das so, aber ich habe es so nie gesehen, Tatsächlich hatte ich absolut keine Ahnung, dass all diese großartigen Leute mit mir zusammenarbeiten wollen, Zeit dafür haben, mit mir zusammen zu arbeiten. Ich bin tatsächlich sehr gerührt davon, dass alle, die ich angefragt habe, sofort „Ja“ gesagt haben, denn es gab so viele Dinge zu tun. Eines der Prinzipien dieses Projektes war es zum Beispiel, Musik zu komponieren, die auf die Künstler und mich gleichzeitig passt, Dinge, Songs und Sounds, welche die Künstler bereits selbst hatten und mich damit versorgten. Ich mag es, mit etwas weiterzuarbeiten, mit dem ich bereits angefangen habe statt ganz bei Null, bei einer abstrakten Idee anzufangen. Das hat schon Arbeit gekostet. Die andere Sache die mir wichtig war, war, all diese Künstler persönlich zu treffen, um den kreativen Prozess zwischenmenschlich, körperlich zu teilen. Das war natürlich sehr zeitaufwendig, aber wir haben alle immer versucht, gemeinsame Zeit zu verbringen. Immerhin gab es ja Gründe für die Zusammenkunft, der Sound, die Inspirationen, die Musik.“

Michael Arens: „Was mich stets an dir fasziniert hat ist auch gleich und einmal mehr ein wichtiger Teil des neuen „Electronica“-Projektes: deine Detailverliebtheit. Von der eigentlichen Musik mal ganz abgesehen hast Du im dem Alben mitgelieferten Booklet zu jedem einzelnen Track beider „Electronica“-Folgen deine ganz persönliche Sichtweise über das Wieso, Warum und Weshalb jedes Songs gleich mitgeliefert…“

Jean-Michel Jarre: „Tatsächlich ist dieses „Electronica“-Projekt sehr besonders für mich, besonders natürlich wegen der vielen Kollaborationen. Ich wollte meine Meinung in besonderem Masse in das Projekt einbringen, denn es war mir ein besonderes Anliegen zu erklären, warum ich eben mit genau diesen Leuten wie Gary Numan, den Pet Shop Boys, Massive Attack, Air, Laurie Anderson, Pete Townshend, John Carpenter, Cyndi Lauper, Jeff Mills, Gesaffelstein oder Moby, all diese Künstler aus so vielen verschiedenen Generationen, zusammenarbeiten wollte. Nun könnte man sich fragen, warum ich mit diesen Künstlern persönlich zusammenarbeiten wollte. Nun, ich wollte den Sound so kohärent wie möglich halten, und das geht nun mal am besten mit all den Künstlern persönlich. Das ist natürlich alles nicht so einfach…“

Michael Arens: „Ich bin sehr froh, dass Du gerade John Carpenter erwähnt hast. Neben der Musik ist Film meine zweite große Leidenschaft und John Carpenter gehört zu einem meiner Lieblingsregisseure und ganz ohne Zweifel zu einem der Künstler, welche mit die intensivste und faszinierendste Filmmusik überhaupt machten und machen. Folgerichtig ist auch „A Question Of Blood“, deine „Electronica“-Kollaboration mit Carpenter, einer meiner Lieblingssongs des Projektes, denn es fühlt sich an wie ein waschechtes John Carpenter-Stück und ein Jean-Michel Jarre-Song gleichzeitig…“

Jean-Michel Jarre: „Ich weiß wirklich zu schätzen, was Du sagst! Ich habe tatsächlich versucht, so gut ich konnte, diese Dinge auszubalancieren, dem Künstler und mir eine 50/50-Sitaution zu ermöglichen in dieser Zusammenarbeit, und zwar für jeden beteiligten Künstler, auch für John Carpenter – sein Charakter sollte sich mit meinem vermischen. Ich bin auch froh, dass Du ein Film-Fan bist, genau wie ich! Ich halte „Electronica“ für einen Film, der aus zwei Teilen besteht. Wir haben ja alle ein sehr individuelles Verständnis von künstlerischen Inhalten. Auf der einen Seite kann man sich bequem durch das Internet surfen und sich auf You Tube und so weiter Musik anhören. Auf der anderen Seite verbringen die Menschen ganze Wochenenden damit, sich Sachen wie „Game of Thrones“ oder „House of Cards“ anzusehen, und genau dieses Zusammenspiel wollte ich mit „Electronica“ aufgreifen. Ich hoffe, dass die Leute sich den einen oder anderen Track herausgreifen um sich damit einen guten Film zu machen…“

Michael Arens: „…das viel zitierte Kopfkino.“

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Jean-Michael Jarre – Electronica 2: The Heart Of Noise (Music Affair Ent. Ltd./Columbia/Sony Music)

Jean-Michel Jarre: „Exakt.“

Michael Arens: „Ich muss bei einem speziellen Thema noch einmal etwas tiefer bohren, und hoffe, dass ich hier keine Grenzen überschreite, wenn ich dich nach deinem Vater (der weltberühmte Komponist Maurice Jarre, der mit seinen Filmmusiken für u.a. „Lawrence von Arabien“ und „Doktor Schiwago“ Weltruhm erlangte, Anm. d. Verf.) frage. Wie viel von deinem Vater hast Du in dir?“

Jean-Michel Jarre: (nach einer kurzen aber merklichen Denkpause) „Ich weiß nicht wirklich. Weißt Du, es ist kompliziert mit meinem Vater. Meine Eltern trennten sich, als ich noch sehr klein war, mein Vater zog in die USA, und ich wurde von meiner Mutter allein in Lyon groß gezogen. Wir haben nie wirklich gesprochen, schon gar nicht über Musik. Es gab aber auch nie einen Konflikt oder so, er war einfach nicht da. Da gab es schlichtweg nichts, gar nichts, er existierte nicht. Mein Vater ist dann vor einigen Jahren gestorben, und erst danach und seitdem ich anfing, um die Welt zu reisen und mich für das neue Album mit all diesen Künstlern zu treffen kommen diese Gedanken in mir hoch, dass mein Vater tatsächlich irgendwie in mir, bei mir ist. In diesen letzten fünf, sechs Jahren, seit er nicht mehr da ist, fühle ich mich ihm auf eine sehr seltsame Art sehr Nahe. Irgendwie scheint er jetzt da zu sein, um mir zu helfen, etwas, was er zu Lebzeiten nie gemacht hat, so dass ich nun meinen Weg weiter beschreiten kann.“

Michael Arens: „Sicher hängt das auch irgendwie mit den Genen zusammen, denn mindestens das hat dein Vater dir gegeben, seine Gene…“

Jean-Michel Jarre: „Ja, vielleicht, auf der Chromosomen-Ebene…“

Michael Arens: „Ja. Dazu habe ich eine kleine Geschichte für dich: In den Achtziger Jahren benutzte einer meiner Lehrer einen deiner Songs, entweder vom „Oxygène“-Album oder vom „Equinoxe“-Set wenige Jahre später, um uns während des Geschichtsunterrichtes seine Gefühle bezüglich des 1. Weltkriegs, den wir gerade durchnahmen, musikalisch darzustellen. Ich erinnere mich leider nicht mehr an den genauen Song, aber an die Unterrichtsstunde als solches. Wie denkst Du über solche Geschichten?“

Jean-Michel Jarre: „Das ist tatsächlich eine sehr interessante Geschichte. Es erinnert mich daran, dass es immer wieder bestimmte, eindrucksvolle Momente gibt, in denen wir ein bestimmtes Stück Musik hören und es uns einen besonderen Moment aus unserem Leben aufruft, ihn zurückholt. In besonderen Momenten im Leben läuft ein, zwei Minuten lang ein spezielles Stück Musik und du erinnerst dich für den Rest deines Lebens daran! Deshalb war ich immer an One Off-Konzerten interessiert, einfach einen Ort für eine Nacht klarmachen um einen ganz besonderen Moment mit dem Publikum zu teilen, und genau das könnte dann einer dieser Momente werden, an den du dich den Rest deines Lebens erinnerst. Das habe ich an mir entdeckt, dass ich das sehr mag. So handhabe ich es auch in der Vorbereitung meiner „Electronica“-Konzertreihe. Da mich ab und zu diverse meiner Kollaborateure auf der Bühne begleiten, könnte das alles jede Nacht etwas anderes ergeben und es ist einfach richtig, diese einzigartigen Momente mit meinem Publikum zu teilen, sodass beispielsweise das Paar, welches in meinem Konzert war, diese Erfahrung noch für eine sehr lange Zeit genießen kann. Das ist im wesentlichen genau das, was deine Erinnerung, die Du mit mir geteilt hast, über die Geschichtsstunde deines Lehrers, mit dir gemacht hat und Du dich daran erinnerst, und genau so sollte es sein.“

Michael Arens: „Auch meine nächste Frage berührt im wörtlichen und im übertragenen Sinne die emotionale Seite des Menschen – die Seele: Wie denkst Du darüber, dass sich ein Soul Musik-basiertes Magazin wie der SOUL TRAIN @ soultrainonline.de für einen Künstler wie Dich, der eigentlich so viel mehr mit instrumentaler Musik, mit elektronischer Musik – Electronica – und Pop zu tun hat denn mit Soul und Funk – mit Black Music – interessiert?“

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Photo @ Constantin Mashinskiy

Jean-Michel Jarre: „Es ist bezeichnend für die Zeit, in der wir leben. Nach etlichen Dekaden an musikalischen Eingruppierungen verschmilzt die Musik und die DNA derselben  und die Herkunft von Musik heute immer mehr, und wir reden hier natürlich auch von Kommunikation, vom Vermischen von Menschen jeglicher Herkunft. Eigentlich passiert das unter den Menschen schon sehr lange, ist aber nicht immer gesellschaftlich akzeptiert. Ich spreche dabei zugleich nicht vom Fusionieren, ich mag die Idee vom Fusionieren nicht. Was ich jedoch mag, ist es, wenn mich Menschen danach fragen, welche Musik ich private höre, und ich kann antworten: „Künstler die ich mag! Künstler aus der Soul-Musik, aus Rock, aus Punk,  aus Jazz und Classic Rock, aus Heavy Metal und Französische Chansons, je nachdem in welcher Stimmung ich bin. Soll heißen: Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass ein Soul Musik-Magazin wie der SOUL TRAIN mit mir sprechen möchte, und dann noch über etwas anderes als Soul! Soul-Musik ist, wie jede andere Art Musik, einzigartig, und ist im Vergleich zu vielen anderen musikalischen Themen sehr komplex. Es macht also durchaus Sinn, ein anderes Licht im Zusammenhang mit anderen Musikstilen, auf ein anderes Musikgenre wie der elektronischen Musik – „Electronica“ – zu werfen.“

Michael Arens: „Genau darum geht es… Sprechen wir also noch einmal über dein neues Album, auf dem Du ja auch mit Künstlern von außerhalb des Electronica-Musikgenres kollaboriert hast: Du hast „Electronica“ ja gleich in zwei Teile aufgeteilt: „Electronica 1: The Time Machine“ und „Electronica 2: The Heart Of Noise“. Inwiefern hast Du die ganzen exklusiven Kollaborationen mit den Künstlern in eine Struktur bringen müssen? Anders herum gefragt: Nach welchen Kriterien hast Du die Musik, die Kollaborationen unter den zwei Alben aufgeteilt? Gab es da tatsächlich konzeptionelle Unterschiede, die man hören könnte bzw. fühlen sollte?“

Jean-Michel Jarre: „Wieder ein anderer, sehr interessanter Punkt für mich! (längere Denkpause) Ich denke, dass es keinen konzeptionellen Unterschied zwischen den beiden Teilen gibt, es gibt keinen ausgleichenden Punkt, Vergangenheit und Zukunft, Schwarz oder Weiß oder so was. Beide Alben sind tatsächlich Teil eines gemeinsamen Films, eines Abenteuers. Es gab im wesentlichen zwei Gründe, „Electronica“ in zwei Folgen herauszubringen: zum einen der sehr profane Grund, dass ich einige Tracks bereits fertig hatte, andere, nicht zu wenige, jedoch noch nicht vollendet waren. Der zweite Grund ist, dass, als ich „Electronica 1: The Time Machine“ strukturierte, ich feststellte, das einige der Tracks nicht exakt passten. Also habe ich mir diese Tracks für „Electronica 2: The Heart Of Noise“ aufgespart, wo sie viel mehr Sinn ergeben, gerade in Bezug auf den Fluss beider Alben. Es ging also um die richtige Stimmung und den Vibe.“

Michael Arens: „Nun gibt es ja Musik, die man leise hören und genießen kann, andere Musik funktioniert am besten laut. Bei deiner Musik und bei beiden „Electronica“-Folgen im speziellen funktioniert beides extrem gut, laut sowie leise. Und noch etwas fällt mir auf: der extrem gute, qualitativ sehr hochwertige Klang der Alben – selten hat sich ein Sound derart kristallklar aus meinen Boxen geperlt…“

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Photo @ Hervé Lassïnce

Jean-Michel Jarre: „Ich weiß wirklich sehr, sehr zu schätzen, was Du da sagst, Michael. Denn genau das ist einer der Kerne dieses Projektes und des Sounds! All die Menschen, mit denen ich für das Projekt zusammengearbeitet habe, hatten diese eine große Sache gemeinsam: ihre Leidenschaft für Sound! Was ich mit all den Menschen wie Gary Numan, Lang Lang, den Pet Shop Boys oder John Carpenter und so weiter erreichen wollte, ist, unsere Namen und Stile und unsere Chromosome und unsere Sichtweisen zu verschmelzen, und das mit dem machbar perfektesten Sound, den man momentan haben kann, machen kann. Es hat irrsinnig lange gedauert, das abzumischen – das Mastern hat fast sechs Wochen pro „Electronica“-Teil gedauert! Ich habe mich selbst fast verrückt gemacht, um den bestmöglichen Sound, den man bekommen kann, hinzukriegen. Nochmal: Ich freue mich wirklich sehr, dass Du genau das ansprichst, denn für mich ist es das Fundament – eines der wichtigsten Teile dieses Projektes – der beste kohärente Sound von einem Teil zu anderen, von einem Menschen zum anderen! Ich erkenne deine Meinung wirklich sehr an und weiß, dass deine tiefe Leidenschaft für dieses Thema authentisch und ehrlich ist, denn ich habe derart viel Liebe zum Detail in jede Sekunde dieses Projektes gesteckt, und Du hörst das! Man kann „Electronica“ tatsächlich so laut und so leise hören wie möglich, und egal, wie laut Du es hörst, es wird dich nie aggressiv machen, das war mir sehr wichtig.“

Michael Arens: „“Electronica“ ist ein Album, welches mit gleich zwei Teilen seinem Namen alle Ehre macht. Wir hatten das mit der DNA bereits, deswegen bleibe ich bei der Analogie: Was ist die DNA von elektronischer Musik, von „Electronica“, dem Album und dem musikalischen Genre?“

Jean-Michel Jarre: „Erst einmal: Es ist gut, durch dich mit dem deutschen Publikum über das „Electronica“-Projekt zu sprechen. Und ja – elektronische Musik – Electronica – hat nichts zu tun mit Amerikanischer Pop-Musik, mit Rock oder Jazz. Sie kommt aus Deutschland und Frankreich und dem kontinentalen Europa, denn alle Musik stammt ab von klassischer Musik. Elektronische Musik wurde hier geboren, in Europa, in beiden Teilen dies- und jenseits der deutsch-französischen Grenze. Elektronische Musik ist etwas, dass uns durch das Erbe der klassischen Musik hinterlassen wurde. Ohne Deutschland hätte es ein Projekt wie „Electronica“ nicht gegeben, gerade auch weil es im Internet Portale wie soultrainonline.de gibt.“

© Michael Arens

Jean-Michel Jarre featuring Edward Snowden – „Exit“ (Spotify-Teaser):

Die Geschichte hinter „Exit“ / The story behind „Exit“:


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Einfach eine E-Mail mit dem Stichwort „JMJ“ an soul@(nospam)michaelarens.de – viel Glück!

Mehr Infos zu unseren Verlosungen gibt es hier: SOUL TRAIN-FAQ