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Jasmin Tabatabai – Aller guten Dinge sind Tabatabai Jasmin Tabatabai – Aller guten Dinge sind Tabatabai
Aktuelles Album: Jasmin Tabatabai – Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist? (Jadavi Records/Galileo MC) Schauspielerin, Autorin, Mutter, Mensch und parallel... Jasmin Tabatabai – Aller guten Dinge sind Tabatabai

Aktuelles Album: Jasmin Tabatabai – Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist? (Jadavi Records/Galileo MC)

Schauspielerin, Autorin, Mutter, Mensch und parallel zu ihrer Schauspielkarriere auch Vollblutmusikerin und Sängerin: Jasmin Tabatabai ist eine Allroundkünstlerin, die selbstbewusst und intelligent ihr eigenes Standing und ihren fest angestammten Platz in der deutschen und damit mitteleuropäischen Medienlandschaft hat.

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Photo @ Felix Broede

Mit Wurzeln im Iran und in Deutschland machte Tabatabai bereits ab den frühen Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts sowohl auf der Bühne, im TV und im Kino als auch musikalisch von sich reden: Ihre Band Even Cowgirls Get The Blues ist bis heute eine Art ewig währender Heimtip innerdeutscher Pop-Kultur.

2001 gründete sie ihr eigenes Plattenlabel (Polytrash) und veröffentlichte nur ein Jahr später mit „Only Love“ ihr erstes abendfüllendes Album.

Da parallel dazu ihre Schauspielkarriere in stetiger, quantitativer und im besonderen qualitativer Aufwärtsbewegung war und ist und Filme wie „Der Baader Meinhof Komplex“, „Gripsholm“, „Late Show“ aber vor allen Dingen der Kultgewordene Musikfilm „Bandits“ (inklusive gleichnamiger, erfolgreicher Band) oder Serien wie „Letzte Spur Berlin“, von der Jasmin Tabatabai derzeit die bereits sechste Staffel dreht, einen bestimmten Standart setzten, wechselte sie musikalisch langsam aber stetig von Pop zu Jazz – von U-Musik zu E-Musik.

Nachdem besonders ihr letztes Jazz-Album „Eine Frau“ 2011 bereits vom musikalischen Mentor und Produzent, Komponist, Arrangeur und Saxofonist David Klein (der SOUL TRAIN berichtete mehrfach über ihn, ebenso wie über Even Cowgirls Get The Blues, die Bandits und nicht zuletzt über Jasmin Tabatabai selbst) betreut, gesteuert wurde ist es wenig verwunderlich, dass nun ihr neues, erstaunlich gutes, unglaublich wertig produziertes Album mit dem epischen Titel „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ ebenfalls unter Anleitung Kleins, den Tabatabai stets liebevoll und nicht nur aufgrund seiner Herkunft den „Schweizer“ nennt, ein echter Gipfelstürmer in Sachen Jazz-Akkuratesse ist.

Unter ihrem gemeinsamen Label Jadavi Records veröffentlicht (erhältlich über Galileo MC) sind es auch hier und einmal mehr die begleitenden Musiker, die Jasmin und ihre einprägsame, immens wandlungsfähige Stimme, erprobt und ständig hinterfragt durch praktisch permanente Live-Auftritte, bei jedem der 14 Songs von „Was sagt man…“ mit höchster, beseelter Präzision umschmeicheln: Pianist Olaf Polziehn, Bassist Ingmar Heller, Trompeter Matthieu Michel oder die Schlagzeuger Hans Dekker und Peter Gall sind dabei zusammen mit jenem David Klein der Kern des Ensembles, das Tabatabai hier beim sprichwörtlichen Kragen packt und ihr beispielsweise Klassiker der Liedermacher-Geschichte, des Great American Songbook, des französischen Chanson-Olymp aber auch aus eigener Feder (das Album beinhaltet unter anderem diverse Songs vom „Bandits“-Film in komplett veränderter „Aufstellung“) auf die Stimme spielt und zum wahrhaftig poetischsten und besten werden lässt, was, im weitesten Sinne, elegant und eloquent eingespielter Vocal-Jazz derzeit zu bieten hat.

Unterstrichen von einem überaus edlen, mehr als angemessenen Artwork inklusive beeindruckender Fotostrecke (im Booklet der CD – das Album soll voraussichtlich auch auf schwarzem Gold – Vinyl – erscheinen, doch dazu im Interview mehr…) gibt Jasmin Tabatabai hier ihre ganz persönliche, intime Interpretation von Klassikern aus der Feder von, unter anderem, Kurt Tucholsky, Kurt Weill, Cole Porter aber auch Michel Sardou (das wunderbare „Je vole“, erst kürzlich durch die herzerweichende französische „Verstehen Sie die Béliers?“-Komödie frisch an die breite Öffentlichkeit zurückgeschickt) oder dem unverwechselbaren Reinhard Mey, unterschätzter Wortpoet (auch dazu später im Interview mehr) zum denkbar besten und zeichnet ein Selbstbildnis, das eine Jasmin Tabatabai auf dem hoffentlich noch lange zu beschreitenden Zenith ihres zumindest musikalische Schaffen zeigt: „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ ist ein kleines Meisterwerk, welches gerade auch wegen der mehrsprachigen Einbindung (Deutsch, Englisch, Französisch und Persisch) internationalen Jazz-Standards richtig gut zu Gesicht steht.

Zudem besitzt das neue Album, dessen Titel nicht umsonst so gewählt wurde (einmal mehr: später im Interview dazu weiteres…), eine sehr gutmütige Seele – Soul – die sich insbesondere durch klare Strukturen, Harmonien und wunderbar fließende Melodieführungen auszeichnet – gerade in oft überelitären, mitteleuropäischen Jazz-Befindlichkeiten nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

Allerhöchste Zeit also, dass sich die selbstbewusste und aufgeräumte, dabei erfrischend unkomplizierte und direkte und immer wieder augenzwinkernde, immens sympathische Jasmin Tabatabai den Fragen von Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – stellt…

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Photo @ Felix Broede

Michael Arens: „Du bist sicher verwundert, dass ausnahmsweise mal kein TV-Moderator, Film-Rezensent oder Jazz-Magazin mit dir spricht, sondern ein Soul-Magazin. Allerdings geht es bei uns nur oberflächlich um den musikalischen Stil. Tatsächlich ist der Dreh- und Angelpunkt der, ob ein Produkt eine Seele – Soul – hat, und bei deinem neuen Album „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ ist das definitiv so. Die Begrifflichkeit „Produkt“ nutze ich übrigens an dieser Stelle sehr bewusst. Wir sind ja in etwa der gleiche Jahrgang, deshalb darf ich sagen, dass ich eine Art Dinosaurier bin und mit den neuen Medien, Downloads, Streaming und so weiter nur sehr wenig anfangen kann. Ich brauche noch immer CD, Vinyl, ein Cover, Fotos, was zum lesen, und bei deinem neuen Album ist all das so unglaublich charmant umgesetzt…“

Jasmin Tabatabai: „Ja, das haben Freunde von mir gemacht, Annika Line Trost und Sebastian Rhode, das sind ganz enge Freunde von mir. Er ist einfach ein ganz toller Grafiker. Einerseits kennen mich beide sehr gut, und dann habe ich ihnen ja auch meine Musik zum hören gegeben, und Sebastian ist einfach auch ein sehr geschmackvoller Mensch und er hat das aus alledem herausgezaubert. Ich bin weiterhin dabei, David Klein zu bearbeiten, das wir eben doch noch Vinyl machen, da das halt so irrsinnig teuer ist, aber ich finde dieses Cover von Sebastian das muss einfach auf Vinyl, und da lasse ich auch nicht locker – ich muss den Schweizer bearbeiten!“

Michael Arens: „Bleiben wir mal bei dem „Schweizer“, bei David Klein, der ja maßgeblich der Mann hinter deinem neuen Album und hinter den Reglern war. Inwiefern war er ein Teil der Seele des neuen Albums?“

Jasmin Tabatabai: „Er war ein RIESIGER Teil der Seele! David (Klein) war das Herz und die Seele dieser Musik. Er machte die Arrangements, er arbeitete mit den Musikern, er hatte die musikalische Vision. Ich konnte mich einfach nur zurücklehnen und Sängerin sein. Ich konnte mich darauf verlassen, dass alles rund um meine Stimme gebaut wurde und ich im Mittelpunkt stehe und ich gut klinge. Das ist ein Luxus. Ich kann gar nicht sagen, wie angenehm das ist, wenn man so auf Händen getragen wird und diese tollen Musiker hat, die dafür gesorgt haben, dass letztlich jede Note meine Stimme umschmeichelte. Ich musste eigentlich überhaupt nichts machen, habe mich einfach so da hineinbegeben. Ich glaube, und habe darüber auch bereits privat gesprochen, dass ich ohne David wahrscheinlich keine Musik mehr machen würde, denn ich hätte einfach gar keine Zeit dazu. Ich drehe eine Serie in der mittlerweile sechsten Staffel („Letzte Spur Berlin“, Anm. d. Verf.), das ist Zeitaufwändig. Ich habe drei Kinder, die noch relativ klein sind. Ich habe früher meine Platten ja auch selbst produziert, ich weiß also, wie wahnsinnig Nerven- und Zeitaufreibend das ist, alles selber zu machen. Dazu bin ich als Autodidakt ja viel limitierter und könnte diese Jazz-Arrangements usw. nie so machen. Das ist praktisch – der Aufwand für mich ist also total überschaubar. Du musst mit Jazz-Musikern auch nicht so lange proben, die können das ja, spielen das einfach. Du machst eine Probe am Tag des Konzertes, Soundcheckmäßig, spielst die neuen Sachen durch und lässt es laufen. Über das abendliche, gemeinsame Spielen entwickelt sich das und setzt sich dann. Ich komme ja aus einer Bandtradition, in der man im Proberaum ist, drei mal die Woche, und die Gitarristen üben ihre Instrumente, die Musik. Und jetzt spiele ich mit Leuten, die alles sowieso schon drauf haben und wo es eher darum geht, sich aufeinander einzuspielen.“

Michael Arens: „Das sind halt Profis. Genau wie bei deinen Filmen und Serien, wo Du ja auch von Profis umringt bist, dem Regisseur, dem Kameramann, etc. Glaubst Du, dass es da eine Verwandtschaft zwischen Film und Musik gibt?“

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Photo @ Felix Broede

Jasmin Tabatabai: „Vielleicht. Ich kenne mich beispielsweise in der Jazz-Szene so gar nicht aus. Die Jungs finden, dass ich eine Schauspielerin bin, und Schauspieler gehen ja auch noch einen mit trinken, sind Ensembletiere, Teamplayer, auch wenn man immer denkt, dass Schauspieler Diven sind. Aber Schauspieler suchen stets die Gruppe, je stärker die Gruppe ist, je stärker ist der Schauspieler. Scheinbar bin ich vom Typus her eine sehr untypische Jazzsängerin, zumindest sagen mir das die Musiker, dass ich als Jazz-Sängerin so anders bin.“

Michael Arens: „Wie engmaschig deine Verbindung zwischen den Film- bzw. TV-Welten und der Musik ist, sieht man auch wunderschön an deiner sensiblen Version von „Wenn ein Mensch lebt“ der Puhdys aus dem ikonischen DDR-Film „Die Legende von Paul und Paula“…“

Jasmin Tabatabai: „David, der „findige“ Schweizer, hat es irgendwie geschafft, die Filmrechte dafür zu bekommen, und ein wahnsinnig guter Cutter hat ein Video aus diesem Film geschnitten und mich ein klein wenig reinmontiert, und das ist ein richtig tolles Video geworden – so etwas wie die Kurzversion des Films. Die ersten 24 Stunden war das Video als Premiere bei Stern.de und danach auf meinem YouTube-Kanal.“

Michael Arens: „Du bist sowieso sehr aktiv in den sozialen Netzwerken…“ (entsprechende links dazu am Ende dieses Interviews, Anm. d. Verf.)

Jasmin Tabatabai: „Seit neuestem! Ich habe wirklich erst vor wenigen Wochen angefangen, die sozialen Netzwerke zu nutzen, komme eigentlich auch ganz gut damit klar. Ich hatte vorher immer eine Fan-Seite, die sozusagen fast manisch betrieben wurde, sodass ich eigentlich gar nichts in dieser Richtung tun musste. Der Betreiber war immer superschnell mit allem, Auftritten, News, und so weiter, zieht sich jetzt aber zurück sodass ich jetzt selber schauen muss… Ich schätze das aber, da das ein direkter Draht ist und das wirklich ich bin. Eine Fanseite ist gut, aber immer auch eine Interpretation der Sachen…“

Michael Arens: „Das stimmt. Aber diese sozialen Netzwerke entzaubern auch ein wenig. Früher, vor all diesen neuen Medien, waren beispielsweise Schauspieler, die man im Kino sieht, die vielleicht sogar aus Hollywood kommen, etwas ganz unnahbares, fast magisches. Heute posten diese als krasser Gegensatz, wie sie sich ein Spiegelei braten…“

Jasmin Tabatabai: „Ja, allerdings habe die Zeiten sich nun mal geändert. Und es ist auch einfach so, dass man einen Weg finden muss, das auch würdevoll zu betreiben. Wie ein gutes Interview muss es persönlich sein, aber nicht privat! Wirklich Privates über die Ehe oder die Kinder oder so wirst du also bei mir auch nicht finden, aber Persönliches, wo die Leute das Gefühl haben, da lese ich was über den Menschen. Wenn ich ein Interview lese, möchte ich etwas über den Menschen erfahren.“

Michael Arens: „Ich komme nochmal zu deinem wunderbaren Album zurück, das vielleicht auch wegen dem Querverweis auf dein Leben als Schauspielerin und gerade für ein Jazz-Album und mit deiner mehr als sanften Stimme unglaubliche Ruhe ausstrahlt, melodisch, harmonisch…“

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Aktuelles Album: Jasmin Tabatabai – Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist? (Jadavi Records/Galileo MC)

Jasmin Tabatabai: „Ich gehe an die Sachen inhaltlich ran. Ich versuche, den Text zu erzählen, und das mache ich, weil ich Schauspielerin bin. Du versuchst zu verstehen, worum es in dem Song geht. Diese Geschichte möchtest du deinem gegenüber ja nicht entgegen schreien, sondern versuchst, es ihm ins Ohr zu flüstern, und dadurch hat es auch was intimes und beruhigendes. Das ist ein Stil, der mir auch passt, und der mir liegt. Ich gehen also inhaltlich ran um mir alles einzuverleiben, und alles andere passiert wie von selbst. Als Schauspielerin hast du ja immer einen fremden Text, und wenn du aus dem Theater kommst, sogar Texte die intelligenter sind, als du selbst, und damit musst du arbeiten. Wie zum Beispiel bei Shakespeare, in den Texten kann man ja baden. Und bei Musik, bei einem guten Chanson-Text, geht das auch, sind das eben Texte von Kurt Weill, und, ehrlich gesagt, auch von Reinhard Mey. Die Stunde der Wahrheit kommt immer, wenn du ein Lied singst, denn dann weißt du wie gut, wie tief der Text ist. Da gibt es einige, die sind hochverehrt, obwohl ich es da nicht immer nachvollziehen kann, und dann gibt es andere, die sind völlig unterschätzt wie eben Reinhard Mey…“

Michael Arens: „.. ja, das wunderbare, süffisante „Aller guten Dinge sind drei“. Da spielt natürlich die Komplexität der deutschen Sprache und die damit einhergehende deutsche Sprachkultur eine Rolle, wie auch beim Jazz, Vocal Jazz.“

Jasmin Tabatabai: „Wenn man das Repertoire noch auf Chanson erweitert hast du die Möglichkeit, das Ganze auf die Zwanziger- und Dreißiger Jahre zu erweitern, und da hast du wahre Schätze, einen rieseigen Fundus an Sachen, Kurt Weill und so, aber wir haben sie halt alle umgebracht, denn viele waren jüdische Autoren…“

Michael Arens: „Ja, so ist das leider. Bleiben wir mal im Chanson. Deine Version von Michel Sardous „Je Vole“ spricht da Bände und zeigt, wie vielschichtig die stilistische aber auch Songtechnische Auswahl auf „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ ist. Auch da hat David Klein ja die Songs mit ausgewählt. Was war deine Rolle in diesem Auswahlprozess?“

Jasmin Tabatabai: „Natürlich – es wurde nichts entschieden, ohne dass ich es so wollte. David machte halt viele Vorschläge, und er ist ja auch Impresario, das ist ja auch sein Job. Er sucht Sache raus für mich, und ich sage, ob ich das machen will oder eben nicht, aber ich will seine Arbeit wirklich nicht schmälern, das ist einfach nicht hoch genug zu bewerten…“

Michael Arens: „… deine Arbeit aber auch nicht. Immerhin sind ja auch drei Songs aus deinem legendären „Bandits“-Film dabei…“

Jasmin Tabatabai: „Ja, zum Beispiel…“

Michael Arens: „Und wie ist das mit der Reihenfolge der Songs?“

Jasmin Tabatabai: „Da vertraut mir David wiederum sehr. Und da habe ich ihm gesagt, dass wir gleich mit der langen Nummer, dem Titelsong „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ anfangen, so wissen die Leute gleich, was auf sie zukommt, das zieht einen mit in die Platte. Wer da nicht zuhören will, der weiß, was auf ihn zukommt, und dann braucht man auch die Platte nicht mehr zu hören. Wäre man bei einer Plattenfirma würden die sofort sagen, dass man das so nicht machen kann. Also eine Sieben Minuten-Nummer, und als Albumtitel geht das auch gar nicht, und außerdem sollten man den Leuten was bekömmlicheres geben, aber ich denke halt genau anders herum. Also genau daran, der Reihenfolge, haben wir lange herum überlegt, aber ich finde sie gut!“

Michael Arens: „Ich stimme dir zu. Dazu ist das Album auch noch viersprachig angelegt, deine Muttersprache Persisch sowie Deutsch, Englisch und Französisch. War das auch von vorneherein klar für dich?“

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Photo @ Felix Broede

Jasmin Tabatabai: „Na ja, Französisch hatten wir auf der letzten Platte schon dabei, und alles andere ergibt sich einfach. Warum sollte ich kein Persisches Lied singen, denn das ist ja meine Muttersprache, und wenn wir schon Englisch und Deutsch haben… warum nicht?! Es ist aber gar kein Konzept oder so. Es ergibt sich aus meiner Herkunft und meiner Internationalität wie von selbst, sodass es so auch ein bisschen internationaler wirkt.“

Michael Arens: „Das alles im Hinterkopf: Wie muss ich mir resümierend die ganze Entstehung des neuen Albums vorstellen?“

Jasmin Tabatabai: „Konkret ist es hier so gewesen, dass David und ich fünf Jahre lang live gespielt haben, und das ist auch der große Unterschied zur ersten gemeinsamen Jazz-Platte, denn die erste war ein reines Studioalbum. Da haben wir ganz viel aufgenommen, wieder aufgenommen… Ich hatte noch NIE Jazz live gesungen, und es war sozusagen das erste mal, und im Studio und mit großem Orchester. Dann haben wir das Programm live gespielt, mit denselben Leuten. Wir haben uns dann zwischendurch immer wieder überlegt, was wir noch live aufnehmen könnten. Die Leute sind ja zum Beispiel auf die „Bandits“-Sachen tierisch abgefahren. Und wenn das klar ist kommt schnell die Entscheidung, das noch Eigener zu machen. David kommt dann beispielsweise und sagt (Jasmin ahmt entzückende Schweizer Mundart nach): „Ja aber „Catch Me“ machen wir im Dreivierteltakt, das wird dann richtig super!“ Ich hatte das immer nur mit Klavierbegleitung als Ballade gemacht, als Zugabe. Man muss es immer wieder neu machen, und das ist halt das tolle am Jazz, sich nie zufrieden zu geben… Und jetzt finde ich, dass es so geil geworden ist, weil es halt sehr subtil ist…“

Michael Arens: „Weil „Catch Me“ plötzlich ganz anders klingt…“

Jasmin Tabatabai: „Die Leute, die den Song aus dem Film kennen, erkennen den Song erstmal gar nicht, denn es ist halt was komplett anderes. Unsere Arbeitsweise war dieses mal also die, dass David Demos herstellt. Diese schickt er übers Internet zu mir runter. Ich habe bei mir ja noch ein kleines Studio mit Mikro und so weiter, wo ich dann dazu verschiedene Tonarten aufnehme. Zu jedem Lied. Und das dauert wirklich lange. Und das schicke ich dann zurück. Da hört David dann nochmal rein, und so lassen wir uns richtig lange Zeit, die Tonart zu finden, da auch meine Stimme extrem unterschiedlich rüberkommt, wenn es in verschiedenen Tonarten passiert. Dann hat er alles einen Tag lang mit unseren Musikern, die ja alle eingespielt sind, aufgenommen und Demos gemacht. Dann haben wir meine Stimme dazu in Berlin im Studio aufgenommen, etwa 17 Songs in drei Tagen. Die haben wir alle aufgenommen, dann aber drei oder vier verworfen, ist einfach so, und haben dann am Ende die 14 vom Album behalten. Das ist also eine ganz sorgfältige Rangehensweise, was ich im übrigen aus der Pop-Musik auch nicht kenne, weil dort in aller Regel der Gitarrist sagt, dass er das in „H“ nicht spielen kann, oder so. Und dann arbeiten wir also wirklich damit, ziehen das etwas heller, und die wirklichen Musiker haben meine Stimme gehört und diese dann begleitet. Während der Tage, an denen wir den Gesang aufgenommen haben sind übrigens auch all die Fotos entstanden, die Du auf dem Album siehst. Die Idee war ungeschminkt, Schwarzweiß, nah dran, intim…. so dass das alles zusammen ist. Und dann hat David eeewig geschnitten, Bläser aufgenommen und so weiter…“

Michael Arens: „…und damit ihr auch die wirklich volle Kontrolle habt, habt ihr das alles gleich über euer eigenes Label Jadavi Records laufen lasen und euch mit Galileo MC einfach einen Vertrieb gesucht.“

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Photo @ Felix Broede

Jasmin Tabatabai: „Ganz ehrlich, und ich weiß es klingt böse, aber einer Plattenfirma den Großteil an allem abzugeben, die dann dafür nichts macht… hm. Es ist ja nicht mehr so heute. Wir haben die letzte Platte trotz Label ja schon genauso promotet, nämlich indem ich selbst mit den Leuten persönliche Gespräche geführt habe. Wir haben keine Plakate geklebt, keine Anzeigen geschaltet… dann kann ich auch gleich selbst aktiv werden. Die einzigen Sachen die wir mit einem Label hatten waren Nervenaufreibende Diskussionen darüber ob den Davids Name auf die Platte darf oder nicht, denn die wollten Davids Namen nicht drauf haben, weil es ja um mich ging. Dann hat Sebastian, der ja auch das Cover für die neue Platte gemacht hat, bereits das Cover gemacht, aber das musste alles unter der Hand passieren und er durfte auch nicht genannt werden, weil sonst der Grafiker der Plattenfirma beleidigt gewesen wäre… Und so verbringt man soviel Zeit und so viel Energie, die von der kreativen Arbeit weggeht. All diese Diskussionen hatten wir bei „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ also erst gar nicht, und das ist sehr angenehm.“

Michael Arens: „Welches sind deine weiteren Pläne als Sängerin?“

Jasmin Tabatabai: „Wir spielen dieses Jahr voraussichtlich noch neun Konzerte, nicht zusammenhängend, halt immer an den Wochenenden und so. Wir werden also weiterhin Deutschlandweit spielen und das neue Programm darbieten und machen genauso weiter, wie wir es die letzten fünf Jahre gemacht haben. Ich freue mich einfach, dass ich Musik machen darf und die Leute es manchmal auch ganz gerne hören…“

© Michael Arens

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