Ola Kvernberg – Steamdome Ola Kvernberg – Steamdome
3.5
Ola Kvernberg – Steamdome (Grappa Musikkforlag/Galileo MC) Mehr als einmal erinnern mich die Klangwelten von Multiinstrumentalist, Komponist und Produzent Ola Kvernberg an die instrumentale... Ola Kvernberg – Steamdome

Ola Kvernberg – Steamdome (Grappa Musikkforlag/Galileo MC)

Mehr als einmal erinnern mich die Klangwelten von Multiinstrumentalist, Komponist und Produzent Ola Kvernberg an die instrumentale Intensität von Vangelis oder gar die blumigen und verschlungen-melodiösen Phantasiewelten eines Andreas Vollenweider, aber auch an die Seele von Krautrock, an die frühen Werke von Pink Floyd und an die Anfänge elektronischer Musik von Giganten wie Tangerine Dream oder die vielschichtigen Sound-Verästelungen eines Brian Eno (der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über alle genannten).

Stürmisch, intelligent und nachdenklich rollte sich das zehn Titel lange „Steamdome“-Album, so der Titel des neuen Longplayers Kvernbergs, dahin und lässt stets den Moment des Unerwarteten die Regie übernehmen: „Steamdome“ bleibt durchweg uneingruppierbar und unvorhersehbar, und das ist gut so.

Die Sounds bewegen sich zwischen düster und grell, zwischen tanzbar und staksig, zwischen verspielt und schnörkellos, zwischen meditativ und alarmiert, und geben stets den Boden frei für das eigene Kopfkino, seine Magie zu entfalten.

Dass zwischendurch mehr oder weniger populäre Klänge aus dem weiten Geflecht aus Rock, Pop, Jazz, Blues, Country und sogar Reggae ihren Weg in den Sound von „Steamdome“ des Ola Kvernberg finden, gibt dem Album einen, trotz aller scheinbarer Unwägbarkeiten, leichten Zugang und einen fast breitentauglichen Soundapparat, der auch folkloristische Elemente und Ideale aus mittelalterlicher Musik aber auch tosende Tribals mit auf die Reise nimmt – ein Füllhorn.

Selbstverständlich fordert diese Vielschichtigkeit zwingend dazu auf, sich mit dem Album und seiner Konzeption zu beschäftigen, was es fast unvermeidlich macht, sich „Steamdome“, übrigens auch auf Vinyl erhältlich, mehrmals anzuhören. Und doch steckt gerade in diesem mitunter sogar fast undurchdringlich wirkenden Musikkonstrukt namens „Steamdome“ des musikalischen Querdenkers Ola Kvernberg die wahre Schönheit und der wunderbare Reibungseffekt des Albums: „“Steamdome“ ist zu einem höheren Grad ein physisches Erlebnis.“ fasst Kvernberg selbst den Sound aber auch den Charakter des Albums zusammen – passt.

© Jürgen Paulendorf