Martin Denny – Primitiva+Forbidden Island / Hypnotique+The Enchanted Sea / Afro-Desia+Quiet Village Martin Denny – Primitiva+Forbidden Island / Hypnotique+The Enchanted Sea / Afro-Desia+Quiet Village
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Martin Denny – Primitiva + Forbidden Island (Reissue) Martin Denny – Hypnotique + The Enchanted Sea (Reissue) Martin Denny – Afro-Desia + Quiet Village... Martin Denny – Primitiva+Forbidden Island / Hypnotique+The Enchanted Sea / Afro-Desia+Quiet Village

Martin Denny – Primitiva + Forbidden Island (Reissue)
Martin Denny – Hypnotique + The Enchanted Sea (Reissue)
Martin Denny – Afro-Desia + Quiet Village (Reissue)
(Jackpot Records/In-Akustik)

Dass, wie es die Legende besagt, Zeit tatsächlich alle Wunden heilt, ist zwar überliefert, aber nicht wirklich belegt. Dass der Faktor Zeit jedoch die Perspektive auf Dinge verändert, hat wohl jeder schon am eigenen Leib erfahren dürfen oder müssen, je nach Fall und Sichtweise.

Martin Denny – Primitiva + Forbidden Island (Reissue) (Jackpot Records/In-Akustik)

Die Musik und die Musikästhetik des Martin Denny, über die wir im SOUL TRAIN immer wieder berichteten, wäre in der heutigen Welt der vermeintlichen political correctness und der unvoreingenommenen und vor allen Dingen unbedingten Toleranz anderen Kulturen gegenüber und bei fast zwanghafter Vermeidung von Klischees und „verstaubten“ Ansichten in der Wahrnehmung anderer Kulturkreise heute vermutlich undenkbar und würde unmittelbar und in typisch teutonischer Manier unter Zuhilfenahme von wütendem, blindem Aktionismus abgestraft werden.

Martin Denny machte im weitesten Sinne instrumentale Unterhaltungsmusik und involvierte die, nach seiner Interpretation, Musik der Welt, von Südamerika über Mittelamerika über die Karibik und Afrika bis zu Ozeanien mit der sehnsuchtvollen Südsee und zum vor einem halben Jahrhundert, der Ära, in der Denny seine größten Erfolge feierte, nachwievor geheimnisvollen Orient, Okzident und dem gesamten asiatischen Bereich.

Martin Denny – Hypnotique + The Enchanted Sea (Reissue) (Jackpot Records/In-Akustik)

Gleich sechs klassische Alben von Martin Denny fangen dieses Kopfkinohafte Musikgefühl nun als Neuauflagen, jeweils zwei Alben pro CD, erschienen auf Jackpot Records und in Deutschland erhältlich über In-Akustik, sehr rührend und hinreißend charmant ein, übrigens inklusive dem damals so angemessenen, nach heutigem Maßstab durchaus auch mal latent sexistischen Cover-Artwork aller Alben (Martin Dennys Album-Covers zeichneten sich grundsätzlich durch die Abbildung exotischer, gerne leicht bekleideter, weiblicher Schönheiten aus).

Der so genannte Exotic Sound des Martin Denny, hier feilgeboten im Rahmen der so genannten „The Exotic Sounds Of Martin Denny“-Reihe von Jackpot Records, wurde auf den vorliegenden drei CDs wie folgt gebündelt: „Afro-Desia“ und „Quiet Village“, beide aus dem Jahre 1959, finden sich gemeinsam mit Ausschnitten seiner legendären „Exotica“-Album-Reihe, die zwischen 1957 und 1959 erschien, auf dem ersten Silberling, der immerhin 29 Songs Martin Dennys seelenreich bebildert. CD2 liefert mit „Hypnotique“ und „The Enchanted Sea“, ebenfalls beide von 1959, sogar 30 Tracks, die auch die dritte CD im Bunde im Angebot hat, allesamt den zwei frühen Werken Dennys aus dem Jahre 1958, „Primitiva“ und „Forbidden Island“, entnommen.

Martin Denny – Afro-Desia + Quiet Village (Reissue) (Jackpot Records/In-Akustik)

Jedem der drei Reissue-Alben wurde neben den Original Tracks und dem Original Cover-Artwork umfangreiche Klappentexte gegönnt, welche die Arbeit und die Idee hinter dem heute legendären Exotica-Sound des Martin Denny, Vorreiter einer ganz eigenen Gattung Musik voller Mysterien und Sehnsüchten und Fernweh und ausgebreitet mit einem Habitus von exotischer Filmmusik, vorstellt, und in einen Kontext setzt.

Untermauert wird dies jeweils durch die Original Liner Notes der Alben sowie alle notwendigen Credits zum vorliegenden, musikalisch überaus präzise und trotzdem mit unglaublicher Leichtfüßigkeit eingespielten Klangteppich des unvergessenen Exotica-Sounds von Genrelegende Martin Denny, dessen Werk man durchaus und ohne allzu viel Pathos mit einem Augenzwinkern nehmen darf und soll – empfehlenswert!

© Stephan Carl Blades