Labelle – Univers-Île Labelle – Univers-Île
3.5
Labelle – Univers-Île (InFiné/Good To Go/Rough Trade) Äußerst behutsam gibt Labelle auf „Univers-Île“ seine kreolischen Wurzeln preis. Nach und nach schält der Mann aus... Labelle – Univers-Île

Labelle – Univers-Île (InFiné/Good To Go/Rough Trade)

Äußerst behutsam gibt Labelle auf „Univers-Île“ seine kreolischen Wurzeln preis.

ST17_250_R_LABELLE_1109Nach und nach schält der Mann aus Réunion im indischen Ozean Lage für Lage an Weltmusikbewusstsein, losen Spuren aus Chanson, folkloristische Glaubhaftigkeit und vermeintlich sorglose U-Musik sowie elektronisch getriebene Avantgarde-Momente aus dem Albumkonstrukt mit dem mehrdeutigen Titel „Univers-Île“ und fordert so unmissverständlich auf, sich das Album gleich mehrfach zu gönnen.

Selbstverständlich arbeitet Labelle auch mit dem klassischen Maloya aus Réunion, verarbeitet gleißende Sphären und schiebt dann und wann sogar zumindest in angedachter Form treibende House-Loops vor sich her, freilich nur, um das klangliche Mysterium um das Album, welches auch optisch durchaus seine Reize zu versprühen versteht, noch komplexer, ja vielleicht sogar herausfordernder zu machen.

„Je tiefgründiger ich mich mit meiner Kultur und Réunion-Historie befasse, desto offener werde ich für den Rest der Welt“ wird Labelle in der mitgelieferten Presseinfo zu „Univers-Île“ zitiert und unterstreicht, warum gerade er, Sohn eines auf Réuinon geborenen Vaters, vor einigen Jahren seinen Lebensweg zurück auf die Insel im Indischen Ozean fand – „Univers- Île“ ist ein Ausdruck all dieser Lebenserfahrungen, ein musikalisches Konglomerat, dass Labelles Seelenwelt emotional bindet und ihm einen akustischen Rahmen verleiht.

„Univers-Île“ von Labelle ist keine eindimensionale, plakative Album-Veröffentlichung. Viel mehr bilden die komplexen, oft introvertierten Songs inklusive diversen musikalischen Gästen die Chance, über die facettenreiche, teils gar hypnotische Musik in die Seelenwelt Labelles, eines Musikers mit Herz, Seele und Tiefgang, einzutauchen und zugleich die kulturelle Faszination Réunions zu erleben.

© Dominique Dombert-Pelletier