Kris Kristofferson – Live in der Blues Garage Hannover Kris Kristofferson – Live in der Blues Garage Hannover
Am 18. Juni trat Country-, Folk- und Americana-Legende, Schauspieler und nicht zuletzt Singer/Songwriter Kris Kristofferson in der Blues Garage in Hannover auf. Der Abend... Kris Kristofferson – Live in der Blues Garage Hannover

Am 18. Juni trat Country-, Folk- und Americana-Legende, Schauspieler und nicht zuletzt Singer/Songwriter Kris Kristofferson in der Blues Garage in Hannover auf. Der Abend wurde als „An intimate evening with Kris Kristofferson“ beworben – dazu später mehr.

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Photo @ Nadine Steffens

Kris Kristofferson (der SOUL TRAIN berichtete), Jahrgang 1936, kann auf eine lange und vielschichtige Karriere zurückblicken. Nach einer Zwischenstation in der US Army, wo er als Hubschrauberpilot tätig war, zog er Ende der Sechziger Jahre nach Nashville, Tennessee, um seine Musikkarriere in Gang zu bringen.

Sein erster Achtungserfolg war die Single „Vietnam Blues“. Im Jahre 1969 gelang ihm in der Version von Janis Joplin der internationale Durchbruch mit der Single „Me And Bobby McGee“ die er zusammen mit Fred Foster geschrieben hatte. Mittlerweile gibt es von diesem Song runde 50 Coverversionen, die von Jerry Lee Lewis bis Gianna Nannini reichen. Eine seiner kurz danach veröffentlichten Songs war „Help Me Make It Through the Night“, bis heute eine seiner ikonischen Hymnen.

Diese wurde in der Version von Sammi Smith zu einem der erfolgreichsten Country Songs in der amerikanischen Musikgeschichte und wurde von Größen wie Glen Campbell, Gladys Knight & The Pips und sogar Elvis Presley, dessen überraschender Tod sich dieses Jahr zum 40. mal jährt, ebenfalls aufgenommen.

Ab Mitte der Siebziger Jahre konzentrierte sich Kris Kristofferson mehr und mehr auf die Schauspielerei – „A Star Is Born“ mit der glorreichen Barbra Streisand ist bis heute einer seiner größten Erfolge. In dieser Zeit hatte er nur noch wenige Hits, die er selbst einsang. Es gelang aber anderen Künstlern wie, unter anderem, Willie Nelson mit Kristoffersons Kompositionen hohe Chartplatzierungen zu erzielen. In den Achtzigern erlebte seine Karriere ein kleines Revival, unter anderem durch Kooperationen mit Dolly Parton, Johnny Cash und Brenda Lee.

Durch den Vampir-Kultfilm „Blade“ wurde Kris Kristofferson an der Seite von Wesley Snipes ab den Neunziger Jahren auch einem jüngeren Publikum bekannt, was sich aber nur in geringem Umfang auf seine musikalische Karriere übertragen ließ. Heute tourt Kristofferson nachwievor durch die Welt und kann sich einer sehr treuen Fan-Gemeinde sicher sein (der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über alle vorab genannten).

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Photo @ Nadine Steffens

Bereits zwei Stunden vor dem Gig in der Blues Garage Hannover standen die Fans Schlange. Beim Eintreten in den Club, im Großraum Hannover recht populär, trifft die typische Trucker-Atmosphäre auf gemütlich-deutsches Siebziger- und Achtziger Jahre-Flair. Das Vorderteil eines Cadillacs dient in der oberen Etage als Mischpult, man fühlt sich in der Tat wie in einem Truck Stop im Herzen von Texas. Das Bühnenbild sollte an ein Wohnzimmer erinnern und war mit Möbeln unterschiedlichster Epochen ausgestattet. Der Raum füllte sich schnell und die Hitze, die draußen herrschte, war bald auch innen zu spüren. Das Publikum war sehr gemischt, von Anfang 30 bis Ende 70 war alles dabei.

Die Musik von Kris Kristofferson ist, und das wurde hier ganz deutlich, Generationenübergreifend und damit zeitlos. Kris stand fast pünktlich auf der Bühne und lieferte ab. Er legte seine Gitarre um, sang und spielte Mundharmonika. Der ein oder andere Zuschauer schüttelte den Kopf darüber, dass der mittlerweile 81-jährige mit Hilfe eines Teleprompters die Songs sang. Doch an dieser Stelle muss man klar sagen, dass es sehr viel jüngere Künstler ohne Teleprompter erst gar nicht mehr, und verständlicher Weise, durch ein Konzert schaffen.

Knapp zwei Stunden lang präsentierte Kristofferson seine Songs wie „For The Good Times“, „Why Me“ und „Just The Other Side Of Nowhere“. Gekleidet in ein schwarzes Hemd mit schwarzer Jeans in der aparten Wohnzimmerdeko versprühte der Gig, der Abend, in der Tat etwas von Intimität – das Motto des Konzertabends ließ grüßen.

Mehrere Ventilatoren sorgten dafür, dass Kristofferson auf der Bühne immer „frische“ Luft hatte. Hin und wieder folgten zu den Songs kleine Anekdoten, die er zum jeweiligen Entstehungsprozess eines Songs zum Besten gab. Sicher ist Kris Kristofferson in erster Linie einer der besten Songschreiber seiner Generation, aber eben kein wirklich begnadeter Sänger, was dem Entertainment-Faktor des Abends freilich nichts nehmen konnte.

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Photo @ Nadine Steffens

Die von ihm geschriebenen Welthits in seiner Interpretation live zu hören, war spannend. Es war zuweilen aber zugleich auch etwas langatmig, den Kompositionen, die man teilweise mit Orchesterunterstützung kennt, zu folgen: Kris Kristofferson präsentierte die Songs so, wie er sie geschrieben hatte, in einem „Wohnzimmer“, und mit seiner Gitarre.

Nach dem Ende des Konzertes stürmte ein Großteil der Zuschauer in Richtung Tourbus, in der Hoffnung, noch einen Blick auf Kris Kristofferson werfen zu können oder vielleicht sogar ein Autogramm zu ergattern. Gerade hier wurde deutlich, wie viel dieser Ausnahmekünstler seinen Fans im Laufe seiner Karriere gegeben und zu verdanken hat. Viele begleitet Kris Kristofferson immerhin schon ihr ganzes Leben, viele seiner Stücke haben besondere Ereignisse im Leben dieser Menschen untermalt oder sind durch seine Songs zu eben diesen besonderen Momenten geworden.

Entgegen aller Erwartungen öffnete sich schließlich der Tourbus, der Mittlerweile von Fans umringt wurde. Leider war es nicht Kris Kristofferson selbst, sondern ein Mitarbeiter, der einen Großteil der zu signierenden Kleinode der Fans wie Plattencover, CDs und T-Shirts einsammelte und diese dann zum signieren in den Tourbus brachte. Alle Wünsche konnten aufgrund des großen Andrangs dabei leider nicht erfüllt werden, sodass einige Fans enttäuscht von dannen ziehen mussten.

Fazit: Die Legende, der Mensch Kris Kristofferson ist oft einfach größer als der Künstler – manchmal sollte man die Legende einfach Legende sein lassen.

© Nadine Steffens