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Dwight Trible – Mothership Dwight Trible – Mothership
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Dwight Trible – Mothership (Gearbox Records/Edel) Es ist die vielschichtige und vieldeutige, packende, faszinierende, regelrecht provozierende Stimme und diese immens wuchtige Intonation, welche die... Dwight Trible – Mothership

Dwight Trible – Mothership (Gearbox Records/Edel)

Es ist die vielschichtige und vieldeutige, packende, faszinierende, regelrecht provozierende Stimme und diese immens wuchtige Intonation, welche die Faszination von Jazz- und Soulstimme Dwight Trible, aufmerksamen SOUL TRAIN-Lesern bereits als Stimme des legendären Pharaoh Sanders Quartetts geläufig, kreiert und schürt.

Mit einer regelrechten stimmlichen Tiefe dringt Trible so auf seinem neuen Solo-Album „Mothership“ ein in die ihm wohlbekannte Welt des improvisatorischen Jazz, des Bebop und sogar des Free Jazz, bündelt die wunderbar beflügelte, zeitgenössische und/oder retrospektiv anmutende Musik zugleich mit seiner stimmlichen Bandbreite in solcher Art und Weise, dass trotz aller Verspieltheit von Band und Frontstimme Harmonie und Melodie den Weg aufzeigen, den der Longplayer am Ende abschreitet.

Dwight Trible – Mothership (Gearbox Records/Edel)

„Mothership“ ist, nicht nur dank dem für Black Music-Fans gut einzuordnenden Titel, ein sehr amerikanisches Album, dass tatsächlich die Fahne der Sixties hochhält und Dwight Trible von Anfang an eben nicht nur als „einfachen“ Sänger, sondern als kulturell relevante Lichtgestalt präsentiert, der mit diesem Album voller Intensität, Tat und Strahlkraft aber auch voller achtsamer Jazz-Eklektik ein Set abliefert, dass Saxofonist Kamasi Washington, selbst ebenso wie, unter anderem, Pianist Mark de Clive-Lowe oder Multinstrumentalist Miguel Atwood-Ferguson (hier Bratsche) Gast von „Mothership“, in Zusammenhang mit Dwight Tribles Stimme folgender Massen kommentiert: „Seine (Dwight Trible) Stimme verfügt über Kraft, Soul und Schönheit…“ (und wieder: der SOUL TRAIN berichtete zigfach über alle genannten).

„Mothership“ des Dwight Trible breitet zugleich auch fulminante, regelrecht spacige, bis ins Mark Kultur- und Subkulturgetriebene Black Music-Verschlingungen vor sich aus, die nicht selten an Sun Ra oder, als Kontrast, an Gil Scott-Heron erinnern (ein letztes mal: der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über beide) und spielt diese intelligent und stets auf sensible, mitunter fast schon ans Erotische grenzende Spiritualität und mit auf textlichem als auch musikalischem Tiefgang bedachten Fortschritt nach vorne – eine anspruchsvolle aber auch erschreckend lohnenswerte Angelegenheit, sofern man sich an „Mothership“ mit aufnahmebereitem Ohr und nicht zuletzt offenem Herzen wagt – Dwight Trible ist eine Liga für sich – Black Music Extraordinaire.

Dass Dwight Tribles „Mothership“, als CD-Variante immerhin ein Dutzend Songs und über 70 Minuten lang, auch auf Vinyl, sogar gleich als edle Doppel-Album-Variante erscheint, unterfüttert und befeuert die Authentizität und den Anspruch des Albums und des Künstlers, die Jazz-Ideale der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit zeitgenössischer Jazz- aber auch, zumindest auf gefühlter Ebene, Soul-Ästhetik fest zu verschweißen – recht so.

© Holger S. Jansen