Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #39 Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #39
Cherry Red Records/Rough Trade: Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt! Der SOUL TRAIN wird nicht Müde, darüber zu berichten: Soul, Funk und... Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #39

Cherry Red Records/Rough Trade: Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!

Der SOUL TRAIN wird nicht Müde, darüber zu berichten: Soul, Funk und Jazz brachten immer schon unzählige Stilblüten, Klassiker und obskure Trittbrettfahrer in Form von Künstlern und Alben hervor, welche bis heute die Klangfarbe des Genres bunter machen, nachhaltig verändern und schließlich ausmachen.

CherryRedRecordsRoughTrade-LogoSMALLDas britische Cherry Red Records-Label und der deutsche Rough Trade-Vertrieb bringen regelmäßig große, kleine und bemerkenswerte Klassiker des weit verzweigten Soul-, Funk- und Jazz-Genres sowie des Pop, Rock und der mehr oder weniger experimentellen Musik der letzten fünf Dekaden erneut, gänzlich neu und teils erstmalig auf CD heraus.

Diese erscheinen, oftmals technisch überarbeitet, wahlweise als Reissue, als Album-Doppelpack (z.B. zwei Original-Alben auf einer CD), als Remastered Original-Album oder als Expanded Edition mit einer Menge faszinierendem Zusatzmaterial wie Bonus Tracks jeglicher Couleur, Liner Notes von versierten Kennern des jeweiligen Genres, biografische und discografische Fakten, Fotostrecken, Coverabbildungen und allerlei weiteren interessanten Zusatzfeatures.

Der SOUL TRAIN nimmt sich im Rahmen dieser Kolumne regelmäßig diesen Klassikern in neuem, teils edlem Gewand an und wird ausführlich über alle Aspekte der Veröffentlichungen wie die Musik, den bzw. die Künstler, den Sound, die Hintergründe, die Philosophie und nicht zuletzt das Produkt als Ganzes berichten.

Die SOUL TRAIN-Redaktion wünscht viel Spaß beim Lesen und Studieren sowie, last but not least, beim Hören!

FOLGE 39: Fuse One Deee-Lite: Mother’s Finest Labelle!

Brooklyn Trucking Express – B.T. Express – nannte sich die 1972 als King Davis House Rockers gegründete Funk- und Soul-Formation (in dieser Reihenfolge) – „The B.T. Express Anthology (1974-1982)“, erschienen beim Label-Dreieck Big Break Records/Cherry Red Records/Rough Trade, schlüsselt die erfolgreichsten Songs der eher ungewöhnlichen Formation noch einmal nachhaltig auf.

Immer wieder instrumentaler Habitus zeichnete den Hookline-basierten Street Funk der Band aus, die sich nach rund zehn Jahren Anfang der Achtziger Jahre wieder auflöste und bis dahin immense Erfolge feierte, zugleich aber auch Nischenfans unterschiedlichster Soul-Subströmungen in ihren Bann ziehen konnte.

Die Doppel-CD kommt auf insgesamt 31 glorreiche B.T. Express-Songs und kann besonders und ganz typisch für diese ehrenwerte Kolumne namens „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN – sowie typisch für Alben aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade überhaupt mit dem irrwitzigen Infotainment inklusive Liner Notes von Stephen SPAZ Schnee punkten – ein erstes kleines Highlight der heutigen, immerhin 39. Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“.

Auch die nächste Veröffentlichung, dieses mal veröffentlicht von Robinsongs (Vertrieb wie immer Cherry Red Records/Rough Trade), von Fuse One, kann sich sehen lassen: Die mit gerade mal drei Studioalben recht kurzlebige, recht lose Vereinigung von Jazz-Musikern jeglicher Couleur namens Fuse One brachte die ersten beiden Alben „Fuse One“ 1980 und „Silk“ 1981 auf dem heute legendären CTI Records-Label (Creed Taylor Inc.) heraus, erhältlich nun als Neuauflage beider Alben auf einer CD im Rahmen der „2 Classic Albums On 1 CD“-Reihe.

Dass beide Alben, zwischen groovendem Jazz, feinsten Latin-Abrundungen und den soundtechnischen Idealen von fließendem Soul gelagert, auch heute noch begeistern und mitreißen, hilft ein wenig über die doch recht magere Bonus Tracks-Ausbeute von gerade mal zwei Songs, der „7“ Version“ von „Silk“ sowie der „Ode To A Kudu“ hinweg.

Der kongeniale, überraschend und erfrischend simple, aber stets in höchstem Masse musikalische Sound der Songs zeigt die Professionalität des ständig wechselnden Fuse One-Line Ups, zudem damals unter anderem Jazz- und Soul-Giganten wie George Benson, Tom Browne, Eric Gale (zu ihm gleich noch mehr…), Stanley Clarke oder Wynton Marsalis gehörten – ein Who-Is-Who der damaligen und nachwievor bestehenden Jazz-, Fusion- und Soul-Szene des Planeten.

Charles Waring war so frei, in den mitgelieferten Liner Notes zum Album die Geschichte von Fuse One und der vorliegenden beiden Alben aufzuschlüsseln und macht das Set so zu einem weiteren Höhepunkt der heutigen Folge von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der SOUL TRAIN-Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade.

Bleiben wir noch etwas bei jenem legendären CTI Records-Label von Musikindustrie-Gigant und Black Music-Über-Produzent Creed Taylor. „Cool Heat – The Best Of CTI Records“, ebenfalls erschienen bei Robinsongs und vermarktet und vertrieben wie immer über Cherry Red Records/Rough Trade, zeigt zwei CDs und insgesamt 25 Songs auf, warum der Sound von CTI ein ganz spezieller war, der sich das Beste aus zeitgenössischem Jazz, aus Jazz Fusion, aus Soul und Funk sowie aus den zeitgemäßen Instrumental-Sounds der Ära nahm und so eine Klangfarbe für die Ewigkeit hinterließ, nach der sich die CTI-Fans der Welt noch heute genussvoll die Finger lecken.

Eumir Deodatos unverkennbares „Also sprach Zarathustra“ eröffnet als eine der erfolgreichsten Singles von CTI Records den Reigen und wird flankiert von eben jenen bereits erwähnten Fuse One, von Lalo Schifrin, Hubert Laws, Kenny Burrell, Eric Gale, Freddie Hubbard, Esther Phillips (das unverwüstliche „What A Diff’rence A Day Makes“), Patti Austin oder Lonnie Liston Smith, um nur einige wenige zu nennen.

Heimlicher Hauptdarsteller von „Cool Heat – The Best OF CTI Records“ ist derweil, und das ist keine Überraschung, das mitgelieferte Infotainment, in welchem sich Charles Waring einmal mehr als herausragender Autor von schlüssigen Klappentexten darstellt – recht so. Fraglos ist so das geniale „Cool Heat – The Best Of CTI Records“ ein weiteres, wichtiges Highlight der hiesigen SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne.

Eine ganze Welle an neuen Folgen aus der Soulmusic.com Records Classics-Reihe der britischen Soul-Ikone-David Nathan mit eindeutig zuzuordnendem Cover-Artwork begeistert seit Wochen die SOUL TRAIN-Redaktion: der unvergleichlich coole Norman Connors („Valentine Love – The Buddah/Arista Anthology“), Labelle („The Anthology including Solo Recordings by Sarah Dash, Nona Hendryx & Patti LaBelle“), Johnny Nash („Stir It Up – The Anthology 1965-1979“) sowie Mother’s Finest („Love Changes – The Anthology 1972-1983“) traf diesmal der großzügige, punktgenaue Arm von Über-Kompilierer David Nathan und beschreiben bereits in den jeweiligen Albumtiteln sehr treffend die musikalische, biografische Reise der hochkarätigen Zusammenstellungen.

Wie üblich begeistern alle CDs mit gleich zwei Silberlingen und teilweise über 40 Tracks, abhängig vom schieren Karriereumfang der genannten Black Music-Giganten. Eine herausragende Liner Notes- und Infotainment-Kultur macht all die Kompilationen zu einem überaus lohnenswerten Zeitzeugen von Soul, Funk, Discosoul, Boogie und Anflügen von Jazz und sogar Reggae – lang lebe, vor allen Dingen auf gefühlter Ebene und damit im Hauptkernreaktor der musikalischen Empfindens, den Emotionen, Soul, Soul und immer wieder Soul!

Man mag über den Sound des seinerzeit irrsinnig angesagten Bobby Orlando, stets kurz Bobby „O“ genannt, denken, was man mag, das gilt für damals als auch für heute. Seinen Einfluss auf die tanzbare Black Music (nun gut, Black Music im allerweitesten Sinne) dürfte heute unstrittig sein.

Irgendwo gelagert zwischen dem intensiven Record Shack/Hi-Energy Pop Funk-Grollen, Discosoul, dem Habitus von Italo Pop und Elementen aus typischen Eighties-Synthie-Sounds ließen die Mixtur sehr speziell werden und laden heute in erster Linie zum Schmunzeln ein.

„Freedom In An Unfree World“ lautete 1983 der Titel seines ersten und sicher erfolgreichsten Albums unter eigenem Namen, welches nun über Cherry Pop Records/Cherry Red Records/Rough Trade erneut herausgebracht wird.

Immerhin 13 Titel lang, davon fünf Bonus Tracks, wird hier Bobby „O“ der Künstler, Musiker, unter eigenem Namen ausgeleuchtet – Orlando trat im Rahmen seiner immensen Karriere in der Regel immer mehr als Produzent und Mann hinter den Kulissen denn als eigenständiger Künstler auf.

Nachwievor unter dem Banner des High Fashion-Labels wiederveröffentlicht punktet die Neuauflage auch mit dem umfangreichen, inkludierten Booklet samt Klappentext von Stephen SPAZ Schnee – was will man mehr? Vielleicht ja all jene Tracks, die Bobby „O“ in legendärer Fasson produziert hat?! Bitte sehr: „“O“ Records Classics Volume One – Passion“ lautet die Kompilation bzw. der erste Teil einer hoffentlich kommenden Kompilationsreihe, die sich gleich zwei CDs und insgesamt 27 Tracks lang mit den erfolgreichsten Singles des Herrn „O“, dem Produzenten, befasst: The Flirts mit dem Kompilationsnamengebenden „Passion“, Divines hämmerndes „Shoot Your Shot“ sowie, heute ein Song, von dem man den Fakt, dass dieser im Original von eben Bobby Orlando produziert wurde, gerne wegignoriert, das legendäre „West End Girls“ der Pet Shop Boys.

Einmal mehr unter dem Banner von High Fashion Records erschienen und vermarktet über Cherry Red Records/Rough Trade kann auch diese Kompilation ebenso wie das vorweg besprochene Bobby „O“-Set durch seine Liner Notes von Stephen SPAZ Schnee und sein im Booklet mitgeliefertes Infotainment punkten – etwas schrullig, das ganze, aber mit immensem Charme bestückt.

Charme hatte auch Eruption, erst in ihrer zweiten Karrierehälfte ein reines Frank Farian-Produkt, allerdings mit größerem, eigenen Standing als Künstlerpool inklusive, ebenfalls in der zweiten Karrierehälfte, einer charismatischen Precious Wilson als Frontfrau.

„The Best Of Eruption“, so der nüchterne Name der Zusammenstellung, erschienen auf Big Break Records (BBR) und erhältlich über Cherry Red Records/Rough Trade, reiht insgesamt 19 Songs der in ihrer Hoch-Zeit, den späten Siebziger- und frühen Achtziger Jahren, unglaublich erfolgreichen Band auf.

Die fünf Bonus Tracks beinhalten unter anderem die „12“ Long Version“ ihres wohl größten Hits „I Can’t Stand The Rain“ – das Infotainment der Kompilation, für die man den Sound von Eruption schon mögen sollte, ist wie immer bei Veröffentlichungen und wie so oft bei all den vorgestellten Alben dieser Ehrenwerten Reissues-Kolumne namens „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN – über jeden Zweifel erhaben.

Deee-Lite war ein sehr erfolgreiches, eigenwilliges Band-Projekt, dass etwa ab Anfang der Achtziger Jahre, mit dem größten Erfolg Anfang der Neunziger Jahre ungestüme Soul- und Funk-Elemente mit der Frische von Pop und der Attitüde von Hip Hop kreuzte und so ihren ganz eigenen Sound erreichte.

Ihr Debütalbum, „World Clique“ betitelt, erschien 1990, und wird nun über Cherry Red Records/Rough Trade neu herausgebracht, einer Unmenge an Bonus-Material, das gleich eine zweite CD füllt, inklusive.

Insgesamt kommt die Expanded Edition so auf 26 Tracks, von denen der Megahit „Groove Is In The Heart“ mit Funk-Legende Bootsy Collins neben der Original Version gleich in drei verschiedenen Varianten mit am Start ist.

Was beim Sound gerade in der Retrospektive auffällt, ist die klare Ausrichtung des Sounds auf Grooves sowie dieser spezielle Vibe, den sich das Deee-Lite-Trio seinerzeit mit Bands bzw. Projekten wie Coldcut und Bomb The Bass teilte – einzigartig und gerade bei Groove-Monstern wie dem unvergleichlichen „Groove Is In The Heart“ schlichtweg genial.

Ebenfalls Wandler zwischen den Black Music-Welten war seinerzeit Jermaine Stewart, der insbesondere in Europa unglaubliche Erfolge feiern konnte und heute zu jenen Künstlern gezählt wird, die fälschlicher Weise als One Hit Wonder abgetan werden.

Sicher mag das auch mit der schon damals nicht immer lupenreinen musikalischen Ebene zu tun gehabt haben, konzentrierten sich Jermaine Stewart-Songs doch stets um die breite Masse und um eindeutig zu identifizierende Refrains und Hooklines.

Das dritte Stewart-Album, „Say It Again“, konnte schon damals trotz den Produktionstechnischen Händen von Mastermind André Cymone (READ MORE) und mit Backgroundvocals von niemand geringeren als Shalamar-Göttin Jody Watley, Deniece Williams und James Ingram nur mit Mühe an den Megaerfolg der Jermaine Stewart-Identifikationssingle „We Don’t Have To Take Our Clothes Off“ anknüpfen, hielt mit „Get Lucky“ und „Don’t Talk Dirty To Me“ aber zwei moderate Hits bereit, von denen Zweiter in der Neuauflage, erschienen über Cherry Pop/Cherry Red Records/Rough Trade, gleich mit vier Bonus Tracks geehrt wurde.

Die Doppel-CD feiert mit ihren 32 Songs auch den Menschen Jermaine Stewart, der 1997 im Alter von gerade mal 39 Jahren verstarb und einen ganz eigenen Status im Soul- und Pop-Himmel einnahm.

Gleiches lässt sich auch über Eric Gale sagen, obgleich dieser in wesentlich ernst zu nehmenderen Episoden des Soul, Funk und vor allen Dingen Jazz unterwegs war und als Gitarrist zu einem der gefragtesten Session-Musiker mit immensem Potential und faszinierendem Solo-Material zählte.

„The Definitive Collection“ bereitet in diesem Sinne eben alles an Wichtigem und Nachdrücklichem aus der Solo-Karriere Eric Gales auf. Erschienen über Robinsongs (Vertrieb: Cherry Red Records/Rough Trade) kommt die Zusammenstellung auf gleich zwei CDs mit insgesamt 27 Gale-Perlen, überwiegend aus den glorreichen Siebziger Jahren.

Jazz Fusion, Soul, Funk und zeitgenössischer Jazz wohin das Auge blickt bzw. das Ohr hört ist „The Definitive Collection“ von Eric Gale inklusive Material seiner Band-Unternehmung Stuff und in Eric Gale-üblicher Tiefenentspannung im Fortschritt der Grooves und Vibes seiner Musik, seines Spiels, bestückt mit knackigen Liner Notes von Lois Wilson und weiterem interessantem Infotainment und ergibt so zweifelsohne ein weiteres Highlight der heutigen, 39. Folge von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN, der 2018 sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Wir bleiben im Jazz, wenn auch eine Generation weiter in der Vergangenheit. Charlie Byrd war einer der profiliertesten Jazz-Gitarristen der Musikgeschichte und veröffentlichte ab Ende der Fünfziger Jahre unzählige Alben, die heute zur Musikgeschichte gehören wie das Weizenmehl in die Bäckerei.

„Sixties Byrd – Charlie Byrd Plays Today’s Great Hits“ greift die Hoch-Zeit Byrds auf und kompiliert 24 Cover-Songs des Meisters, die, der Entwicklung der Zeit geschuldet, immer mal wieder dem Bossa Nova gewidmet sind, aus den Jahren 1965 bis 1969 stammen und den Columbia Records-Archiven entnommen wurden.

Él Records/Cherry Red Records/Rough Trade bringen die exemplarischen, genial guten 24 Charlie Byrd-Perlen, stets auf Melodie und Harmonie und Saftmut und die Feinheit des Original-Materials bedacht, inklusive der für Él Records üblichen Flut an griffigem Infotainment im mitgelieferten Booklet, das keine Wünsche zu Charlie Byrd und den vorliegenden Songgiganten offen lässt, auf den Punkt, auch, wenn Byrds Karriere immerhin rund vier Jahrzehnte umspannte und dies vollumfänglich den Rahmen einer CD und dieser ehrenwerten SOUL TRAIN-Kolumne völlig sprengen würde.

Durchaus hatten Songs von Charlie Byrd, der es liebte, Musik der Zeit in sein eigenes Gitarrengefühl zu transponieren, auch ein Kinogefühl im Unterbau, was dem Jazz der Ära überhaupt oft so ging. Auch Gigant Miles Davis konnte sich diesem Gefühl und dieser Entwicklung nicht erwehren, was schließlich dazu führte, dass Davis‘ Musik immer wieder für Filme genutzt wurde und Miles Davis letztlich selbst einige der intensivsten Soundtracks der Filmgeschichte bebilderte.

„The Cinema Of Miles Davis“, erschienen ebenfalls über Él Records/Cherry Red Records/Rough Trade, beleuchtet eben jenen Seitenarm der immensen Karriere des unvergessenen Über-Trompeters Miles Davis und zeigt 20 Songs sehr nachdrücklich die ikonische Kraft von Musik, von Jazz in Wechselwirkung mit den Bildern der großen Leinwand. Die Bandbreite der Filmmusik umspannt hier 1958 bis 1998 und beinhaltet auch Musik aus dem heute fast vergessenen Meisterwerk „Lenny“ und dem französischem Filmkunstwerk „Fahrstuhl zum Schafott“, selbstredend alles unter Zuhilfenahme einer nicht enden wollenden Masse an Infotainment im bis zum Stehkragen gefüllten, mitgelieferten Booklet – bravo!

Bleiben wir noch etwas in der Musik der Ära, die trotz des sphärischen, hochintellektuellen Jazz des Miles Davis immer wieder auch vom damals boomenden, die Welt umspannenden Bossa Nova infiltriert wurde.

João Gilberto und Antônio Carlos Jobim gehörten fraglos zu den Giganten und Wegbereitern jener weltweiten Bossa Nova-Euphorie – „João Gilberto, Antônio Carlos Jobim And The Stylists Of Bossa Nova Sing“ lautet der fast abendfüllende Titel der Presswerkfrischen Kompilation, die Él Records (Vermarktung wie immer Cherry Red Records/Rough Trade) für uns bereithält.

Auf zwei CDs und verpackt in einen hochwertigen, griffigen Pappschuber ist es neben den insgesamt 59 (!) Songs einmal mehr das Infotainment, das hier gut 50% der Attraktivität der Doppel-CD ausmachen dürfte, eine Doppel-CD übrigens, die noch einmal und in aller notwendigen Ausführlichkeit aufzeigt, warum Bossa Nova bis in die Gegenwart als eines der innovativsten aber auch intimsten Musikgenres der Welt geführt wird.

„One Way Glass“ ist eine auf RPM Records/Cherry Red Records/Rough Trade erschienene Kompilation, die drei CDs und 58 Titel lang seinem eigenen Albumuntertitel „Dancefloor Prog, Brit Jazz & Punky Folk 1968-1975“ folgt und dies mit einem stetigen Blick auf den schieren Unterhaltungswert des Materials tut.

Verpackt als edles Box Set mit akkurater Kartonage und Buchähnlichem Begleitbooklet, welches alles Wissenswerte zur Albumthematik bereit hält, wird hier oftmals rares Material der Ära von Bandkonstrukten und Künstlern wie Fat Mattress, Hardin & York, Alen James Eastwood, Pentangle, Bond & Brown, Knocker Jungle, Curtiss Maldoon, Jody Grind, Skin Alley, aber auch von bekannteren Vertretern der Albumgenrebeschreibung, die eigentliche keine Ist, wie Joan Armatrading, The Spencer Davis Group, Bridget St.John oder Soft Machine, um nur einige wenige zu nennen, inkludiert – empfehlenswert, wenn auch thematisch sehr speziell.

Springen wir in die Gegenwart. 2013 nahem Alice Fredenham in der populären britischen TV-Show „Britain’s Got Talent“ teil, konnte zwar keine attraktive Platzierung erreichen, machte fortan aber kontinuierlich Karriere, was nun im vorliegenden Album „Under The Covers“ seinen vorläufigen Höhepunkt findet.

Die Sängerin konzentriert sich auf dem Set, erschienen bei Cherry Red Records/Rough Trade, auf große und kleine Standards der Geschichte von Jazz und populärer Musik – Pop und Rock – und benetzt so Material von Paul Weller, Paul und Linda McCartney, Rodgers & Hart (das unweigerliche „My Funny Valentine“), Jackson Browne oder Eugene McDaniels (der Roberta Flack-Klassiker „Feel Like Makin‘ Love“), um nur einige zu nennen, mit ihrer erdigen Kopfstimme, die rauchig und fragil ebenso kann wie druckvoll und sensibel.

Produziert von Mark Powell hinterlässt das Album einen Habitus, der es gefühlsmäßig irgendwo zwischen Pop, Rock, Jazz, Soul und Country mit einem teils schwerem Schuss elegischer Epik versieht, der den Sound von „Under The Copvers“ sehr speziell, aber auch sehr kurzweilig macht.

Kurzweilig ist auch der Habitus des neuen Albums von Duncan Reid And The Big Heads, „Bombs Away“, das Titelgemäß wenig Raum zum Atmen lässt und nach Aussage des Vertriebes Cherry Red Records von „Liebe, Tod, Paranoia und Viagra“ handelt (Rough Trade ist der Vermarkter des Albums, erschienen selbst eigentlich über Duncan Reid selbst).

Nach vorne laufende Gitarrenloops zeugen von der Bandinternen Nähe zu Rock-Giganten The Ramones und zur Ästhetik von Punk, die dem Album einen sehr lockeren Unterbau geben, der trotz krasser Rock-Aussage mitunter gar sommerlich klingt – fliegende Gitarren und augenzwinkernder Gesang inklusive.

Curve bot seinerzeit heftigste Rock- und Industrial-Explosionen mit einer aufgehenden Sonne in zeitgemäßem Rave-Gefühl, ganz dem Habitus der Genregiganten KLF entsprechend – „Doppelgänger“ 1992 und „Cuckoo“ 1993 sind zwei der Curve-Alben, die sich 3Loop Music/Sony Music/Cherry Red Records/Rough Trade nun als Reissue vorgenommen haben.

Beide Alben offerieren als hochwertig angelegte, mit Infotainment angefüllte Doppel-CD alle möglichen und unmöglichen Sounds und Grooves der Electronica-Pioniere und zeigen mal den elegischen Soulpop-Gesang, mal den harten Rock-Habitus, ein anderes mal den schwindenden New Wave-Anteil, ein weiteres mal den Surf Rock-Aspekt der Band, die all das unter dem damals ultra angesagten Rave-Modus abspeicherte und heute immerhin Augenbrauen hochwandern lässt – ein faszinierendes Kapitel Pop-Geschichte.

Ebenfalls ein faszinierendes Stück Musikgeschichte, wenn auch heute wesentlich vernebelter und damit abstrakter, dürfte Mark Wynter sein, womit wir in der hiesigen SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne wieder deutlich weiter in die Vergangenheit rücken.

„Venus In Blue Jeans – The Pop Years 1959-1974“ lautet de Name der Wynter-Kompilation auf RPM Records/Cherry Red Records/Rough Trade, die gleich drei CDs und beeindruckende 95 (!) Tracks lang eben jene Phase des Sängers ausleuchtet und dabei in einen hochwertigen Pappschuber und bestückt mit einem mitgelieferten Booklet, das samt Fotostrecken (Mark Wynter steuert Fotos aus seinen persönlichen Archiven hinzu), Coverabbildungen, Detailverliebten Liner Notes und discografischen Querverweisen alles denkebare für den echten Mark Wynter-Fan liefert, verbracht wurde.

Wäre es nicht an Regisseur Martin Scorsese, der Mark Wynters „Glory Of Love“ immer wieder in seinen Filmen um organisiertes Verbrechen und die authentische Darstellung der entsprechenden Ära platzierte, wäre Mark Wynter wohl zumindest hierzulande kaum mehr als einer, der in der schieren Masse an uramerikanischen Sängern untergeht; so bleibt das Monument eines beeindruckenden, puristischen Sängers zwischen Rock’n’Roll, Pop und eleganter Crooner-Akribie, der unbedingt gehört werden sollte – das traumhaft schöne „Venus In Blue Jeans – The Pop Years 1959-1974“ erledigt diesen Job mit wehenden Fahnen.

Bleiben wir in der Ära, gehen geografisch aber nach England. Richard Graham Sarstedt, ältester Bruder von Rock- und Pop-Routiniers Peter und Clive Sarstedt, nannte sich Eden Kane und feierte in den Sechziger- und Siebziger Jahren große Erfolge, von denen „Well I Ask You – The Complete 60s Recordings“ nun ein Lied singen kann.

Erschienen auf RPM Records (Vertrieb: Cherry Red Records/Rough Trade) kommen die zwei CDs der Veröffentlichung auf insgesamt 56 Songs, unter denen sich auch rare, teils obskure Singles befinden, von denen einige bis heute nur in Australien und Neuseeland verfügbar waren.

Das mehr als ausführliche, mit Fotos und Cover-Abbildungen prall gefüllte, inkludierte Booklet klärt en Detail über die beeindruckend vielschichtige Karriere Edens auf, der unter seinem richtigen Namen Richard Sarstedt unter anderem auch als Schauspieler (unter anderem in den TV-Serien „Star Trek: The Next Generation“, „Star Trek. Deep Space Nine“, „Star Trek: Voyager“ und „Star Trek: Enterprise“) aktiv war und eine individuelle Stimme, die zwischen Kreischen und Crooning, zwischen zierlicher Kopfstimme, zerbrechlichem Trauerorgan und klarem Jazz-Vocal stand, sein eigen nennen konnte – empfehlenswert; ein Künstler übrigens, der vielleicht wegen seines familiären Hintergrundes (Eden Kane wurde in Indien geboren) und trotz seiner Zuordnung als Engländer einen ziemlich internationalen Habitus in seine Arbeiten legte, die ihn stets irgendwie unidentifizierbar machten.

Bleiben wir in England. Guy Darrell war ein typisch britischer Sänger, der seine größten Erfolge in den Sechziger- und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts feierte.

„I’ve Been Hurt – The Complete 1960s Recordings“ offeriert genau das und zeigt Darrell, hierzulande praktisch unbekannt, was sich mit dieser Ehrenwerten SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne hoffentlich nun ändert, in bester Sangeslaune in den unterschiedlichsten Musikstilzusammenhängen.

Einmal mehr war RPM Records (Vertrieb und Vermarktung wie immer Cherry Red Records/Rough Trade) zuständiges Label für die liebevolle Auseinandersetzung mit dem Schaffen Guy Darrells, dessen Karriere im mitgelieferten Booklet von Liner Notes-Autor David Wells vollumfänglich beleuchtet wird, Fotos und Coverabbildungen en Masse inklusive.

Die insgesamt 28 Songs, geführt als Guy Darrell, Solokünstler, sowie als Guy Darrell & The Midniters, Guy Darrell & Wind Of Change und Guy Darrell Syndicate beinhalten eine beeindruckende musikalische Bandbreite, die von Rock’n’Roll und dem Pop der Zeit über das Äratypische Skiffle bis zu Elementen aus Country und ultraharmonischen Everly Brothers-Hommagen reicht – eine vielschichtige Karriere, welche „I’ve Been Hurt – The Complete 1960s Recordings“ in lohnenswerter Detailverliebtheit präsentiert.

Fox war eine britische Mainstream-Band, die in den Siebziger Jahren aktiv war und insgesamt drei Alben veröffentlichte, welche „The Fox Box“ (Cherry Red Records/Rough Trade) nun erstmals bündelt und inklusiver einer vierten CD namens „A Selection“ in ein glorreiches Box Set verbringt, das insbesondere Fans der Band faszinieren wird.

„Fox“ (1975), „Tails Of Illusion“ (1976) und „Blue Hotel“ (1977) lautetn die Namen der drei Alben, die im Box Set gemeinsam mit den immerhin 17 Singles und Sonderversionen der vierten „A Selesction“-CD 56 Songs ergeben, die zeigen, dass die Band zu vielschichtigen Songkonstrukten neigte, die von zeitgenössischem Rock und Pop über klare Glam Rock-Einschlüsse bis zu Blues, Country & Western, Folk, Singer/Songwriter und sogar verkanntem Jazz und dem Geist der instrumentalen Musik der Ära reichten – „The Fox Box“, speziell für Fans, gerade aufgrund des inkludierten, umfangreichen Booklets samt Interview mit Fox-Mastermind Kenny Young unverzichtbar.

Weitere zwei Alben des Rock-Stars Glenn Hughes erscheinen nun im Rahmen der „The Glenn Hughes Remasters“-Reihe über Purple Records/Cherry Red Records/Rough Trade erneut: „Return Of Crystal Karma“ aus dem Jahre 2000 sowie „The Way It Is“, erschienen ein Jahr zuvor, 1999, wurden mit allem bestückt, was eine exzellente Reissue ausmacht: Liner Notes in den Boolets von Malcolm Dome, umfangreiches Infotainment mit Fotostrecken und Cover-Abbildungen sowie einer zweiten CD, die Live-Mitschnitte des eigenwilligen Rock- und Pop-Verständnisses von Glenn Highes gleich mitliefern; zum besseren Verständnis der Musikwelt Hughes‘ sei es, so viel Fairness muss einfach sein, an dieser Stelle zugleich dringend empfohlen, mit einem offenen Herz und einem noch offenerem Ohr an das Werk des Glenn Hughes zu gehen und beiden Alben-Reissues wiederholtes Hören angedeihen zu lassen.

Ähnliches gilt auch für das optisch und haptisch herausragende „Albums And Singles 1982-1989“-Box Set von Red Lorry Yellow Lorry, dass die umtriebige, avantgardistische, progressive Band mit allen Höhen und Tiefen zeigt und ganze vier CDs und 63 (!) Songs lang alles gibt, die polarisierende Position, welche die Band um Mastermind Chris Reed als Post Punk-Formation bis heute innehat, in Stein zu meißeln: Oft düstere, fast ablehnende, darum aber auch unmittelbar faszinierende Rock-Gebinde, die nur gefühlt New Wave-Wabern mit sich führen, müssen schon geliebt werden, um vorurteilsfrei genossen werden zu können.

Wahres Highlight der großartigen, für Fans unverzichtbaren Box ist einmal mehr das mitgelieferte Booklet, dass unter anderem ein Interview mit Chris Reed und Band-Gitarrist David Wolfenden anzubieten hat.

Country-Zeit in „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN – ist auch immer Abschiedszeit. So beenden wir auch diese 39. Folge mit Country Musik-Reissues der Sonderklasse: Tammy Wynette ist mit insgesamt vier Alben auf zwei Veröffentlichungen, zwei CDs, im Zentrum des Reissuenados, im Magen des Kolumnenzillas, vermutlich eine der erfolgreichsten und legendärsten Vertreterin der Country-Zunft überhaupt.

„D-I-V-O-R-C-E“ von 1968 und „Stand By Your Man“ von 1969, ihre wohl erfolgreichsten Alben mit der legendären „Stand By Your Man“-Single, vereinen sich auf dem einen Teil der „2 Classic Albums On 1 CD“-Reihe auf Morello Records (Vermarktung und Vertrieb wie immer über Cherry Red Records/Rough Trade) während „Another Lonely Song“ (1974) und „Woman To Woman“ (ebenfalls 1974) ihren Weg auf die zweite Reissue-CD-Zusammenfassung finden.

Musikalisch hatte Wynette seinerzeit bereits einen enormen Weg beschritten, was sich im reiferen, vielschichtigeren Sound ihrer späten Alben niederschlug. Tony Byworth verfasste die Klappentexte beider Doppel-Album-Neuauflagen auf jeweils einer CD, die das Fehlen von Bonus Tracks spielend wieder wett machen und die schmerzlich vermisste Tammy Wynette, die 1998 im Alter von 55 Jahren verstarb, mit all ihrer erdigen Traurigkeit in ihrer Stimme aufleben lassen.

Ich freue mich auf die kommende, 40. Ausgabe von „Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Kompilationen, Werkschauen, Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN!

(Der SOUL TRAIN berichtete immer wieder, in vielen Fällen sogar unzählige male über die meisten der in dieser Kolumne genannten, Musiker, Produzenten, Schauspieler, Autoren, Künstler, Bands, Musikprojekte und Labels!)

© Michael Arens

SOUL TRAIN HOT TIP!

Fuse One – „Fuse One/Silk“
Various – „Cool Heat – The Best Of CTI Records“
Eric Gale – „The Definitive Collection“
Norman Connors – „Valentine Love – The Buddah/Arista Anthology“
Deee-Lite – „World Clique“