Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #35 Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #35
Cherry Red Records/Rough Trade: Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt! Der SOUL TRAIN wird nicht Müde, darüber zu berichten: Soul, Funk und... Cherry Red Records – Remastered, Reissued & Expanded #35

Cherry Red Records/Rough Trade: Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!

Der SOUL TRAIN wird nicht Müde, darüber zu berichten: Soul, Funk und Jazz brachten immer schon unzählige Stilblüten, Klassiker und obskure Trittbrettfahrer in Form von Künstlern und Alben hervor, welche bis heute die Klangfarbe des Genres bunter machen, nachhaltig verändern und schließlich ausmachen.

CherryRedRecordsRoughTrade-LogoSMALLDas britische Cherry Red Records-Label und der deutsche Rough Trade-Vertrieb bringen seit geraumer Zeit regelmäßig große, kleine und bemerkenswerte Klassiker des weit verzweigten Soul-, Funk- und Jazz-Genres der Siebziger, Achtziger und Neunziger Jahre neu und teils erstmalig auf CD heraus.

Diese erscheinen wahlweise als Reissue, als Album-Doppelpack (2 Original-Alben auf einer CD), als Remastered Original-Album oder als Expanded Edition mit einer Menge faszinierendem Zusatzmaterial wie Bonus Tracks jeglicher Couleur, Liner Notes von versierten Kennern des Soul-Genres, Fotostrecken, Coverabbildungen und allerlei weiteren interessanten Zusatzfeatures.

Der SOUL TRAIN nimmt sich im Rahmen dieser Kolumne regelmäßig diesen Klassikern in neuem, teils edlem Gewand an und wird ausführlich über alle Aspekte der Veröffentlichungen wie die Musik, den bzw. die Künstler, den Sound, die Hintergründe, die Philosophie und nicht zuletzt das Produkt als Ganzes berichten.

Die SOUL TRAIN-Redaktion wünscht viel Spaß beim Lesen und Studieren sowie, last but not least, beim Hören!

 

FOLGE 35: Amii, Dexter & John: Coffee Eruption

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-01_1609Starten wir die heutige, 35. Folge von „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – mit einem echten Monster an Veröffentlichung: Eine der innovativsten Figuren im weltweiten Soul-, Psychedelic Soul und insbesondere im Philly Soul war in den viel zitierten Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts Dexter Wansel.

Der Keyboarder (Wansel war auch ein hervorragender Cellist), Produzent, Arrangeur, Songschreiber und Ideengeber veröffentlichte während seiner Zeit mit dem legendären Label Philadelphia International Records 1976 bis 1980 vier teils legendäre Alben, von denen nun eine gute Portion in der Zweifach-CD-Werkschau „Stargazer – The Philadelphia International Records Anthology 1976-1980“ zu hören ist; insgesamt 32 Perlen Wansels von jenen vier Alben „Life On Mars“ (1976), „What The World Is Coming To“ (1977), „Voyager“ (1978) sowie „Time Is Slipping Away“ (1980).

Disc 2 beinhaltet unter anderem die „The Sweetest Pain“-Single, die in ihrer wohl erfolgreichsten Version jene von Loose Ends aus den Achtziger Jahren sein dürfte – wie bereits bei Dexter Wansel selbst: der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über Loose Ends.

Dexter Wansels wunderbares, handwerkliches aber auch visionäres Produktionsgeschick wird auch in den dem mitgelieferten Booklet enthaltenen, mehr als ausführlichen Liner Notes von SOUL TRAIN-„Dauergast“ Christian John Wikane beleuchtet, kurzen Statements über die ikonische, für den Soul allgemein so wichtige Arbeit von Dexter Wansel von Jean Carn und Stanley Clarke (der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über beide) sowie unzählige Abbildungen und Hintergrundinfos inklusive.

„Stargazer – The Philadelphia International Records Anthology 1976-1980“ von Dexter Wansel erscheint inklusive Original-Tönen von Wansel, der nach eigener Aussage „noch lange nicht fertig ist“, als „40th Anniversary Collection“ über BBR Records, und vertrieben wie immer über das diese Kolumne-Namensgebende Cherry Red Records-Label und zu beziehen über Rough Trade – einer der ersten Höhepunkte der heutigen SOUL TRAIN-Reissues-Kolumne.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-02_1609Drei ganz Große des Soul-Genres, deren Alben, Arbeit und Wiederveröffentlichungen wir im SOUL TRAIN in der Vergangenheit gerade im Zuge dieser ehrenwerten Kolumne immer wieder im Fokus hatten sind Teddy Pendergrass, GQ und Mass Production.

Erschienen im Rahmen der BBR Remasters-Reihe, ist es diesmal Teddy Pendergrass‘ „Teddy“-Set aus dem Jahre1979, eine weitere Veröffentlichung aus den Stilgebenden Philadelphia International Records-Hoch-Zeiten, der BBR Records/Cherry Red Records/Rough Trade gleich vier Bonus Tracks spendiert hat, ebenso wie, neben unzähligem, wertigem Infotainment im beigefügten Booklet, einem informativen Klappentext von, einmal mehr, Christian John Wikane, der auch den noch viel detaillierteren Klappentext für die GQ-Werkschau „Standing Ovation“ verfasste.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-03_1609Bereits der Untertitel der Doppel-CD aus dem Hause BBR/Cherry Red Records/Rough Trade (eine BBR Remasters-Veröffentlichung) bringt das inhaltliche Wie und Was des Albums auf den Punkt: „The Story Of GQ And The Rhythm Makers (1974-1982)“.

So bekommen wie hier insgesamt 31 Songs lang das feinste, was die Soul-, Discosoul-, Boogie- und schließlich ganz puristisch Disco-Formation in ihrer Hauptschaffenszeit auf die Tanzbühnen brachte: mitreißende Soul-Melodien und Hooklines für die Ewigkeit, ihr legendäres „Disco Nights“ inklusive.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-04_1609Auch Mass Production grub in ähnlichem Fahrwasser wie GQ, arrangierte ihre Melodien, Breaks und Strukturen aber auch mal um Funk herum, weswegen ihr Sound ein wesentlich schrofferer, grobkörnigerer und auch individuellerer war als der von GQ. Die Expanded Edition der zwei Mass Production-Alben „In A City Groove“ (1979) und „’83“ aus dem, na ja, Jahre 1982, die in der neu abgemischten, zwei CD langen „Two Original Classic Funk Albums 2-CD Set“-Ausgabe aus dem Hause Soulmusic.com Records der britischen Soul-Ikone-David Nathan (der SOUL TRAIN berichtete über Label und Mastermind) mit Vertrieb über Cherry Red Records/Rough Trade erscheint, hat es in sich, so viel steht fest.

Ein üppiges Booklet mit Liner Notes von Kevin L. Goins (der SOUL TRAIN berichtete) bringt das Schaffen von Mass Production auch unter Zuhilfenahme von drei Bonus Tracks als weiteres Highlight der heutigen Folge von „Cherry Red Records/Rough Trade
– Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – zum strahlen.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-05_1609Ums strahlen geht es auch bei Coffee, einer leider zu kurzlebigen Female-Disco-Formation, die 1980 mit dem von Clarence Johnson und Ricardo Williams produzierten Megahit „Casanova“ von „Slippin‘ And Dippin'“-Album ihren Durchbruch und ihren größten Erfolg feierten.

Die Wiederbelebung des Albums (BBR Classics/Cherry Red Records/Rough Trade) bringt neben den immerhin fünf Bonus Tracks ein prächtiges Booklet mit Infotainment und Begleittext von Christian John Wikane – passt.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-06_1609Wo wir mit dem Frauentrio Coffee bereits bei eindrucksvoller Frauenpower der Ära Siebziger- und Achtziger Jahre mit Disco-Affinen Grooves sind, ist der Weg zu Amii Stewart (der SOUL TRAIN berichtete) nicht weit.

Die Disco-Chanteuse, die mit richtigem Namen Amy Paulette Stewart heißt, hatte gerade in den auslaufenden Siebzigern und beginnenden Achtzigern immense Erfolge auf den Tanzflächen des Planeten, von denen ihre Coverversionen von Eddie Floyds „Knock On Wood“ sowie von The Doors‘ „Light My Fire“ fraglos zu ihren populärsten überhaupt zählen.

„The Hits: Remixed“, erschienen bei Cherry Pop, einem Sublabel von Cherry Red Records (Vertrieb: Rough Trade) zeigt die großen Hits, nun ja, einige der großen Hits, von Stewart in einem so genannten „Remix“-Gewand, was wiederum auf eine Veröffentlichung aus der Mitte der Achtziger Jahre beruht: Die meisten der Songs der Album-Veröffentlichung waren bereits bei ihrer Original-Veröffentlichung eine Art Remix – Amii Stewart gehörte seit je her zu eine der am meisten geremixten Sängerinnen überhaupt.

So ist „The Hits: Remixed“ eigentlich die Neuauflage einer Amii Steqwart-Werkschau aus dem Jahre 1985, die nun über zwei Bonus Tracks (Varianten des „Knock On Wood“-Themas sowie des „Light My Fire“-Themas) verfügt und mit einem Klappentext von Stephen SPAZ Schnee ausgestattet wurde – der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über Amii Stewart, deren schönster Hit überhaupt, „Friends“, noch im gleichen Jahr des Veröffentlichungsdatum von „The Hits: Remixed“ folgen sollte, sowie Eddie Floyd, The Doors und Schnee.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-07_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-08_1609Auch Eruption kann sich mit europäischem Flair und Disco-Affinität gemeinsam mit Amii Stewart hinten anstellen: Die seinerzeit von Frank Farian entdeckte und zur Vorgruppe der immens populären Boney M. umgemodelte Londoner Band Eruption hatte gigantische Hits wie „I Can’t Stand The Rain“, einer Coverversion aus der Feder von Ann Peebles, Don Bryant und Bernard Miller, das später eine der wohl berühmtesten Comeback-Singles der Tinas Turner werden sollte – der SOUL TRAIN berichtete zigfach über alle in diesem Abschnitt genannten, insbesondere im Rahmen dieser Kolumne mit Reissues, Expanded Editionen und Album-Neuauflagen aus dem Hause Cherry Red Records//Rough Trade.

Zwei Eruption-Album-Wiederbelebungen zieren nun die BBR Classics-Reihe (Cherry Red Records/Rough Trade): Ihr Debütalbum „Eruption“ aus dem Jahre 1977 sowie ihr 1979er „Leave A Light“.

Beide wurden mit einer Fülle an Bonus Tracks und einem üppigen Infotainment im mitgelieferten Booklet bestückt, können jedoch nur, wie schon damals, durch ihren hohen Charmefaktor punkten denn durch ihre musikalische Bandbreite: Eruption war, zumindest als Frank Farian-Vehikel, ein Reißbrett-Projekt, welches seine Aufgabe mit Bravour erfüllte: Eruption gehört noch heute zu den erfolgreichsten Disco-Formationen der Siebziger Jahre.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-09_1609Ähnlichen Erfolg, wenn auch nur ein Album lang, hatte die schottische Formation The Chimes, die mit ihrem Selbstbetitelten Debütalbum „The Chimes“ 1990 einen mutigen Mix aus Brit-Soul, der europäischen Version von New Jack Swing, harten Club-Vibes und experimenteller Pop-Ästhetik präsentierten, dem knüppelharten Megahit und Dancefloorburner „Heaven“ inklusive – der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über The Chimes.

Die Produzenten Mike Peden und James Locke aus Edinburgh und Sängerin Pauline Henry aus Jamaika, die eine immense Bauchstimme anzubieten hatte und in der Folge eine leider eher dünne und schnöde Popsoul-Solokarriere hinlegte, waren die drei treibenden Kräfte von The Chimes und ihrem ersten Album, das nun als BBR Remasters-Ausgabe (Vertrieb Cherry Red Records/Rough Trade) als Doppel-CD das erneute Licht der Welt erblickt.

Die damals immens angesagten, in der Brit-Soul-Szene tonangebenden Überproduzenten Nellee Hooper und Jazzie B (Soul II Soul – der SOUL TRAIN berichtete) waren seinerzeit ebenfalls als Produzenten von „1-2-3“ mit an Bord, einem der vielen Hits des Albums, das bis heute eine Art Kultstatus hat und den Zeitgeist der damaligen Club-Attitüde Großbritanniens einmalig und beeindruckend bebildert.

Die wunderschöne Neuauflage kommt mit seinen zwei Silberlingen gleich mit einer ganzen CD voller Bonus Tracks (insgesamt sind es 30 Chimes-Songperlen, davon alleine acht Bonus Tracks auf CD 1 und ein Dutzend Bonus Tracks auf der zweiten CD) und einem liebevoll und mit großer Sachkunde geschriebenen Klappentext von Stewart Allen sowie unzähligen Fotos und Abbildungen im Booklet – fraglos der eine ganz große Höhepunkt der heutigen Folge von „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – coole Sache.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-10_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-11_1609Noch immer hat uns der Soul nicht ganz verlassen: die Spencer Davis Group war besonders in ihrer frühen Phase eine heute immer mehr wertgeschätztere Addition zum Soul-Gefühl der Sixties, obwohl die Band in der breiten Masse immer wieder als schiere Rock-Formation wahrgenommen wird – der SOUL TRAIN berichtete bereits einige male über dieses Phänomen.

„Taking Out Time – Complete Recordings 1967-1967“ bebildert jene Phase der Briten nach dem Weggang von Superstar Steve Winwood, der in der Folge eine beeindruckende Solo-Karriere mit Megahits wie „Valerie“ hinlegen sollte – der SOUL TRAIN berichtete.

Das auf RPM/Cherry Red Records/Rough Trade veröffentlichte, drei CD lange Set kommt im schicker Box und mit insgesamt 68 (!) Songs, die wirklich nichts Grooviges, Knallbuntes, Mausgraues, Seltsames, Live Eingespieltes, Spezielles oder Einzigartiges der Band auslässt: die Box ist ein echtes Füllhorn für Fans der Spencer Davis Group.

Ein prall gefülltes Booklet mit Liner Notes von Andy Nell (der SOUL TRAIN berichtete) zeichnet die Geschichte jener SDG-Ära noch einmal genau nach und nimmt auch discografische Infos, Album-Credits, interessante geschichtliche Fakten sowie unzählige Abbildungen und Fotos, die Spencer Davis Group nach dem Weggang von Ikone-Steve Winwood zu identifizieren und zu analysieren.

Um durch die schiere Fülle des Materials mit einer irgendwie gearteten Struktur durchzukommen, wurden die einzelnen CDs thematisch unterteilt: CD1 hat vier Segmente: „Single (Mono)“, „Soundtrack“, „Album – With Their New Face On (Stereo)“ sowie einem „Bonus Track (Unreleased)“, der zweite Silberling unterteilt sich in „Singles“, „Album – Funky“ und „Outtakes“ während CD3 „Alt. Versions Soundtrack Sessions 1967“, „BBC Radio Sessions“ sowie „Live: Empire Pool, Wembley“ als Grundgerüst zur besseren Übersicht anbietet.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-12_1609Reduzieren wir zumindest auf gefühlter Ebene jenen Soul der Spencer Davis Group auf ein absolutes Minimum ist die Neue Deutsche Welle, nur etwa 15 Jahre später in aller Munde und Ohren, die sich frank und frei an New Wave und schierem Punk, aber eben auch an Mischströmungen wie dem Early Eighties British Jazzfunk und der aus Manchester und vor allen Sheffield kommenden Verquickung von, ja, das gab es, Soul und Punk, bediente, gar nicht so weit weg.

Peter Schilling hatte einen der größten NDW-Hits, „Major Tom (Völlig losgelöst)“, der tatsächlich so viel Erfolg aufzuweisen hatte, dass sein Album schließlich auch in englischer Sprache erschien: „Error In The System“ hatte im Original-Veröffentlichungsjahr 1983 all jene Zutaten, die „Fehler im System“, das Album im originalen Deutsch, ein Jahr zuvor an den Tag legte: ansteckende Synth-Rythmen und ein unterkühlter Gesang, der durchaus auch Groove entwickelt: Ecken und Kanten mit Fluss, wenn man denn so will – der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über Schilling, NDW, Sheffield und Manchester, und deren Bedeutung für populäre Musik überhaupt.

Heute längst ein Teil der auch mal skurrilen Musikgeschichte, erscheint nun jenes englischsprachige „Error In The System“ als Hot Shot Records-Neuauflage (erhältlich über Cherry Red Records/Rough Trade) und kontert mit gleich neun Bonus Tracks, unter denen, wie könnte es anders sein, auch die Original-Version des größten Peter Schilling-Hits „Major Tom (Völlig losgelöst)“, das im englischen „Major Tom (Coming Home)“ heißt, sowie der 12″ Remix von „Die Wüste lebt“, Album-Hit Nr.2, zu finden ist.

Stephen SPAZ Schnee involvierte niemand geringeren als Brit-Musik-Legende John Luongo (der SOUL TRAIN berichtete) in den ausführlichen Klappentext, der durch entsprechend zahlreiche Abbildungen und Fotos unterstützt wird – absolut Empfehlenswert.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-13_1609The Korgis ist eine jener Formationen, deren Hits zwar jeder kennt, die bei der breiten Masse alleine vom Namen her aber erst einmal Achselzucken verursacht. Dabei ist eben im Titel der Korgis-Werkschau bereits der eine ganz große Gassenhauer der Band eindeutig erwähnt: „Everybody’s Got To Learn Sometime – The Complete Rialto Recordings 1979-1982“.

Es wird wohl kaum jemand geben, der jene zeitlose, ikonische Pop-Ballade nicht kennt, was selbstverständlich auf der direkt auf Cherry Red Records (Vertrieb: Rough Trade) erschienenen Kompilation dazu führt, dass nicht nur die Original-Version, sondern auch eine „Alternative Version“ vorhanden ist.

Insgesamt gibt es hier die drei Original-Alben der Korgis, gegründet 1978 von Andy Davis und James Warren, „The Korgis“ (1979), „Dumb Waiters“ (1980) und „Sticky George“ (1981), sowie diverse Singles- und Single-B-Seiten und Alternative Song-Versionen.

Kieron Tyler verfasste die Liner Notes zur Doppel-CD-Über-Kompilation aller Veröffentlichungen von The Korgis auf dem Rialto Records-Label und packte unzählige Hintergrundinfos und Coverabbildungen oben drauf – ein genialer Sampler-Streich, der The Korgis auch als Vertreter von Individualität und Avantgarde, Pop, Rock, Reggae und Punk-Attitüde sowie Soul-Strukturen und warmen Arrangements zeigt – traumhaft.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-14_1609„John Barry Plays 007 And Other Themes For Film, Television And Radio“ lautet der etwas sperrige Titel der John Barry-Kompilation (der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über den britischen Filmmusik-Übervater John Barry, besonders im Rahmen dieser Cherry Red/Rough Trade-Reissue-Kolumne) auf Èl Records (Vertrieb Cherry Red Records/Rough Trade), das ein sagenhaft eigenwilliges und prägendes Kapitel im Wirken Barrys aufschlüsselt: Musiken aus seiner Zeit als James Bond 007-Hauskomponist, darunter das weltberühmte „The James Bond Theme“, das hier gleich in mehreren Versionen seinen spannungsgeladenen Dienst verrichtet.

Insgesamt kommt der Sampler so auf 35 Stücke, die sich nicht nur auf 007, sondern auf Medienereignis wie „Zulu“ beiziehen; John Barry war ein Meister seines Fachs, an dem sich bis heute alle folgenden Generationen an Filmmusikkomponisten messen werden müssen.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-15_1609Chad & Jeremy (der SOUL TRAIN berichtete) war ein recht kurzlebiges Duo, das seine größten Erfolge auf dem britischen Ember/World Artists-Label in den Jahren 1963 bis 1964 hatte – „Yesterday’s Gone – The Complete Ember/World Artists Recordings“, erschienen auf RPM/Cherry Red Records/Rough Trade, bebildert ihr Schaffen in jener Zeit in aller Ausführlichkeit.

Gesegnet und als Kernthema eingesetzt mit einem starken Hang zu vokalen Harmonien, wie sie seinerzeit The Everly Brothers oder The Hollies (der SOUL TRAIN berichtete über beide genannten) machten, ist ihre Musik heute tatsächlich etwas, das gar nicht allzu weit von Soul-Harmonien und unbedingter Melodie entfernt scheint: 57 Titel lang überzeugt uns die Doppel-CD hier nachdrücklich und zeigt, dass die unbekannteren Kapitel Pop und Rock oft die dankbarsten sind – umfangreiches Infotainment im mitgelieferten Booklet gibt es als Bonus, ganz so wie bei „Beat! – The Complete Telefunken Years“, der ebenfalls auf RPM (Vertrieb Cherry Red Records/Rough Trade) erschienenen Werkschau der eindeutig als Beat-Formation zu identifizierenden Band The Boots.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-16_1609Deutlich harscher als Chad & Jeremy waren The Boots eine dem Beat verpflichtete Berliner Formation, die großen Wert auf Authentizität legte und deswegen mit Leichtigkeit eine Band der Ära aus London hätte sein können – die Beatles (der SOUL TRAIN berichtete über The Boots als auch über die legendären Pilzköpfe) lassen grüßen.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-17_1609Telefunken traute sich seinerzeit, die Aufnahmen der Boots zu veröffentlichen, und tat gut daran, jene auch gefühlte Grobkörnigkeit einfach geschehen zu lassen – Kieron Tyler beleuchtet The Boots als auch ihr Schaffen für das urdeutsche Telefunken-Label im mitgeführten Klappentext und leitet so perfekt über zur Werkschau von Unit Four plus Two, „Concrete & Clay – The Complete Recordings“, die auf zwei CDs sagenhafte 43 Songs lang die Befindlichkeiten einer der nicht ganz so bekannten britischen Beat-Bands beleuchtet, einer Band, die ihre größten Erfolge in der Mitte der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte und deren Albumtitelgebendes „Concrete & Clay“ sicher ihr größter internationaler Erfolg war.

Erschienen auf RPM/Cherry Red/Rough Trade ist auch jenes der CD beigelegte Booklet bis zur Halskrause voll mit glorreichem Infotainment und dürfte fraglos ein wichtiges Kapitel Beat-Geschichte für jeden Interessierten und für jeden Beat-Fan sowieso darstellen.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-18_1609Noch umfangreicher gestaltet sich jenes Infotainment bei „Pubic Intellectual: An Anthology 1986-2016“, der ersten Werkschau, die das gesamte Output des schottischen Liedermachers Nick Currie alias Momus (der SOUL TRAIN berichtete) bebildert.

Im eleganten Pappschuber kommt das 3 CD-Set mit einem Booklet, in welchem Momus selbst jeden einzelnen der Titel der Über-Kompilation, mit welcher wir uns langsam aber sicher immer Rock-reicheren Sphären in der heutigen, 34. Folge von „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – nähern, kommentiert.

Musikalisch trotzdem genährt aus Avantgarde, Rock, Pop, Singer/Songwriter und Inhalt dürfte die optisch und auch haptisch herausragend gelungene Werkschau ein echtes Bonbon für die kleine, aber enthusiastische Momus-Fangemeinde sein – erschienen ist das alles direkt bei Cherry Red Records, zu beziehen ist „Pubic Intellectual: An Anthology 1986-2016“ von Momus wie immer über den Rough Trade-Vertrieb.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-19_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-20_1609Silverhead (der SOUL TRAIN berichtete) lautete der Name der britischen Rock-Band um Sänger und Mastermind Michael Des Barres, der von den anderen Mitgliedern Robbie Blunt (Giitarre), Rod Rook Davies (Gitarre, Perkussion, Gesang), Nigel Harrison (Bass) und Pete Thompson (Schlagzeug, Keyboard, Gesang) echte Rock-Hymnen auf den Leib gespielt bekam: Silverhead machte nur zwei Studioalben, die nun über Purple Records/Michael Des Barres (Vertrieb Cherry Red Records/Rough Trade) ihr erneutes Licht der Rock-Welt erblicken: „Silverhead“ aus dem Jahre 1972 sowie „16 And Savaged“ aus dem Folgejahr 1973, beide seinerzeit erschienen auf Purple Records, dem Label von Deep Purple – der SOUL TRAIN berichtete.

Beide Neuauflagen kommen mit äußerst umfangreichem Infotainment im mitgelieferten Booklet sowie einer Menge teils seltener Bonus Tracks, teilweise aus dem persönlichen Fundus von Silverhead-Intitiator Michael Des Barres.

Konsequentes Rock-Futter also, welches dem von Pete MacLeod auf seinem neuen Album „Crestfallen“ oder dem des neuen Dodgy-Albums (der SOUL TRAIN berichtete über beide genannten) in nichts nachsteht, doch der Reihe nach.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-21_1609Pete MacLeod liefert mit „Crestfallen“, erschienen auf Stepping Stone Music/Cherry Red Records/Rough Trade, sein zweites Album ab, auf dem er einem Singer/Songwriter-Rock-Konstrukt eine elektronische Note addiert, die sich gewaschen hat: Zielsicher steht MacLeod seinen Mann und kann Melodien und Harmonien an den kantigen Electronica-Rock anlehnen – kurze Momente aus Roots inklusive.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-22_1609Das fünfte Album von Dodgy – Nigel Clark, Mathew Priest und Andy Miller – macht ebenfalls keine Gefangenen und gibt erst gar nicht vor, kein Rock-infiltriertes Projekt zu sein: „What Are We Fighting For“ kommt in schicker Aufmachung inklusive einer CD in angedeutetem Vinyl-Design und bietet neben den im britischen Worcestershire produzierten zehn konkreten Titeln ein Booklet, welches mit den Songtexten und einem ebenso hohen Anspruch an Design wie an die Musik selbst kontert – Cherry Red Records ist das veröffentlichte Label, Rough Trade wie zu erwarten der Vertrieb – passt.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-23_1609Als wäre Dodgy noch nicht schon krass genug für eine SOUL TRAIN-Kolumne wie „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ kommt „Tapestry Of Propositions – The Curved Air Rarities Series Volume 1“ daher, eine Art Live-Werkschau von Curved Air.

Live zu hören sind auf der auf eigenem Label Curved Air Records (Vertrieb: Cherry Red Records/Rough Trade) erschienenen, immerhin 17 Titel langen Live-Kompilation Curved Air-Mitglieder und Gäste Sonja Kristina (Lead Vocals), Florian Pilkington-Miksa (Schlagzeug), Kirby Gregory (Gitarre), Chris Harris (Bass), Robert Norton (Keyboard) sowie last but not least Paul Sax (Violine), die dafür sorgen, dass das von Robert Norton produzierte Werk eine nachhaltige Konsequenz und eine unbedingte Charakterfestigkeit mitbringt – sicher keine leichte Kost, aber eine, in der sich ganz besonders Fans der Band mit nachhaltigem Alleinstellungsmerkmal ergötzen werden.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-24_1609Jimmy Somerville dreht den Fokus vom Rock wieder zurück in harmonischere Gefilde, die von Pop, House, Electronica und durchaus auch mal von Soul-Strukturen leben, ganz der SOUL TRAIN-Philosophie entsprechend.

Somerville, der in den frühen Achtziger Jahren mit Bronski Beat bereits vor seiner großartigen Solo-Karriere immense Erfolge feierte (der SOUL TRAIN berichtete zigfach) zeigt sich auf „Live And Acoustic At Stella Polaris“ von einer recht neuen Seite, die bereits im Albumtitel des auf Strike Force Entertainment/Cherry Red Records/Rough Trade erschienenen Albums angedeutet wird: als akustischer Sänger, der seine Stimme der eigentliche Musik voranstellt, einem Zug, den er im gesamten Verlauf seiner Karriere stets bestens beherrschte und nun noch einmal ganz deutlich ausspielt.

Aufgenommen in Dänemark im Sommer letzten Jahres kommt Jimmy Somerville zehn Titel lang mit den größten seiner Hits sowie den Hits von Bronski Beat wie „Why?“, „You Make Me Feel (Mighty Real)“, „Smalltown Boy“ und „Don’t Leave Me This Way“ sowie seiner eigenen Version des Burt Bacharach/Hal David-Klassikers „I Just Don’t Know What To Do With Myself“ (im Original aufgenommen von Tommy Hunt; in der erfolgreichsten Version jedoch von der unvergessenen Dusty Springfield interpretiert – der SOUL TRAIN berichtete zigfach über alle genannten), um nur einige der Songs zu erwähnen.

Das Album kommt in wunderbarer Haptik und Optik und mit einer CD in Vinyl-Design und wird sicher insbesondere Freunde großartiger Falsett-Stimmen sowie von Jimmy Somerville selbst in seinen Bann ziehen können.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-25_1609Ob das auch beim zweiten Teil des „Variance“-Projektes von Andy Bell (der SOUL TRAIN berichtete im Zuge dieser Cherry Red Records/Rough Trade-Reissues-Kolumne bereits über das „Torsten The Beautiful Libertine“-Projekt), „Variance II – The „Torsten The Beautiful Libertine“ Remixes“ der Fall ist, darf diskutiert werden.

Elf Titel lang wird hier das „Torsten“-Projekt mit Remixed eingedeckt, die von Avantgarde und Pop über House und Electronica bis Rock, Beats, Breaks und den Geist von Clubtauglichen Soul-Strukturen aber auch von einem auch im visuellen atmenden Kunstverständnis leben, das vielleicht sogar der Kern des Albums, wie schon das Jimmy Somerville-Ding, erschienen auf Strike Force Entertainment/Cherry Red Records/Rough Trade, ist.

Eine edle Optik und Haptik inklusive, auch das eine Parallele zum Somerville-Set, der CD in schickem Vinyl-Design leitet elegant über zum Absacker der heutigen, 35. Folge von „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“ in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nummer 1 – dem SOUL TRAIN – ein, ein Absacker, den wir in dieser Form, in diesem musikalischen Stil, noch nicht wirklich dabei hatten: Country.

Das Country-Genre (eigentlich eine verkürzte Wortfindung des „Country & Western“-Genres) hat so einige Gemeinsamkeiten mit dem schönsten Musikgenre der Welt – mit Soul: An vorderster Front wäre da sicher die Harmonielehre zu nennen, welche in den Arrangements gerade auf Produktionen aus den Sechziger- und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts dem Soul-Verständnis sehr nahe kommt – dass sich gerade Soul und Country sogar an strategischen Ecken der Musikgeschichte verschmelzten und verchmelzen (Ray, Goodman & Brown, Bobby Womack, Joe Tex, Dobie Gray oder Ray Charles waren die bekanntesten Vertreter jenes Mischgenres, der SOUL TRAIN berichtete immer wieder über alle genannten), dürfte jeder aufmerksame SOUL TRAIN-Leser längst wissen.

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-26_1609Dave & Sugar (der SOUL TRAIN berichtete), ein US-Amerikanisches Country- und Pop-Trio, welches seine größte Erfolge zwischen 1975 und 1981 hatte, kann nun beispielhaft punkten, um den vorab genannten Punkt der parallelen Country- und Soul-Harmonik zu belegen: „Greatest Hits + New York Wind & Tennessee Shine“ erscheint als Teil der 2 Classic Albums On 1 CD-Reihe auf Morello Records (Vermarktung und Vertrieb wie immer über Cherry Red Records/Rough Trade), bietet neben den zwei Original-Alben im neu abgemischten Kleid, „Greatest Hits“ (1981) und „New York Wine  & Tennessee Shine“ (1980) mit seinen insgesamt 21 Songs auch umfangreiches Liner Notes von Tony Byworth sowie den Original „Greatest Hits“-Sleeve-Notes von Jerry Bradley, womit wir das Ende der heutigen, 35. Ausgabe von „Cherry Red Records/Rough Trade – Remastered, Reissued & Expanded – Soul-Klassiker neu aufgelegt!“, der Kolumne mit Reissues und Neubearbeitungen aus dem Hause Cherry Red Records/Rough Trade in Deutschlands Soul Musik-Magazin Nr. 1 – dem SOUL TRAIN, einmal mehr erreicht hätten.

Wir sehen uns in Folge 36!

© Michael Arens

SOUL TRAIN HOT TIP!

ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-01_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-03_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-04_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-09_1609ST16_306_F_CHERRYREDCOLUMN35-13_1609

Dexter Wansel – „Stargazer – The Philadelphia International Records Anthology 1976-1980“
GQ – „The Story Of GQ And The Rhythm Makers (1974-1982)“
Mass Production – „In A City Groove“/“’83“
The Chimes – „The Chimes“
The Korgis – „Everybody’s Got To Learn Sometime – The Complete Rialto Recordings 1979-1982“