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Barry Gibb – In The Now Barry Gibb – In The Now
3.5
Barry Gibb – In The Now (Columbia Records/Sony Music) Als letzter Verbleibender Bee Gees war es für Barry Gibb Ehrensache, im Namen seiner unvergessenen... Barry Gibb – In The Now

Barry Gibb – In The Now (Columbia Records/Sony Music)

Als letzter Verbleibender Bee Gees war es für Barry Gibb Ehrensache, im Namen seiner unvergessenen Brüder, ohne die die Geschichte populärer Musik sicher anders verlaufen wäre, schlicht weiter zu machen, weiter zu wandern, da spricht gerade auch der Titel seines neuen Solo-Albums, „In The Now“, eine deutliche Sprache – der SOUL TRAIN berichtete unzählige male über die Bee Gees und über die Gebrüder Gibb bzw. Barry Gibb.

Einfach fällt das Barry Gibb sicher zumindest auf nicht-emotionaler, professioneller Ebene, war er doch parallel zu den Bee Gees stets und mit immensem, weltweitem Erfolg auch Solo sowie als Produzent („Guilty“, das legendäre Duett mit Barbra Streisand ist vermutlich einer der schönsten Pop-Songs der Musikgeschichte – einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete) doch sicher der Nachhaltigste und Erfolgreichste der Brüder.

Das Ergebnis all dieser Ereignisse ist nun „In The Now“, das neue Solo-Album von Pop-, Rock- und Soul-, aber auch, und für die breite Masse nicht sofort nachvollziehbar, Country-Legende Barry Gibb, das bereits im eigenen Titel wie eingangs erwähnt jenes unbeirrbare Voranschreiten beim Namen nennt: Barry Gibb ist nun mal Vollblutmusiker mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.

ST16_348_R_BARRYGIBB_1810Stilistisch hangelt sich das Album durch einen trotzdem aufgeräumten Dschungel aus Mainstream Pop- und Rock, grenzt teils gar an US-Amerikanische Country-Ideale (immerhin schrieb Barry Gibb einige der größten Hits für Kenny Rogers – der SOUL TRAIN berichtete) und atmet den Geist großer Singer/Songwriter klassischer Zeichnung – das großartige, sehr aufgeräumte, akkurat strukturierte Songschreibertalent des Barry Gibb bestimmt auch hier alle kompositorischen und symphonischen Bewegungen der Musik.

Jene Soul-Struktur, die auch die Musik der Bee Gees aber eben auch die Solo-Arbeiten und Produktionen Gibbs als Künstler und Produzent unter eigenem Namen stets durchzog, kommt hier allenfalls in Songs wie „Meaning Of The Word“ oder „Home Truth Song“ durch, der Country-Attitüde und peitschende Siebziger Jahre Soul-Anmut á la Wilson Pickett (der SOUL TRAIN berichtete) fest zusammenschweißt.

Ob das gemeinsam mit John Merchant (der SOUL TRAIN berichtete) produzierte „In The Now“-Set mit seinen zwölf Standard-Songs sowie drei Bonus Tracks (die CD-Deluxe Version – das Album ist übrigens auch auf edlem Vinyl erhältlich) das Mark der eingefleischten Bee Gees-Fans erschüttern oder doch berühren wird, Kritiker überzeugen oder enttäuschen wird, ist dabei, sind wir ehrlich, eigentlich zweitrangig, ist bereits der schiere Fakt eines neuen Barry Gibb-Soloalbums nach dem traumatischen Ableben von Robin Gibb 2012 (und Maurice 2003) eine kleine Sensation, von Gibbs einfühlsamer, nachwievor magischer Stimme sowieso erst einmal ganz abgesehen.

Geschrieben hat das Album mit seinen Facettenartigen, in den Tempi ebenfalls durchaus abwechslungsreichen Songs, die auch von Barrys klarer, genialer Meloldieführung sowie seinem unverkennbaren Schmelz in der Stimme leben, übrigens Barry Gibb gemeinsam mit seinen Söhnen Stephen und Ashley Gibb – es bleibt also auch ohne Maurice und Robin und dem heute fast vergessenen Andy Gibb und zugleich als Respektsbekundung der Bee Gees- und Gebrüder Gibb-Geschichte in der Familie.

© Michael Arens