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Alfred Newman – How The West Was Won (OST) Alfred Newman – How The West Was Won (OST)
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Alfred Newman – How The West Was Won (OST) (Reissue) (Soundtrack Factory/In-Akustik) Als 1962 „How The West Was Won“ bzw. „Das war der Wilde... Alfred Newman – How The West Was Won (OST)

Alfred Newman – How The West Was Won (OST) (Reissue) (Soundtrack Factory/In-Akustik)

Als 1962 „How The West Was Won“ bzw. „Das war der Wilde Westen“, wie er in Deutschland hieß, in die Kinos kam, wartete der monumentale Streifen mit einer ganzen Reihe Superlative auf, die bis heute beeindrucken.

Da ist zunächst mal die technische Seite, den speziell für diesen Film wurde seinerzeit eine Technik erdacht, die das damals auf dem Zenith befindliche Cinemascope (bei uns als Breitwand bekannt) in den Schatten stellen sollte: Cinerama. Die komplizierte und teure und letztlich eher unausgereifte Aufnahme- und Vorführtechnik beruhte auf einer gigantischen, gewölbten Leinwand, die das Bild, aufgenommen durch drei Kameras, durch drei Projektoren aneinandersetzt, um schiere Größe zu demonstrieren, eine Technik, die sich nie durchgesetzt hat, durch eben diesen Film aber Kinogeschichte schrieb.

ST17_141_R_HOWTHEWESTWASWONOST_0605Dann wäre da die Besonderheit, dass sich der Film in drei Hauptsegmente aufteilt, die damals von gleich drei Regie-Genies des Filmbusiness und des Westerngenres auf Zelluloid gebracht wurde: George Marshall, Henry Hathaway sowie Regielegende John Ford, alle drei bereits einige male im SOUL TRAIN erwähnt und besprochen.

Als wäre das alles noch nicht genug, wartete der selbst für damalige Verhältnisse sehr klassisch geschilderte, recht altmodische „How The West Was Won“, der anhand der Geschichte einer Familie über mehrere Generationen zugleich die Geschichte der Eroberung des US-Amerikanischen Westens recht üppig und teils, geben wir es zu, schwülstig und überzogen patriotisch, bebilderte, mit einem nie dagewesenen Staraufgebot auf: John Wayne, Spencer Tracy, James Stewart, Carroll Baker, Gregory Peck, Karl Malden, George Peppard, Henry Fonda oder der auf dem Cover der hier vorgestellten Soundtrack-Wiederbelebung präsentierte Richard Widmark, um nur einige wenige zu erwähnen (der SOUL TRAIN berichtete).

Zugleich war „How The West Was Won“ in seiner fast stoischen, klassischen Western-Umsetzung einer jener Filme, der das Ende des „alten“ Hollywoods wunderbar plakativ bebilderte und einläuten sollte, einer Zeit, als gerade das Western-Genre seine Unschuld verlor und durch Spaghetti-Western und Co. einen neuen Level der Realitätsschilderung aber auch der Brutalität bekam,

ST17_141_R_HOWTHEWESTWASWONOST_0605Wenn man nun aber über den Film denkt, wie man mag, so ist der Soundtrack, der nun über Soundtrack Factory/In-Akustik erneut herausgebracht wird, allemal sein Geld wert: Auf gleich zwei CDs wird hier auf insgesamt 59 Tonspuren (von Tracks zu reden würde die Ganzheit des Projektes und der legendären Musik verfälschen) und einer Laufzeit von runden 142 Minuten (und damit nicht so weit von der 164 Minuten Laufzeit des Filmes entfernt) klassischstes Hollywood-Filmmusikgut der Ära zelebriert; Routinier Alfred Newman (einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete) war seinerzeit zuständig für die Komposition und Umsetzung des bombastischen Musikthemas, das immer wieder aber auch leise Töne entwickelt und so (ungewollt) durchaus auch Freunde Avantgardistischer Musik und zeitgenössischem Jazz faszinieren dürfte.

Ein wie üblich bei den Reissues aus dem Hause Soundtrack Factory 16-seitiges, mit Infotainment randvoll bestücktes Booklet unterfüttert das hervorragende Standing und die historische Aufgabe, einen der prägnantesten Western-Soundtracks der Filmgeschichte für die Nachwelt zu konservieren: Die Neuauflage des Original-Soundtracks von „How The West Was Won“ kann was, und ist insbesondere für all jene ein gefundenes Fressen, welche die Punkte Sixties, Hollywood, Western, Orchesterarbeit und, so schwer es zu glauben scheint, Jazz, im Ohr und vor dem geistigen Auge miteinander verbinden wollen und können.

© Michael Arens