Mônica Vasconcelos – The São Paulo Tapes Mônica Vasconcelos – The São Paulo Tapes
3.5
Mônica Vasconcelos – The São Paulo Tapes (Mônica Vasconcelos/Galileo MC) Kein geringerer als Robert Wyatt, Mastermind der unvergleichlichen Soft Machine-Bandlegende, produzierte „The São Paulo... Mônica Vasconcelos – The São Paulo Tapes

Mônica Vasconcelos – The São Paulo Tapes (Mônica Vasconcelos/Galileo MC)

Kein geringerer als Robert Wyatt, Mastermind der unvergleichlichen Soft Machine-Bandlegende, produzierte „The São Paulo Tapes“, das neue Album der brasilianischen Sängerin Mônica Vasconcelos – der SOUL TRAIN berichtete.

Sensibler, zugleich unverbraucht agierender Umgang mit brasilianischem, aber auch international gültigem Liedgut macht den Kern des sympathischen Albums, welches ein Dutzend Songs der großen brasilianischen Klassiker von João Bosco über Chico Buarque und Ivan Lins bis zum unvermeidlichen Caetano Veloso bereit hält; allesamt Namen, die im SOUL TRAIN traditionell immer wieder im Fokus stehen.

Begleitet von Ife Tolentino (Gitarre), Andrés Lafone (Bass), Yaron Stavi (Doppelbass), Marius Rodrigues (Schlagzeug) und nicht zuletzt Pianist Liam Noble, der zugleich auch einen merklichen Teil der Songs des Albums geschrieben hat, reduziert sich der Sound des Werks trotzdem um die zarte und mitfühlsame Stimme Mônica Vasconcelos‚ ein und verkündet anmutige Spielfreude mit entzückendem Charme, der in Musik heutzutage allzu oft stiefmütterlich behandelt wird: Mônica Vasconcelos macht auf ihrem „The São Paulo Tapes“-Longplayer Musik für den Bauch und das Herz, erst an dritter Stelle kommt das schiere musikalische Handwerk, und das ist gut so.

Das der inhaltliche Fokus der Dutzend Lider von Mônica Vasconcelos‚ „The São Paulo Tapes“ tatsächlich Revolutionslieder sind, die sich mit der brasilianischen Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 befassen, ist dabei, sind wir ehrlich, allenfalls für jene, die des Brasilianisch-Portugiesischen mächtig sind, von tatsächlichem Interesse, tut dem reinen Genuss des Albums zugleich aber auch keinen Abbruch: Man hört dem Set auch so an, dass es Aussage und Ästhetik gleichermaßen authentisch an den geneigten Hörer zu bringen versteht wie die ehrliche, emotionale Absicht schlicht guter Musik, auch, wenn man brasilianischem Musikgefühl grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber stehen sollte, Gefälligkeitsfaktor hin oder her.

© Dominique Dombert-Pelletier