Gurls – Run Boy, Run Gurls – Run Boy, Run
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Gurls – Run Boy, Run (Grappa/Galileo MC) Etwas lahm und altbacken in der Wortwahl, aber von der schieren Nachricht und Ansprache her als auch... Gurls – Run Boy, Run

Gurls – Run Boy, Run (Grappa/Galileo MC)

Etwas lahm und altbacken in der Wortwahl, aber von der schieren Nachricht und Ansprache her als auch im Kern schlicht wahr darf man „Run Boy, Run“ von Gurls durchaus als „pfiffig“ bezeichnen.

Gurls, das sind die Stimmen von Rohey Taalah, Hanna Paulsberg und Ellen Andrea Wang, alle drei populäre norwegische Sängerinnen und Musikerinnen und keine unbeschriebenen Blätter im SOUL TRAIN.

„Run Boy, Run“ fokussiert den oft sparsamen Musikunterbau, der das Album, gemeinsam von den Gurls mit Kåre Vestrheim produziert und vom Gurls-Dreigestirn in Eigenregie geschrieben, immer wieder wie ein Acapella-Set wirken lässt, auf die Texte, die süffisant und selbstironisch die entspannteren Seiten des Lebens huldigen – recht so.

Seit die Band 2013 begann, wurde Original-Mitglied Emilie Nicolas, die hier als Gast auftritt, durch Rohey Taalah ersetzt, die in Norwegen mit ihrer eigenen Band Rohey ungemein erfolgreich ist (der SOUL TRAIN berichtete über alle genannten), was dem eigentlichen Habitus und dem unheimlich charmanten Ton des Werkes keinen Abbruch tut: Die Gurls sind da, um anspruchsvoll, aber, zumindest oberflächlich, butterweich zwischen Vocal Jazz, Acapella-Musik und Pop mit gelegentlichem Black Music-Groove-Unterbau zu unterhalten.

Ob Gurls nun, wie es die mitgelieferte Presseinfo proklamiert, als „Supergroup“ bezeichnet werden darf, kann oder sogar soll, können mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit sowieso nur unsere skandinavischen Nachbarn bewerten. Bis das soweit ist, gönnen wir uns lieber die immens unterhaltsamen, abwechslungsreichen und kontrolliert-wilden neun Titel von „Run Boy, Run“ (CD – das Album erscheint ganz zeitgemäß auch auf Vinyl), welches sogar Ästhetiken aus Spoken Word Poetry mit sich führt und auf seine eigene, bescheidene Art und Weise begeistert – schöne Sache.

© Holger S. Jansen